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Aus dem Landkreis Arbeiten an Stromleitungen im Celler Land
Celler Land Aus dem Landkreis Arbeiten an Stromleitungen im Celler Land
17:27 01.03.2017
Landkreis Celle

Bereits in der vierten Woche sind mehrere Teams der LTB Leitungsbau GmbH mit Hauptsitz in Radebeul damit beschäftigt, an der Trasse der DB Energie GmbH zwischen Lehrte und Uelzen die Seile – der Laie würde Leitungen sagen – zu straffen. 2,5 Meter höher und damit etwa zwölf Meter über dem Erdboden sollen sie nach dem Lifting am tiefsten Punkt auf halber Strecke zwischen zwei Masten hängen.

Dazu muss jedes Seil unterhalb großer Isolatoren, die an den Traversen, den Armen des Stahlfachwerkmasts hängen, aus der Verschraubung gelöst werden. Damit es nicht nach unten fällt, wird es vorübergehend mit dem Mast verbunden. Unter den Isolatoren wird eine Rolle montiert, auf der das Seil geführt wird. Ist die Leitung dann im Bereich mehrerer Masten frei beweglich, wird sie mit einer Winde gezogen und so verkürzt. Die „Hänger“ vergrößern den Abstand zum Boden.

Anschließend wird dann das Seil wieder fest mit den Isolator verschraubt. Vier Mal muss jeder Mast erklettert werden: um die beiden Leitungen auf einer Seite zu lösen und später wieder fest mit den Isolatoren zu verbinden und um später, wenn dort der Strom abgestellt ist, die Prozedur an den beiden Seilen auf der anderen Seite zu wiederholen. Ein Teil der Ausrüstung wie Hängeleiter oder Seile bleibt fest verzurrt oben im Mast, bis alles erledigt ist.

Seit 1995 ist Reimer Industrie-Elektriker und klettert auf Freileitungsmasten herum. Über warmer Arbeitskleidung trägt der 44-Jährige einen Auffanggurt, ein Geschirr mit vielen Ösen und Karabinerhaken, um sich fest in das stählerne Fachwerk oder die Leiter einzuklinken. Am Gurt und in einem Stoffeimer hat er alle Werkzeuge wie Knarre, Zange und Drahtbürste dabei, die er für die verschiedenen Arbeitsschritte benötigt. Unter dem Helm trägt er eine Haube, oben zieht es. Ganz wichtig ist die Erdungsstange, die an das Seil geklemmt wird, bevor er mit der Arbeit beginnt. Obwohl die beiden Leitungen auf dieser Seite des Masts keinen Strom transportieren, kann Induktion für „Saft“ auf dem Seil sorgen. Der muss erst abgeleitet werden.

Dass die Erdungsstange sicher nach oben kommt und die ausgebauten Rollen unbeschadet nach unten, dafür sorgt unten am Fuß des Masts Reimers Kollege Valerius Sterz. Der 58-Jährige bedient das Seil, an dessen Ende ein stabiler Karabinerhaken für sicheren Transport zwischen Himmel und Erde sorgt. Die beiden im Team wechseln sich ab, jeder darf mal Höhenluft schnuppern. Den Kontakt zu den Kollegen an den Nachbarmasten stellt ein kleines Handfunkgerät sicher. Acht Männer sind zurzeit im Escheder Raum im Einsatz, „morgen kommt der Azubi, dann sind wir neun“, sagt Reimer.

Nach knapp 40 Minuten steht er wieder auf festem Boden. Abergläubisch scheint er nicht zu sein, denn die Hängeleiter, auf der er eben noch von der Traverse zu den Seilen runtergeklettert war, hat 13 Sprossen.

Von Joachim Gries