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Blaulicht Radfahrer im Landkreis Celle sollen immer öfter Radwege verlassen
Celle Blaulicht Radfahrer im Landkreis Celle sollen immer öfter Radwege verlassen
17:09 28.01.2014
Von Simon Ziegler
Die Waller Straße in Winsen: Der Radfahrer fährt korrekt auf der Straße in Richtung Ortsausgang. Die Frau links fährt auf dem Gehweg, was sie inzwischen nicht mehr darf.  Quelle: Anne Friesenborg
Celle Stadt

Nachdem der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Wathlingen für den Erhalt von Radwegen mit dem Sammeln von Unterschriften begonnen hat, ist bekannt geworden, dass auch in anderen Gemeinden des Celler Lands Radwege „entwidmet“ wurden. In Winsen, Eschede, Hermannsburg und der Samtgemeinde Lachendorf haben ebenfalls Verkehrsschauen stattgefunden – mit dem Ergebnis, dass auch dort mehr Fahrradfahrer auf den Straßen fahren müssen.

Polizei und Landkreis verweisen darauf, dass sie gesetzliche Vorgaben umsetzen. Die Straßenverkehrsordnung basiere im Fahrradbereich auf der ERA, den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“. Diese sind 2010 modifiziert worden. Im Kern geht es darum, dass heute mehr Verkehrsteilnehmer in einem System geführt werden sollen. Im Klartext: Wenn Radfahrer auf der Straße fahren, werden sie von Autofahrern besser gesehen. Studien haben ergeben, dass es weniger und weniger schwere Unfälle gibt, wenn die Radfahrer auf der Straße statt dem Radweg fahren. So soll es es vor allem im Kreuzungsbereich weniger Unfälle geben. Auch würden Zusammenstöße vermieden, wenn Autos aus Ausfahrten herausfahren, weil auch hier Fahrradfahrer auf der Straße besser zu erkennen sind, heißt es.

Niemand muss aber befürchten, künftig auf einer stark befahrenen Bundes- oder Landesstraße sein Zweirad führen zu müssen. Die neuen Regeln gelten fast ausschließlich innerorts. Außerdem: „Je mehr Verkehr es auf einer Straße gibt, desto eher kann man anordnen, dass die Radfahrer die Straße verlassen müssen“, sagt Bernd Janz, Leiter des Straßenverkehrsamtes beim Landkreis Celle.

Die neue ERA wird nach und nach im gesamten Kreis Celle umgesetzt. Die Verkehrsexperten schauen sich alle Radwege in den Städten und Gemeinden an und überlegen, wo die Benutzungspflicht der Radwege aufgehoben wird. Das bedeutet für Fahrradfahrer: Wenn an einem Radweg noch ein blaues Schild steht, dann müssen sie den Radweg nutzen, erklärt Karl-Heinz Kroll, Verkehrsexperte bei der Celler Polizei. Wenn das Schild abmontiert wird, gilt die Benutzungspflicht nicht mehr. Radfahrer können sich dann aussuchen, ob sie auf der Straße fahren oder den Radweg nutzen – es sei denn, der einst gemeinsame Fuß- und Radweg wird im Zuge der Reform zum reinen Fußweg. Das ist zum Beispiel in Winsen auf der Waller Straße Richtung Ortsausgang der Fall. Wo früher die Radfahrer den separaten Weg nutzen durften, müssen sie heute auf der Straße fahren.

Dass Radfahrer Radwege teilweise nicht mehr nutzen dürfen, verstehen viele Menschen nicht. Zumal es auch ziemlich unübersichtlich wirkt, wenn manche Radwege befahren werden dürfen, andere aber nicht mehr. Welcher Fahrradfahrer schaut schon nach blauen Schildern, ob er auf einem – möglicherweise vor wenigen Jahren ausgebauten – Weg fahren darf? Kroll sieht das anders. „Nicht nur Autofahrer müssen sich an Verkehrsregeln halten, sondern auch Fahrradfahrer“, sagt er.

Im Alltag werden die meisten Menschen wohl weiterhin die gewohnten Radwege nutzen, blaue Schilder hin oder her. Doch Vorsicht: Wer dabei erwischt wird, zahlt zwischen 10 und 20 Euro Verwarngeld.