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Gericht Chemie-Alarm im Celler Katasteramt
Celle Gericht Chemie-Alarm im Celler Katasteramt
18:01 16.03.2016
Im einigen Räumen des Celler Katasteramts an der Mühlenstraße wurde der Giftstoff Chlornaphthalin entdeckt. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Chlornaphthalin wurde früher in Teerkleber von Parkettböden oder in Holzschutzmitteln verwendet. In einem Gerichtsverfahren in Frankfurt am Main wurde 1993 festgestellt, dass der Stoff zusammen mit anderen Substanzen für gesundheitliche Schäden bei den Klägern verantwortlich war. Sie alle hatten das selbe Holzschutzmittel in ihren Räumen verstrichen und litten unter Bindehautentzündungen, vielfältigen Hals-Nasen-Ohren-Störungen, Hautveränderungen, Durchfall, Unwohlsein und Kopfschmerzen. Ein Kind schwebte sogar in Lebensgefahr, wurde aber noch rechtzeitig gerettet. Die Verantwortlichen der Holzschutzmittel-Firma wurden damals zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Wegen des Giftstoffs sollen in den nächsten zwei bis drei Monaten die Zimmer des Katasteramts geräumt werden, die belastet sind. "Wir haben den sogenannten Vorsorgewert überschritten, nicht den Eingreifwert", sagt Manuela Stolte, Geschäftsleiterin des Amtsgerichts. Das Amtsgericht ist in dem Gebäude, das in den 1930ern erbaut wurde, der Vermieter für das Katasteramt. Die Gutachterin hat laut Stolte empfohlen, die Räume innerhalb von drei Monaten frei zu machen und ordnete keine sorfortige Räumung an.

Der Vorsorge-Wert für Chlornaphthalin liegt bei 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, der Eingreif-Wert bei 30 Mikrogramm pro Kubikmeter. In drei Amts-Räumen wurde der Wert mit 21, 10,8 und 11,6 Mikrogramm überschritten. In zwei Räumen blieben die Messungen mit 9,4 und 3,4 Mikrogramm unter dem Vorsorge-Wert.

Krank ist nach Angaben von Stolte noch niemand geworden. "Aus Fürsorge-Gründen haben wir aber eine, wie von der Gutachterin empfohlene, Sanierung geplant. In dieser Zeit werden die Kollegen anderweitig untergebracht", erklärt die Geschäftsleiterin. So soll nicht nur der Gestank, sondern auch der Giftstoff aus dem alten Gebäude verschwinden.

Von Alexander Hänjes