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Aus dem Landkreis Akuter Lehrermangel im Celler Land: Oberschulen schränken Ganztagsbetrieb ein
Celler Land Aus dem Landkreis Akuter Lehrermangel im Celler Land: Oberschulen schränken Ganztagsbetrieb ein
12:10 04.08.2017
Von Christopher Menge
Die Oberschulen im Landkreis Celle leiden unter dem allgemeinen Lehrermangel. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Celle-Landkreis

Nach Angaben der Celler Kreisverwaltung hat sich das "Lehrer-Roulette" gleich zu Beginn des neuen Schuljahres massiv ausgewirkt. Landrat Klaus Wiswe hat sich daher mit einem Schreiben an die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt gewandt. "Die Sicherstellung der Lehrerversorgung an den Schulen im Landkreis Celle ist nicht gewährleistet und die Erfüllung des Bildungsauftrages ist nicht nur in Frage gestellt, sondern akut gefährdet", so Wiswe.

Hintergrund sind die Abordnungen an Grundschulen, da dort viele Lehrerstellen nicht besetzt sind. Die dadurch entstehenden Lücken an den Oberschulen und der Gesamtschule sollen wiederum durch Abordnungen von Lehrern der Gymnasien aufgefangen werden – so weit die Theorie. "Das führt zu einem Teufelskreis, der das grundsätzliche Problem nicht beseitigt oder zumindest verringert, sondern lediglich eine Umverteilung und eine breitere Streuung des personellen Mangels auf alle Schulen aller Schulformen mit sich bringt", kritisiert Wiswe. Der Landkreis Celle ist Träger aller weiterführenden Schulen.

Die unzureichende Lehrerversorgung hat dabei vor allem Einfluss auf das Ganztagsangebot. "Die Schulleitungen sehen sich gezwungen, die vorhandenen Ressourcen für den Pflichtunterricht einzusetzen", sagt Wiswe. Die Konsequenz: Die Einschränkung oder gar die Einstellung des Ganztagsbetriebs. "Keine Oberschule im Landkreis Celle ist mehr in der Lage, den Ganztagsbetrieb ohne Einschränkungen sicherzustellen", sagt Wiswe.

Das bestätigt auch die Niedersächsische Landesschulbehörde. "Es gibt Einschränkungen", sagt Pressesprecherin Bianca Schöneich, "nach unserem Kenntnisstand ist der Ganztagsbetrieb aber nirgends komplett eingestellt." So würden in Westercelle gerade die Planungen für den Ganztagsbetrieb laufen, in Hermannsburg habe es eine Abfrage bei den Eltern nach dem Betreuungswunsch gegeben. "Unterricht wird am Nachmittag nicht gegeben, aber die Betreuung ist gewährleistet", so Schöneich.

Wiswe sieht weitreichende Konsequenzen. "Die Caterer haben uns darüber informiert, dass bei sinkender Mittagsverpflegung eine Belieferung der Mensen nicht mehr rentabel ist", sagt der Landrat. Eine kräftig ausfallende Preisanpassung mit dem Risiko, dass Erziehungsberechtigte sich deshalb gegen eine Teilnahme ihrer Kinder an der Möglichkeit eines warmen Mittagessens entscheiden, oder die Kündigung der Essensverträge könnten die Folge sein. Die Unzuverlässigkeit der Ganztagsbeschulung stelle zudem ein hohes Risiko für die Schülerbeförderung dar. "Weder rechtlich noch finanziell wird es möglich sein, zusätzliche und damit deutlich höhere Buskapazitäten zur Beförderung der Schüler sicherzustellen", so Wiswe.