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Blaulicht Tankstellenüberfall in Celle: "Opfer verloren Selbstwertgefühl"
Celle Blaulicht Tankstellenüberfall in Celle: "Opfer verloren Selbstwertgefühl"
13:54 08.09.2016
Quelle: Philipp Schulze
Celle Stadt

Die unheimliche Überfallserie auf Tankstellen begann im vergangenen November. Besonders betroffen war die Stadt Lüneburg. Dort schlug der Langfinger achtmal zu. Bis Februar fielen dem Angeklagten bei den Raubzügen insgesamt 5000 Euro Bargeld und Zigaretten im Wert von 1000 Euro in die Hände.

"Die Opfer verloren das Selbstwertgefühl", führte Heintzmann aus, als er auf die Tat in Celle einging. Es nahm den 26-Jährigen Verkäufer sichtbar mit, als er die Abläufe des 23. Februars schilderte. Der Geschädigte berichtete, dass er gegen 18 Uhr die Abendschicht antrat. Als das Kundenaufkommen nachließ, holte der Angestellte einen Besen, um den Verkaufsraum zu säubern. Als der Tankwart zurückkehrte, brachen die schrecklichsten Minuten seines Lebens an: "Auf einmal stand er mit einer Schusswaffe vor mir und forderte Geld." Der Langfinger schob dem Geschädigten einen Stoffbeutel zu, als dieser nicht schnell genug eintütete und einige 50-Euro-Scheine zu Boden fielen, ging er hinter den Tresen und raffte das Geld eigenhändig zusammen. Drohende Worte wie "verarsche mich nicht", verunsicherten zusätzlich.

Der Beschuldigte flüchtete mit 870 Euro im Kleinwagen. Ein aufmerksamer Kunde notierte sich das Kennzeichen. Als wenig später in der Gifhorner Innenstadt die Handschellen klickten, ging eine der aufwendigsten Fahndungen der letzten Jahre der Polizeidirektion Lüneburg zu Ende. Die Suche der Kripo nach dem Phantom gestaltete sich schwierig, wohl auch deshalb, weil der Räuber noch nie in Konflikt mit dem Gesetz stand.

Während der Lehre nahm er zum ersten Mal Drogen, Rückschläge veränderten den Beschuldigten. Schulden und der Druck von Dealern entzogen dem 39-Jährigen den Boden unter den Füßen. "Ich habe den Überblick verloren", hieß es in einer Erklärung zu Prozessauftakt. "Sie entsprechen nicht dem Bild eines typischen Schwerverbrechers", so der Richter. Zu Beginn der Verhandlung stand eine Haftstrafe von über zehn Jahren im Raum. Das umfangreiche Geständnis honorierte die Strafkammer, die Staatsanwältin forderte eine siebeneinhalbjährige Gefängnisstrafe.

Von Dagny Rößler