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Aus dem Landkreis Celler Landwirte hoffen auf Agrarwende
Celler Land Aus dem Landkreis Celler Landwirte hoffen auf Agrarwende
01:15 04.08.2018
Von Simon Ziegler
Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Landkreis Celle

Auf Meyer ist Santelmann nicht gut zu sprechen. Er habe einen Keil zwischen die konventionell arbeitenden Landwirte und die Bio-Bauern getrieben, sagt der Nordburger, der in der Hähnchenmast tätig ist. "Meyer hat mit Parolen die Leute verängstigt", schimpft Santelmann, "dabei haben wir die besten Lebensmittel der Welt".

Auch Kreislandwirt Jürgen Mente findet kaum lobende Worte für den ehemaligen Minister. Er nennt den Grünen-Politiker einen "Besserwisser". Meyer sei als "Oberlehrer aufgetreten, der uns nicht für voll genommen hat". Seine Worte zeigen, wie tief der Ärger über den ehemaligen Minister in der Branche gesessen haben muss. Mente ist ein zurückhaltender und diplomatischer Mann – dass er sich in der Öffentlichkeit so eindeutig äußert, spricht Bände.

Christian Meyer hatte nach dem rot-grünen Wahlsieg 2013 in Hannover das Landwirtschaftsressort übernommen. Es war ein Alptraum für die meisten Landwirte. Schon damals wurde er als "Bauernschreck" bezeichnet, was er als "Kampfbegriff der CDU" zurückgewiesen hatte.

Mente war bereits 2013 Kreislandwirt. Im damaligen Wahlkampf sagte er, Meyer sei polemisch. Fünf Jahre später fühlt sich Meyer bestätigt. "Das Miteinander fehlte völlig. Er war der für uns zuständige Minister, aber er war nicht unser Minister", so Mente. Statt den Dialog mit den Bauern zu suchen, sei der Grünen-Minister ständig zu früh an die Öffentlichkeit gegangen.

Dass der Mann aus Holzminden in den Medien sehr präsent war, ist unbestritten. Ob beim Thema Tierschutz, Antiobiotika-Einsatz in der Massentierhaltung oder in Sachen Subventionen für Schlachthöfe und Großbetriebe: Meyer war omnipräsent. Dass ein grüner Minister mit Öko und Bio die konservative Branche aufmischt, fanden auch überregionale Medien spannend. Selbst über einen Wechsel nach Berlin wurde bereits spekuliert.

Mente bescheinigt Meyer immerhin den einen oder anderen guten Ansatz. "Kein Mensch macht alles falsch", sagt der Celler Kreislandwirt. So sei der Tierschutzplan in Ordnung gewesen, die Bemühungen, den Medikamenten-Einsatz im Stall zu reduzieren, hätten Früchte getragen. Ein großes Ziel habe der Grünen-Politiker allerdings klar verfehlt. "In seiner Amtszeit haben 2000 Betriebe in Niedersachsen geschlossen. Er konnte den Strukturwandel nicht stoppen", sagt Mente. Dem ehemaligen Minister allein will er das aber nicht anlasten.

Von Nachfolgerin Otte-Kinast erwarten die Celler Landwirte wieder mehr Dialog und Gespräche auf Augenhöhe. "Sie kommt aus der Landwirtschaft", betont Markus Santelmann, der Landwirt aus Nordburg. Die neue Ministerin ist seit 2014 Vorsitzende des Niedersächsischen Landfrauenverbandes. In Bad Münder am Deister führt sie einen Milchviehbetrieb.

Im Celler Land gibt es indes auch andere Stimmen. Nicht nur Bürgerinitiativen dürften den Wechsel im Agrarministerium kritisch sehen. So müssen sich Bio-Bauern auf einen anderen Ton einstellen. "Wir waren mit Herrn Meyer nicht unzufrieden. Die Öko-Förderung ist in Niedersachsen gestiegen", sagte Inga Vellenga vom Hof Michael in Endeholz. Ihr Hof ist ein Biobetrieb, der nach den Richtlinien des Demeterverbandes bewirtschaftet wird. Man habe in den vergangenen Jahren die Änderung der Förderpolitik auch bei den Konventionellen gemerkt. So sei bei den Zwischenfrüchten vielfältiger angebaut worden als zuvor, sagt Vellenga.