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Blaulicht Rätselraten um Schüsse in Neuenhäusen
Celle Blaulicht Rätselraten um Schüsse in Neuenhäusen
14:46 10.03.2017
Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

NEUENHÄUSEN. Auf der Anklagebank sitzt ein 21-jähriger Celler. Die Staatsanwaltschaft legt dem Handwerker versuchten Totschlags und Verstöße gegen das Waffengesetz zur Last. Die Vorstrafen umfassen Diebstähle, Körperverletzung und Rauschgiftdelikte.

Das Landgericht Lüneburg versuchte am zweiten Verhandlungstag durch die Befragung mehrerer Zeugen, den mysteriösen Kriminalfall zu erhellen. Vieles blieb vage, vor allem bei der Frage nach dem Motiv herrscht Rätselraten. Ein junger Mann vergrub sich in einer abenteuerlichen Verschwörungstheorie und vermutet hinter den Schüssen die Russen-Mafia. Vom 40-jährigen Opfer erhoffte sich das Schwurgericht ein wenig Klarheit zu bekommen.

Der Mann schilderte, dass er sich am 3. September 2016 mit Bekannten in der Disko verabredete. Vor dem Lokal stand der Angeklagte und versuchte den Maurergehilfen in ein Gespräch zu verwickeln. „Habe gesagt, dass er mich nicht anlabern soll. Ja, es fielen auch Schimpfworte.“ Nach dem harmlosen Wortgefecht kehrte Ruhe ein. Gegen 2.30 Uhr trat ein Bekannter an den Nebenkläger heran und berichtete, dass im Eingang jemand wartete. Der Mann verließ die Tanzfläche und erblickte seinen Kontrahenten. Beide zog es in eine dunkle Ecke unweit des Lokals.

Hasstiraden peitschten durch die menschenleere Straße. Die Schüsse folgten binnen Sekunden und für den 40-Jährigen ohne Vorwarnung. Gegenüber der eingesetzten Mordkommission berichtete der Geschädigte zunächst, sich mit einer Scherbe geschnitten zu haben und lieferte Stunden später den Namen des mutmaßlichen Schützen. „Es ging um gar nichts, kenne den Angeklagten gar nicht richtig.“ Die Kammer meldete Zweifel an der geschilderten Version an. Die Bitten gingen ins Leere.

Laut Rechtsmediziner war die Verletzung nicht lebensgefährlich, da die Kugel im Bein keinen hohen Blutverlust verursachte. Am kommenden Donnerstag wollen Waffengutachter und Angeklagter aussagen.

Von Benjamin Reimers