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Blaulicht Zeugen werfen neue Fragen im Eisermann-Prozess auf
Celle Blaulicht Zeugen werfen neue Fragen im Eisermann-Prozess auf
16:01 11.09.2013
Benno Eisermann Quelle: Ralf Taschke
Celle Stadt

Im Prozess vor dem Lüneburger Landgericht gegen den Mann, der im Juli vor zwei Jahren den Gastronom Benno Eisermann lebensgefährlich verletzt haben soll, warfen am gestrigen Verhandlungstag weitere Zeugen neue Fragen auf. So hatte der Wachmann einer benachbarten Firma in der Tatnacht die Vorgänge vor dem Eisermann-Grundstück beobachten können. Zunächst hatte er nach eigenen Angaben einen Mann gesehen, der vor dem Grundstück am Zaun randaliert hatte, jedoch wegen des lauten Hundegebells nicht verstehen können, was der Mann über den Zaun gerufen hatte.

Schon kurz danach, „etwa zehn Minuten“ nachdem die Polizei diesen Mann vom Grundstück entfernt hatte, seien „ruckzuck“ zwei Fahrzeuge herangefahren gekommen, von denen das eine durch das verschlossene Tor hindurchgefahren und das zweite, eine dunkle Limousine, vor dem Grundstück stehen geblieben sei, so der Zeuge. „Drei Männer stiegen heraus und rannten im Laufschritt“ durch das beschädigte Tor auf das Grundstück, berichtete er auf Nachfragen des Vorsitzenden Franz Kompisch. Hunde hätten beim zweiten Mal nicht angeschlagen und seien auf dem Grundstück auch nicht zu sehen gewesen, bestätigt der Nachtwächter, der sich nur etwa 50 Meter von der Toreinfahrt entfernt befand.

Eisermann und seine Frau hatten angegeben, dass sie schon fast wieder eingeschlafen waren, nachdem der zuvor randalierende Angeklagte das Grundstück im Polizeiauto verlassen hatte. Nun liegt es am Gericht, die Notrufe und die aufgezeichneten Anrufe bei der Polizei dahingehend auszuwerten, in welchen Zeiträumen die beiden Vorfälle in der Nacht zum 20. Juli 2011 in Zusammenhang zu bringen sind: Zunächst war der Angeklagte am Grundstück des Geschädigten aufgetaucht und hatte diesen beschimpft und bedroht. Dann soll dieser noch einmal wiedergekommen und auf das Grundstück gelangt sein, eine Scheibe neben der Haustür zerschlagen, das Haus betreten und mehrere Male mit einem Baseballschläger auf Benno Eisermann eingeschlagen haben.

Eisermann bekundete vor der Strafkammer, den Angeklagten eindeutig wieder erkannt zu haben. Dieser will sich jedoch an nichts erinnern können. Er war mit erheblichen Verletzungen am Unterarm gegen halb sieben Uhr morgens im Krankenhaus in Melle operiert worden, wie ein Arzt aus Melle aussagte. Wie er dorthin gekommen war, daran erinnerte sich der Angeklagte nicht mehr. „Die Verletzungen können durchaus von einem zerborstenen Fensterglas herrühren“, bestätigte indes der Chirurg, der den Patienten am Morgen des 20. Juli 2011 nur narkotisiert erlebt hatte und nicht mit ihm über die Ursachen der schweren Verletzungen hatte sprechen können. Glasscherben seien nicht in der Wunde gewesen.

An den nächsten zwei Prozesstagen sollen die Polizeibeamten noch einmal genau schildern, was sie am Tatort beobachtet haben. Dann folgen Sachverständige. Die Ergebnisse der verspäteten Tatortuntersuchung sowie die Spuren am Baseballschläger werden am Ende der Beweisaufnahme im Mittelpunkt stehen.

Von cz