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Blaulicht Vorbereitung auf das Leben
Celle Blaulicht Vorbereitung auf das Leben
17:23 24.09.2013
Celle Stadt

„Eine Wohnung, Arbeit und eine Frau, das sind die wichtigsten Dinge, die jeder habe möchte“, weiß Otfried Junk. Was sich zunächst banal anhört, hat für die Klientel von Junk eine ganz besondere Bedeutung. Der Geschäftsführer des Schwarzen Kreuzes in Celle kümmert sich mit seinen 20 ehrenamtlichen Mitstreitern um Strafgefangene, will ihnen nach der Entlassung den Weg in die Gesellschaft ebnen. Doch dieser Weg ist steinig. „Viele unterschätzen, was dabei auf sie zukommt, sind dann unzufrieden und werden wieder rückfällig“, berichtet Junk.

1925 wurde das Schwarze Kreuz als ehrenamtliche Strafhilfe gegründet, der Celler Ableger, das "Projekt Brückenbau" besteht seit 25 Jahren. Hauptaufgabe: Die Vermittlung von Kontakten an Häftlinge, die in Celle oft sehr lange hinter Gittern sitzen. Hier verbüßen die "schweren Jungs" ihre Haftstrafen, zehn Jahre und länger sind keine Seltenheit. "Mit der Zeit brechen dann die meisten Kontakte ab und irgendwann ist keine Bezugsperson außerhalb der Gefängnismauern mehr vorhanden. Gerade nach der Entlassung stellt sich dann häufig die Frage, wo es nun hingehen soll", erzählt Junk.

Eine Vorbereitung auf die Entlassung sollte schon ab den ersten Tagen im Vollzug stattfinden. Für Häftlinge nach ihrer Entlassung sei es wichtig, individuelle Perspektiven zu entwickeln und realistische Erwartungen zu schaffen. Dabei sollen die Kontakte helfen. „Wir bekommen anonyme Anfragen von Gefangenen und sortieren dann, was wirklich gesucht wird“, so Junk. Die Hälfte der vermittelten Kontakte breche wieder ab und brauche einen zweiten Anlauf. „Trotzdem soll jeder, der einen Kontakt sucht, auch einen bekommen. Wir wollen persönliche Begegnungen und Beziehungen ermöglichen.“ Viele Häftlinge sagten, dass es ihnen ohne ihren Kontakt schlechter ginge. „Durch uns können die Häftlinge ihren Alltag im Gefängnis besser überstehen", ist Junk überzeugt.

Besonders wichtig sei zudem die präventive Arbeit und Haftvermeidung. Dazu gehöre auch die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. „Viele Menschen sind über Straftaten falsch informiert“, sagt Junk. „Die Gefängnisse in Niedersachsen sind nur zu 60 Prozent belegt. Auch sonst werden viel weniger Straftaten verübt, als gemeinhin angenommen wird. Die Mordrate ist ebenfalls deutlich zurückgegangen.“ Bei Besuchen in Schulen oder Kirchengemeinden klärt der Verein darüber auf und wirbt um ehrenamtliche Mitglieder. Außerdem fungiert das Schwarze Kreuz als Beratungsstelle.

Von Carolin Dickmann