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Aus dem Landkreis Celler Komiker holt Reiterinnen vom hohen Ross
Celler Land Aus dem Landkreis Celler Komiker holt Reiterinnen vom hohen Ross
20:04 15.10.2017
In dem Programm „Das gestörte Verhältnis“ lästert Wolfgang Gnesner über komische Reiter, gibt aber auch seriöse Tipps für den Umgang mit schwierigen Pferden. Quelle: Peter Bierschwale
Ramlingen

In seinem Programm „Das gestörte Verhältnis“ lästert Gnesner über komische Reiter, gibt aber auch seriöse Tipps für den Umgang mit schwierigen Pferden.

Gnesner hat sich einen guten Ruf als Pferdetherapeut erworben und arbeitet mittlerweile auch als TV-Experte. Eine Erkenntnis seiner beruflichen Tätigkeit ist, dass die Ursache von Ungehorsam oder Aggressivität bei Pferden weniger beim Tier selbst als beim Reiter zu suchen ist. Bei seinen früheren Fachvorträgen fiel Gnesner auf, dass seine Beispiele von reiterlichem Fehlverhalten immer wieder Heiterkeitsstürme im Publikum auslösten. Da habe es nahe gelegen, ein entsprechendes Comedy-Programm zu entwickeln.

Sein Programm bildete eine schwierige Gratwanderung zwischen seriösem Fachwissen, mit dem Gnesner seine Reiterkritik begründete, und einer Satire, die sich vorrangig an die vielen Reiterinnen im Saal richtete. Besonders Frauen im Alter von 25 bis 55 Jahren würden sich oftmals Pferde als „Liebesobjekt“ zulegen, so der Alleinunterhalter. Das führe aber zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen zwischen Pferd und Reiterin. Wenn sich das Pferd nach dem Reiten an ihnen schubbere, würden die Damen das als Liebesbeweis werten, dabei „juckt dem Pferd bloß die Fresse!“

Sie würden sich freuen, wenn ihnen das Pferd vermeintlich freudig zuwiehere, dabei bedeute das Wiehern nur: „Oh Gott, die Helga schon wieder!“ Das überwiegend weibliche Publikum nahm die Lästereien mit Humor, vielleicht auch, weil dem Komiker seine Ehefrau – auch eine erfahrene Reiterin – als Bühnentechnikerin unterstützend zur Seite stand.

Der Fehler sei, Pferde zu vermenschlichen und als Partner zu betrachten. Das sei bei einem so großen Tier nicht nur falsch, sondern auch lebensgefährlich, wenn das Pferd den Reiter nicht ernst nehme und die Kommandos missachte. Denn die Tiere seien es gewohnt, klare Hierarchien in dramatischen Kämpfen auszufechten. Wenn der Reiter dem Pferd nicht deutlich klarmache, wer von ihnen eindeutig der Boss sei, habe er verloren und ein Problem.

Wer ein Feuerwerk an Pointen erwartet hatte, wurde vielleicht enttäuscht. Aber wie die Publikumsfragen am Ende der Vorstellung zeigten, wollten sich viele der Zuschauer nicht nur amüsieren, sondern auch fachlichen Rat vom Experten einholen.

Von Peter Bierschwale