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Blaulicht Vier Jahre Gefängnis für Celler Apothekenräuber
Celle Blaulicht Vier Jahre Gefängnis für Celler Apothekenräuber
07:39 20.02.2015
Celle Stadt

LÜNEBURG. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Frank Speer, hatte wegen des reuigen Geständnisses für eine Strafe unter drei Jahren plädiert, doch die Vorsitzende der 2. Großen Strafkammer, Ulrike Schunder, nannte gute Gründe, warum die Kammer nicht von einem geminderten Strafrahmen ausging. Allem voran führte sie die schweren beruflichen wie auch persönlichen Folgen für die überfallene Apothekerin an.

„Sie hat bis heute noch das Bild des Mannes mit der Pistole vor Augen, kann Nachtdienste nicht mehr alleine erledigen und muss immer jemanden bitten, sie zu begleiten, wenn sie am Notschalter um Hilfe ersucht wird“, zählte die Vorsitzende eine Reihe der schweren Belastungen auf, die für die Apothekerin aus diesem Überfall zurückgeblieben sind. „Auch wenn der finanzielle Schaden nicht so groß war, weil der Großteil der Beute bei der Festnahme des Angeklagten sichergestellt werden konnte, sind diese Belastungen als erheblicher Schaden vom Angeklagten verschuldet worden.

Der 64-jährige Celler war mit dem Zug aus Celle nach Soltau gekommen, weil er seinen Bruder in Bispingen besuchen wollte. Er wartete auf den Anschlussbus, als ihm die geöffnete Tür der Apotheke ins Auge fiel. Kurz darauf stand er mit einer Waffe in der Hand vor der Apothekerin und verlangte Morphin und Geld. Morphium konnte sie dem Mann nicht geben und überließ ihm daher die Tageseinnahme. Nachdem er die Frau dann in einem Nebenraum eingesperrt hatte, hinterließ er Waffe, Jutebeutel und seinen auffälligen Hut im Gebüsch des Böhmeparks und setzte sich in ein benachbartes Restaurant. Dort bestellte er sich ein Taxi, während vor der Apotheke inzwischen Polizeifahrzeug und Krankenwagen eingetroffen waren. In einer Uelzener Gaststätte konnte er dann festgenommen werden, weil einem aufmerksamen Soltauer Taxifahrer die Redseligkeit seines Fahrgastes verdächtig schien und sein Kollege aus Uelzen noch genau wusste, wo er die verdächtige Person abgesetzt hatte.

Seine Utensilien wurden im Böhmepark gefunden und lagen während des Prozesses auf dem Richtertisch. Weil die Patronen falsch herum in der Waffe eingesetzt waren, gelte diese als untauglich, erläuterte die Vorsitzende das für diese schwere Straftat mit Waffe noch relativ milde Urteil.

Von Angelika Jansen