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Aus dem Landkreis Blitzer-Attrappen sollen Celler Raser abschrecken
Celler Land Aus dem Landkreis Blitzer-Attrappen sollen Celler Raser abschrecken
02:15 04.08.2018
Von Simon Ziegler
Quelle: David Borghoff
Landkreis Celle

Rainer und Sabine Liebrenz wohnen in Allenbüttel an der stark befahrenen Landesstraße 321 zwischen Braunschweig und Wolfsburg. Viele Autofahrer halten sich dort nicht an Tempo 50. Das Paar beschloss zu handeln. Rainer Liebrenz informierte sich über Attrappen und bastelte mit handwerklichem Geschick einen täuschend echt wirkenden Blitzer, der seitdem auf dem Grundstück steht.

Auch im Landkreis Celle gibt es Blitzer, die nie blitzen. Einer steht an der Ortsdurchfahrt in Eldingen. Dort waren es nicht Anwohner, die einen Starenkästen bastelten. In Eldingen wurde der Gemeinderat aktiv, rund 15 Jahre ist das wohl bereits her, sagt Ortsbürgermeister Joachim Lübbe. "Die Autos fahren hier ziemlich schnell durch, aber der Landkreis wollte keinen Blitzer aufstellen", erinnert er sich. Also wurde nach einem Gemeinderatsbeschluss ein leerer Starenkasten gekauft und aufgestellt. Mit Erfolg, heißt es. "Der Kasten hat viele Jahre seine Wirkung gezeigt", sagt Lübbe. Inzwischen wüssten natürlich die Eldinger, dass die Geschwindigkeit in Wahrheit nie kontrolliert wird. Auswärtige würden aber noch immer auf die Bremse treten.

Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kam man in Unterlüß. Auch dort ärgerten sich viele Bürger und Anwohner über die Raserei vieler Autofahrer. Also beschloss der damalige Gemeindedirektor Klaus Przyklenk zu handeln, sagt Kurt Wilks, der spätere Bürgermeister. An den Ortsausgängen Richtung Hermannsburg und Richtung Faßberg wurden zwei Attrappen aufgestellt. "20 Jahre haben die bestimmt auf dem Buckel", sagt Wilks. Er glaubt, dass die leeren Starenkästen, die noch nicht ein einziges Mal einen Pkw geblitzt haben, noch immer eine psychologische Wirkung haben – ähnlich den digitalen Anzeigetafeln, die Autofahrern ihr tatsächliches Tempo vor Augen führen.

Ein weiteres leeres Gerät zur Tempoüberwachung steht in Grünewald Richtung Bergen. "Der ist, im Gegensatz zu dem in Richtung Celle, noch nicht abgebaut. Der Abbau ist vorgesehen, wenn nach der Sanierung der B3 das Gerät in Hassel, wie eigentlich geplant, mit einem Schwenkkopf ausgerüstet wird und in beide Fahrtrichtungen die Geschwindigkeit überwachen kann", sagt Landkreis-Sprecher Tore Harmening.

Die Gemeinden können Blitzer nicht selbst aufstellen, darüber entscheidet der Landkreis Celle. Fest installiert werden die Geräte nur an Gefahrenschwerpunkten. Insgesamt hat die Verkehrsbehörde im Landkreis neun stationäre Anlagen installiert. Dafür gibt es sechs Kameras. "Sie werden regelmäßig getauscht, so dass jeder Gefahrenpunkt auch tatsächlich überwacht wird", so Harmening. Weitere Starenkäste sind in der Nähe von Ampeln installiert, sie ahnden Rot-Verstöße.

In Allenbüttel im Kreis Gifhorn sieht es unterdessen nicht danach aus, dass ein Blitzer installiert wird. Rainer und Sabine Liebrenz müssen sich also selbst helfen. Zurzeit bereiten sie einen neuen Prototypen für das Frühjahr vor. „Wenn sich die realen Blitzanlagen entwickeln, müssen wir schließlich auch mit unserer Attrappe nachziehen“, sind sich die beiden einig.

Rechtlich sind sie auf der sicheren Seite. Sie hatten sich schlau gemacht, ob sie die Attrappe überhaupt aufstellen dürfen. „Rechtlich ist es legal, auf dem eigenen Grundstück einen Kasten aufzustellen, der einem festinstallierten Messgerät ähnlich sieht“, bestätigt ADAC-Jurist Markus Schäpe. Wichtig sei, dass das Gerät keine Lichtsignale aussende, da Verkehrsteilnehmer sonst geblendet oder irritiert werden könnten. Ein Trend zum selbstgebauten Blitzer gebe es aber nicht. Bausätze oder fertige Attrappen kann man inzwischen allerdings im Internet zu bestellen.