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Blaulicht Prozess nach Spitzhacken-Attacke in Hambühren beginnt mit Geständnis
Celle Blaulicht Prozess nach Spitzhacken-Attacke in Hambühren beginnt mit Geständnis
10:06 07.05.2014
Rechtsanwalt Jörg Salzwedel vertritt den Angeklagten im Lüneburger Landgericht. Quelle: aja
Hambühren

HAMBÜHREN. „Es ist nicht das, wonach es aussieht“, soll sein Nebenbuhler im Bett seiner Ex-Freundin gesagt haben, bevor er, „enttäuscht und wütend“ auf den Mann und seine Ex-Freundin eingeschlagen hat. „In meinem Kopf war eine Achterbahn.“ Seit Dienstag sitzt der 25jährige Mann aus Hambühren auf der Anklagebank, der im Januar mit einer Spitzhacke über den Balkon in die Wohnung seiner Ex-Freundin eindrang und diese und ihren Liebhaber erheblich verletzte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord in zwei Fällen vor.

Schon kurz nach Beginn des ersten Prozesstag beginnt der Straßenbauer, der seit dem Tattag am 5. Januar in Untersuchungshaft sitzt, zu erzählen. Er will sich auf den Vorwurf einlassen. Sein Geständnis beginnt mit der Trennung im November „nachdem wir 17 Monate eine Beziehung hatten, in der wir fast jeden Tag zusammen waren.“ Er habe zwar nicht bei ihr gewohnt, sondern weiterhin in Hambühren bei seinen Eltern aber „wir haben zusammen eingekauft, ich habe ihre Kinder vom Kindergarten abgeholt und oft auch dort übernachtet.“

Immer wieder habe er versucht, mit ihr zu sprechen. Im Dezember gab es dann eine Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz. Er durfte sich ihr nicht mehr als bis auf 50 Meter nähern. Fast zwei Stunden versucht der Vorsitzende Franz Kompisch den Mann auf der Anklagebank dazu zu bewegen, der Kammer zu erzählen wie es zu der Anordnung gekommen sei. „Ich weiß nicht warum sie im ganzen Dorf herumerzählt hat, dass sie Angst vor mir hat“, sagt er, „ich war verzweifelt, mir ging‘s dreckig.“

Doch die Vorfälle sind aktenkundig: Drohanrufe, SMS und Silvester hatte er ganze Böller auf ihren Balkon geworfen. Auch anderen Zeugen gegenüber soll er massive Drohungen gegen seine Ex-Freundin und dessen neuen Begleiter ausgesprochen gedroht haben. „Ich war halt sauer auf den, sagen Sie dann nicht auch mal was unbedachtes?“, fragt er den Vorsitzenden. „Wir kennen hier viele Charakterzüge, Verhaltensweisen und Devianzen“, bewegt Kompisch den Mann fortzufahren.

Für die ehemalige Freundin war es nach zahlreichen Streitereien und Drohungen im November klar: „Für mich ist jetzt Schluss.“ Etwa ein halbes Jahr nachdem die Beziehung begonnen hatte, begannen die täglichen Streitereien um nichts, erzählt sie dem Gericht. „Ich wollte nicht mehr.“

Er sei rasend vor Eifersucht gewesen, wenn er seine Freundin mit dem anderen Mann gesehen hat. „Alle ihre Freundinnen behaupteten da wäre nichts zwischen den Beiden“, erzählt er der Kammer, wie es zu dem Vorfall an jenem Sonntagmorgen im Januar kam. Dabei wollte er nur mit seiner Ex-Freundin reden, behauptet er. Doch weil die ihre Klingel abgestellt hatte, habe er mit einer Spitzhacke die Balkontüre aufgebrochen. Als er dann die beiden nackt im Bett antraf, rastete er aus, gibt er zu. „Ich wollte doch niemanden töten.“ Nachdem seine Ex-Freundin sich im Badezimmer verbarrikadiert hatte, von wo aus sie mit dem Handy die Polizei alarmierte, hatte er sich in das Kinderzimmer begeben und die vierjährige Tochter seiner Ex-Freundin getröstet. „Ich hatte die Kleine im Kinderzimmer weinen gehört und sie freute sich mich zu sehen und ich konnte sie beruhigen.“

Zum nächsten Prozesstag am kommenden Freitag werden weitere Zeugen aus dem Umfeld sowie die ermittelnden Polizisten befragt.

Von aja