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Aus dem Landkreis „Aktion Neustart“ bietet Aussteigern Unterstützung
Celler Land Aus dem Landkreis „Aktion Neustart“ bietet Aussteigern Unterstützung
19:15 09.08.2018
Landkreis Celle

„0172 4444300“ – rund um die Uhr ist seit Anfang November die Hotline der „Aktion Neustart“ erreichbar, die Aussteigern helfen will, der rechtsextremistischen Szene den Rücken zu kehren. Die Aktion will auch verhindern, dass junge Menschen überhaupt erst in rechtsextremistische Kreise abrutschen.Anders als das Programm „AussteigerhilfeRechts“ des niedersächsischen Justizministeriums, das straffällig gewordenen Rechtsextremisten den Absprung aus der Szene ermöglichen soll, ist das neue Angebot des niedersächsischen Verfassungsschutzes auf Menschen ausgerichtet, die ihre „Karriere“ in rechtsradikalen Kreisen erst noch vor sich haben.

„Wir treten gezielt an junge Leute heran und sprechen sie aktiv an“, sagt Maren Brandenburger, Sprecherin des Verfassungsschutzes in Hannover. Das sei Prävention im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre Behörde habe einen guten Überblick über die Szene und sei auch mit Eltern oder Lehrern im Gespräch.

Auch die sollen zum Telefon greifen und die Hotline anrufen, wenn sie befürchten, dass jemand in die rechtsextremistische Szene abgleitet. Zwei erfahrene Kollegen in ihrer Behörde würden dann das Gespräch suchen. Auch gäbe es eine enge Zusammenarbeit mit bestehenden Programmen.

„Da gerade junge Menschen für rechtsextremistische Ideen anfällig sind, soll die Hilfe möglichst früh geleistet werden. Somit ergibt sich die Chance, eine rechtsextremistische Karriere zu unterbrechen oder ein Abgleiten in strafbares Verhalten zu verhindern“, heißt es in einem Flyer, der auf das neue Angebot hinweist. Ausdrückliche Zielgruppe sind danach 14- bis 18-jährige Jugendliche und junge Erwachsene.

„Aktion Neustart“ will Wege aufzeigen, wie es gelingen kann, dem Rechtsextremismus den Rücken zu kehren. „Wir haben uns ein gutes Repertoire zurechtgelegt“, sagt Brandenburger. Beratung und Unterstützung soll es geben beim Umgang mit Behörden, bei der Suche nach einem Arbeitsplatz oder bei der Vermittlung von Ausbildungsmöglichkeiten. Wenn es erforderlich ist, kann auch Unterstützung bei einem Umzug geleistet werden.

Damit das gelingt, werden die Daten möglicher Aussteiger aus der rechtsextremistischen Szene streng vertraulich behandelt. Hinweise, Nachfragen oder Angaben zu persönlichen Umständen werden danach nur zum Zweck eines Ausstiegs verwandt.

PMinister empfiehlt neues Angebot: „Das Programm ‚Aktion Neustart‘ bietet Unterstützung, Beratung und Hilfe, die insbesondere von seiten besorgter Eltern, aber auch von Schulen immer wieder angefragt werden“, hatte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann bei der Vorstellung des neuen Programms im Oktober gesagt.

PEinsteiger immer jünger: Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes geht das rechtsextremistische Personenpotenzial in Niedersachsen seit 2003 stetig zurück. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist rechtsextreme Szene weiterhin intensiv um Nachwuchs bemüht. Im Visier haben sie vor allem junge Menschen, für die Werbung nutzen sie eigens produzierte CDs, Internetseiten oder -foren und Schülerzeitungen. Auch in Celle wurde an Schulen die Zeitschrift „Bock“ verteilt.

Das Einstiegsalter in die rechtsextremistische Szene liegt nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes mittlerweile bei 14 Jahren, in Einzelfällen auch darunter. Deshalb soll der Webestrategie der Neonazis entgegen getreten werden. Das geschieht mit breit angelegter Prävention, die von der Wanderausstellung zum Extremismus über Vorträge, Beratung von Kommunen bis zu Angeboten wie Comics, Fibeln oder Planspiele für Schulen reicht. Ein weiterer Baustein der Präventionsarbeit ist jetzt die „Aktion Neustart“.

Von Joachim Gries