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Blaulicht Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Celler Räuber
Celle Blaulicht Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Celler Räuber
19:15 10.06.2016
Celle Stadt

Überraschend erschien zu Beginn des dritten Sitzungstages ein wichtiger Zeuge, nach dem die Große Strafkammer seit Wochen erfolglos gefahndet hatte. Der 26-jährige Produktionshelfer aus dem nördlichen Landkreis bekundete, dass er sich am späten Abend des 13. Juni 2015 mit dem Angeklagten getroffen und mit ihm Wodka getrunken habe, ehe sich beide gegen 2 Uhr morgens auf den Weg in eine Celler Diskothek machten. Dort trafen beide Männer auf zwei Bekannte. Irgendwann verließ die Gruppe nach durchzechten Stunden das Lokal.

In der Celler Innenstadt beschloss das Quartett, einen Mann aufzusuchen, von dem kriminelle Kreise wussten, dass er Drogen verkauft. Der Zeuge gestand, mitgeholfen zu haben, auf den Geschädigten einzuschlagen. „Ich war geschockt von dem Ausmaß. Aus Angst schwieg ich. Habe Scheiße gebaut, dazu stehe ich jetzt“ – für seine Beichte wählte er deutliche Worte. Das gegen den 26-Jährigen eingeleitete Ermittlungsverfahren setzen die Ordnungshüter nun fort.

Staatsanwalt und Verteidigerin fassten in ihren Plädoyers den Sachverhalt zusammen und brauchten für den Vortrag nur wenige Minuten. „Es tut mir leid“, sagte der beschuldigte Celler in seinem letzten Wort, bevor sich die Türen zum Beratungszimmer schlossen.

Wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung erhielt der 21-Jährige Angeklagte eine zweijährige Bewährungsstrafe und muss 160 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Sie haben im Prozess alles richtig gemacht, was Sie richtig machen konnten“ – ein wegweisender Satz, mit dem der Vorsitzende Richter Volker Heintzmann die Urteilsbegründung einleitete und dabei nicht vergaß, das Geständnis mehrfach lobend hervorzuheben. Mit seinem Strafmaß folgte das Landgericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Wie ein Rollkommando waren die vier Männer in die Wohnung eingedrungen, hatten den Mieter verletzt und verschwanden mit mehreren Gramm Marihuana und 100 Euro Bargeld. Das heftige Klopfen in der Morgendämmerung hatte den Mieter beeindruckt - er öffnete kurz, um sich in der Folge schnell zu verbarrikadieren. Nach einem gezielten Tritt gegen die Tür fiel diese binnen Sekunden aus den Angeln. Durch einen kräftigen Strahl Pfefferspray setzte der Angeklagte den Mieter außer Gefecht. Zwei Einbrecher traten und schlugen nach dem Mann, ehe sie gegen 6 Uhr flüchteten. „Es bedarf einer besonderen kriminellen Energie, in eine Wohnung einzudringen“, erklärte Heintzmann.

Das Opfer selbst gab sich in der Hauptverhandlung auffallend "zugeknöpft", schilderte, dass die Räuber ihn aus dem Schlaf gerissen und sofort angegriffen hätten. Das Gericht analysierte die Angabe des Mieters besonders sorgfältig, glaubte in diesem Punkt dem Angeklagten und deckte neue Widersprüche auf. So müsse das angeblich gestohlene Mobiltelefon auf andere Weise abhanden gekommen sein, damit die Polizei nicht an die gespeicherten Nummern herankomme, was ihr Einblicke in die Drogenszene ermöglicht hätte, resümierte der Vorsitzende.

Von Benjamin Reimers