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Blaulicht Schwere Vorwürfe gegen V-Mann in Tierschützer-Szene
Celle Blaulicht Schwere Vorwürfe gegen V-Mann in Tierschützer-Szene
18:14 27.01.2014
Von Simon Ziegler
Am 8. Juli 2013 wollten 30 Aktivisten den Wietzer Schlachthof blockieren. Die Aktion flog auf. Ralf G. (Zweiter von rechts) soll als Spitzel für die Polizei gearbeitet haben. Quelle: Chris Grodotzki
Wietze

Ein V-Mann des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen könnte nach Informationen des NDR im Einsatz selbst Straftaten begangen haben. Der Mann sei nach mehreren Brandstiftungen in niedersächsischen Mastställen spätestens im März 2012 auf eine Gruppe radikaler Tierrechtler angesetzt worden. Der V-Mann soll im Internet indirekt dazu aufgerufen haben, weitere Tierställe in Brand zu setzen.

Ralf G., wie sich der „Vertrauensmann“ nannte, war den Recherchen zufolge eingesetzt worden, nachdem mehrfach in Niedersachsen Mastställe brannten. So ging 2010 in Sprötze bei Buchholz ein Maststall in Flammen auf, der Schaden betrug eine halbe Million Euro.

Nach Darstellung der Aktivisten der „Wietze/n-Kampagne“, die sich den Kampf gegen die Schlachthöfe von Rothkötter in Wietze und Wiesenhof in Wietzen auf die Fahnen geschrieben haben, habe G. zu der Gruppe im Frühjahr 2012 Kontakt aufgenommen, als in Bremen ein Vortrag über „Europas größte Hühnerschlachtfabrik in Wietze bei Celle“ gehalten wurde. Er sei danach immer häufiger bei Aktionen, Veranstaltungen und Gerichtsprozessen dabei gewesen. Mehrfach stellte er sein Auto zur Verfügung. Nachdem am 8. Juli 2013 eine Blockade des Wietzer Schlachthofes gescheitert war, fiel der Verdacht auf G., ein Spitzel zu sein. Im November stellte die Gruppe dem Mittvierziger aus Bad Harzburg eine Falle, indem sie ihn in eine Blockade-Aktion einweihte, die es gar nicht gab.

Laut NDR beschränkte sich G. nicht auf das reine Beobachten. Unter einem Pseudonym habe er in einem sozialen Netzwerk den Satz „Advent, Advent ein Maststall brennt. Wer macht weiter?“ gepostet. Außerdem habe er Tierschützern den Hinweis gegeben, wie Transportfahrzeuge der Fleischindustrie funktionsunfähig gemacht werden könnten. Weiterhin soll er Sabotageaktionen bei Neubauten von Mastställen angeregt haben. Ein LKA-Sprecher äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Das Landeskriminalamt werde den Einsatz weder bestätigen noch dementieren, hieß es.

Dass vom LKA V-Leute in der Tierschützer-Szene eingesetzt werden, ist völlig neu. Zumindest sind Spitzel bislang nicht aufgeflogen. Die Polizei darf sie einsetzen, um schwere Straftaten zu verhindern.

Bei den Aktivisten handelt es sich um eine Gruppe von Tierschützern zwischen 20 und 30 Jahren aus ganz Niedersachsen, die gegen Schlachtanlagen der Fleischindustrie vorgehen. Eine von ihnen ist die 24 Jahre alte Studentin Leonie Krügener aus Braunschweig. Ralf G. habe vorgetäuscht, er sei ein Teil der Bewegung, sagte sie. „Er hat unser Vertrauen missbraucht und ein falsches Spiel gespielt“, so Krügener gegenüber der CZ.

Am Wietzer Schlachthof hat es in der Vergangenheit zahlreiche Protestaktionen gegeben, darunter waren auch einige Aktionen, die dem radikalen Spektrum zugeordnet werden. Bevor der Bau begann, hatten Aktivisten wochenlang ein Besetzer-Camp aufgeschlagen und sich vor der Räumung im Boden einbetoniert. Beim Landkreis Celle wurden Anfang 2013 Scheiben eingeworfen, eine autonome Gruppe hatte sich später zu der Tat bekannt. Im Oktober 2013 waren Aktivisten auf das Rothkötter-Gelände gelangt, ein Demonstrant war dabei auf einen Lkw gesprungen.

Die BI Wietze distanziert sich von diesen Aktionen. „Das ist nicht unsere Art, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir halten uns an Recht und Gesetz“, sagte die BI-Vorsitzende Uschi Helmers.