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Blaulicht Sieben Jahre Haft für Celler nach Vergewaltigung in der Ehe
Celle Blaulicht Sieben Jahre Haft für Celler nach Vergewaltigung in der Ehe
13:36 30.10.2017
Celle Stadt

Sechs gemeinsame Kinder erfüllten ein langjähriges Familienglück. Doch da sich der ehemalige Fliesenleger zusehends in den Alkohol flüchtete, machte er ein geordnetes Zusammenleben ab Ende 2016 unmöglich. Mutter und Töchter fürchteten um ihre Sicherheit und erwirkten beim Amtsgericht Celle eine sogenannte Gewaltschutzverfügung. Diese untersagte es dem gebürtigen Syrer fortan, sich seinem bisherigen Zuhause zu nähern. Für rund zwei Monate herrschte Ruhe.

Ein Moment der Unachtsamkeit löste die Kette der dramatischen Ereignisse aus. Für die Vormittagsstunden am 2. Mai kündigte sich ein Handwerker an, um Ausbesserungsarbeiten in der Wohnung durchzuführen. Gegen 11 Uhr ertönte die Klingel. Arglos öffnete die Frau daraufhin die Haustür. Dem Eindringling gelang es schnell, den anfänglichen Widerstand zu brechen. Der Ehemann riss sein Opfer an den Haaren durch den Flur. Zusammengekauert lag die Gattin in der Ecke. In einem Zwischenraum zum Wohnzimmer folgte der zweite Akt eines Sturms brachialer Gewalt. Der 49-Jährige legte eine Leggings um ihren Hals und drückte zu. Panisch rang die Geschädigte um Luft. Anschließend vollzog er den ungeschützten Geschlechtsverkehr. Das Martyrium dauerte rund zehn Minuten.

Vor der 11. Großen Strafkammer setzte der Beschuldigte unerträgliche Hasstiraden in Gang und bestritt den Tatvorwurf. Am zweiten Sitzungstag sprach er seine Ehefrau direkt an und machte ihr den Vorwurf, ihn am besagten Montag verführt zu haben. Das Verfahren strapazierte die Nerven aller Beteiligten. Bei der mündlichen Begründung des Schuldspruchs zitterte selbst der Vorsitzenden Richterin Silja Precht die Stimme, als sie bisher unbekannte Details im Prozess nannte. „Er drohte ihr mit einer Eisenstange in der Hand." Er habe zu seiner Frau gesagt: "Ich hänge Dich im Keller auf und bringe Dich um.“

In der Beweisaufnahme riss eine Anwohnerin, dem angeblich treu sorgenden Vater, der nach der Trennung nur seine Lieben besuchte, die Maske vom Gesicht. Die Zeugin berichtete, dass die Geschädigte am Tattag zusammengekauert vor dem Haus saß und nicht mit einem Glas Cola freudestrahlend auf dem Balkon stand. Das Gericht musste besonders die Erzählungen aus den Reihen der Familie kritisch bewerten, um Anzeichen einer möglichen falschen Verdächtigung auszuschließen. Richterin Precht sagte, dass die Zeugen zu einhundert Prozent glaubwürdig und und die Aussagen stimmig seien.

Eine Replik des Bösen setzte sich bei den Angaben des psychiatrischen Sachverständigen fort. Der Angeklagte sei Alkohol gewöhnt, aber nicht abhängig. Eine anfänglich vermutete seelische Erkrankung widerlegte der Mediziner. „Er wusste, was er tat“. Doch eines bereitete dem Gutachter Kopfzerbrechen. Die zutage getretene „sexualisierte Gewalt“. Das Verfahren fand großenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch bei den Schlussvorträgen von Staatsanwältin und Verteidigung musste das Publikum den Saal verlassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Benjamin Reimers