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Blaulicht Wirbel um gefälschte Facebookseite der Hermannsburger Polizei
Celle Blaulicht Wirbel um gefälschte Facebookseite der Hermannsburger Polizei
19:13 04.03.2015
Von Christoph Zimmer
Hermannsburg

„Frau im Örtzepark überfallen und schwer verletzt“ oder „Schlag gegen Drogenhandel“ stand bis Freitag über zwei Meldungen, die auf der Facebookseite der Polizei Hermannsburg zu lesen waren. Aber es war keinesfalls der offizielle Auftritt der Ordnungshüter im sozialen Netzwerk. „Es handelte sich hier um eine gefälschte Seite“, sagte Polizeisprecher Guido Koch. Auch die beiden geposteten Meldungen entsprachen nicht der Wahrheit. „Von diesen Vorfällen ist uns nichts bekannt.“

Nach dem Einbruch in ein Einfamilienhaus in Beckedorf am 25. Februar, bei dem Unbekannte einen Tresor gestohlen hatten, wurde das Foto eines in der Nähe des Tatorts gesehenen Opels in einem angeblichen Fahndungsaufruf nach den mutmaßlichen Einbrechern auf der Seite gepostet – mit deutlich erkennbaren polnischen Kennzeichen. Daraufhin begann die Polizei zu ermitteln. Denn das Foto stammte nicht von den Beamten. Und eine Fahndung gab es nicht. Wenig später war die Seite offenbar vom Initiator abgemeldet worden. Mehr als 200 Fans hatte die eingerichtete Seite zwischenzeitlich. Wer deren Initiator war, war nicht zu erkennen. Ein eigentlich vorgeschriebenes Impressum fehlte. Als Adresse war Am Markt 3 in Hermannsburg angegeben – die der Polizeistation.

Die Polizei ermittelt nun wegen des Anfangsverdachts der Amtsanmaßung, weil auf der Seite auch Fotos und das Logo der Polizei abgebildet waren. „Es wird der Anschein erweckt, dass es sich um eine offizielle Seite handelt“, sagt Koch mit Blick auf die Bilder und den Namen. Denn neben Polizei Hermannsburg hieß es dort, dass es sich um eine Regierungsbehörde handele. Hinzu kommt, dass das Verwenden der Bilder auch einen Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht bedeutet. „Jeder, der diese Bilder verwendet oder weiterleitet, bewegt sich auf dünnem Eis“, sagt Koch. Er hofft, dass dieses Beispiel eine abschreckende Wirkung hat. „Nachahmer müssen wissen, dass sie sich in einer rechtlichen Grauzone bewegen.“

Bei den Falschmeldungen handelt es sich um sogenannte Hoaxes, die sich in der Regel schnell im Internet verbreiten. Daher will die Polizei die Nutzer aufklären. Um nicht auf solche gefälschten Polizeinachrichten und Warnmeldungen hereinzufallen, rät die Polizei, den Text aufmerksam durchzulesen, auf den Schreibstil zu achten und sich im Zweifel direkt an die Behörden zu wenden. „Außerdem sollte man das Impressum einer Seite genauestens überprüfen“, sagt Koch. Auf den offiziellen Polizeiseiten bei Facebook informieren die Beamten unter anderem über Fahndungsaufrufe, eigene Veranstaltungen und werben für Nachwuchs.

Initiatoren solch gefälschter Polizeiseiten drohen unter anderem wegen Amtsanmaßung, Missbrauch von Titeln, Vortäuschen einer Straftat, falscher Verdächtigung oder Strafvereitelung eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. „Art und Umfang des Vergehens werden im Einzelfall genau überprüft werden müssen“, sagt der Celler Oberstaatsanwalt Lars Janßen.

Mit der ständig wachsenden Bedeutung sozialer Netzwerke ist auch eine Zunahme von Missbrauchsfällen verbunden. Der Fall aus Hermannsburg ist da nur ein Beispiel, wenn kompromittierende Mitteilungen und Inhalte in Umlauf gebracht werden und sich im Internet rasend schnell verbreiten.

Für die Opfer falscher Verdächtigungen kann es schwere Folgen haben. „Das kann persönliche und gesellschaftliche Auswirkungen haben“, sagt Uwe Jeest vom Bündnis gegen Cybermobbing. Viele würden sagen, „von dem habe ich das immer schon gedacht“. Und auch wenn später rauskommt, dass es ein Fake war, „von dem, was direkt gepostet wird, bleibt immer etwas hängen“.

Claus Volke rät Opfern einer kompromittierenden Nachricht unbedingt Strafantrag zu stellen. „Man sollte auf jeden Fall massiv dagegen vorgehen“, sagt der Fachanwalt für Informationstechnologierecht. „Es besteht der Anspruch auf Unterlassung und Schadenersatz.“ Auch zivilrechtlich könne man gegen den Initiator vorgehen. Aber schnell sollte man sein. „Ab einer gewissen Verbreitung ist es fast unmöglich, einen Beitrag komplett aus dem Internet zu löschen.“