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Aus dem Landkreis Celler DRK-Rettungsdienstleiter: "Straßenbäume entfernen"
Celler Land Aus dem Landkreis Celler DRK-Rettungsdienstleiter: "Straßenbäume entfernen"
03:48 07.08.2018
Der Unfall bei Stedden (großes Foto) steht in einer traurigen Kette von weiteren in den vergangenen zwölf Monaten wie (kleine Bilder im Uhrzeigersinn von links oben) bei Ovelgönne im März 2014, im November 2013 bei Wietze, im August 2013 bei Grauen und bei Alvern im Februar 2014. Quelle: Alex Sorokin (2), Joachim Gries, Thomas Frankewitsch, Polizei
Landkreis Celle

Es sind grauenvolle Bilder, die sich den Helfern bei Verkehrsunfällen häufig bieten. Von Autos bleiben nach einen Zusammenstoß mit einem Baum oft nur noch Metallklumpen übrig. Die Insassen sterben in der Regel bereits an der Unfallstelle oder haben schwere Verletzungen.Uwe Ammoneit, Abteilungsleiter Rettungsdienst beim Celler DRK-Kreisverband und seit 30 Jahren im Job, kennt die Bilder nur zu gut – sie haben sich in sein Gedächtnis gebrannt. Den Unfall vor einigen Tagen bei Stedden, bei dem eine junge Frau und zwei Männer ums Leben kamen und eine Frau schwer verletzt wurde, nimmt er zum Anlass für die Forderung, Bäume am Straßenrand zu fällen.„Scheinbar kommt niemand von den Verantwortlichen auf die Idee, endlich und rigoros Bäume abzuholzen, die unmittelbar neben einer Fahrbahn einfach nichts zu suchen haben”, sagt Ammoneit. Alternativ will er, dass Leitplanken an den Stellen gebaut werden, wo Straßenbäume nicht weichen sollen. „Neben der Trauer um die Getöteten, die ich jedes Mal empfinde, bekomme ich mit jedem Unfall mehr die blanke Wut darüber, dass Bäume außerorts direkt am Straßenrand stehen, oft weniger als zwei Meter entfernt. Wozu ist das gut?”, fragt Ammoneit.Argumente wie "Der Baum springt ja nicht auf die Straße” bezeichnet er als „zynisch". Es seien oft nur kleine Fahrfehler, unglückliche Momente oder auch Wildwechsel, die dazu führten, dass Fahrzeuge von der Fahrbahn abkommen. "Ohne Baum würde man dann entweder zurück auf die Straße gelangen oder schlimmstenfalls im Seitenraum oder der Böschung liegen bleiben.”Kreisbrandmeister Dirk Heindorff sieht die Sache ähnlich wie Ammoneit und verweist auf die Spurenlage in Stedden: Dort ist zu sehen, dass der Unfallwagen schon wieder Richtung Straße fuhr, bevor der Baum im Weg stand. Hätte dieser also nicht rund zwei Meter neben der Straße gestanden, hätte alles gut ausgehen können. „Es ist allerdings etwas schwierig, die Grenze zu ziehen, ab der dann keine Bäume mehr stehen. Man muss aber über diese Problematik nachdenken”, so Heindorff.Das „Nachdenken” ist schon im vollen Gange, wie die Polizei Celle mitteilt. „Es hat dazu eine Untersuchung gegeben. Die genauen Ergebnisse liegen aber noch nicht vor”, sagt ein Sprecher. Über mögliche Konsequenzen soll nach dem Abschluss der Auswertungen gesprochen werden.Kreisrat Gerald Höhl sieht ebenfalls Handlungsbedarf. „Die Verkehrsunfallkommission schaut sich ohnehin die Stellen an, an denen Unfälle passiert sind. Darüber hinaus wurden jetzt auch weitere Stellen ausgemacht, die ebenfalls Probleme machen könnten”, so Höhl. Die Lösung, alle Bäume zu entfernen, die nahe am Straßenrand stehen oder Leitplanken zu installieren, beurteilt er aber zurückhaltend: „Wir sind ein sehr waldreicher Landkreis und haben viele Alleen. Ein so radikales Vorgehen wäre ein recht drastischer Eingriff.” Den Bau von Leitplanken sieht er als finanzielles Problem: „Das würde sehr, sehr teuer werden.”Allerdings werden die Leitplanken über kurz oder lang ohnehin gebaut, denn die neuen Sicherheitsbestimmungen sehen vor, dass bei einer Komplettsanierung der Straße auch Leitplanken an den neuralgischen Punkten installiert werden müssen.Einig sind sich offenbar alle zumindest in einem Punkt: So wie jetzt soll es nicht weitergehen auf den Straßen im Landkreis Celle.

Von Tore Harmening