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Aus dem Landkreis Celler Schulkonsens schon wieder Geschichte
Celler Land Aus dem Landkreis Celler Schulkonsens schon wieder Geschichte
17:17 10.06.2011
Von Simon Ziegler
Landkreis Celle

„Großer Wurf“, „mutige Entscheidungen“, „vernünftige Vorschläge“: Das alles war in den vergangenen Tagen über das Gutachten zu hören, das die flächendeckende Einführung von Oberschulen und das Ende der Hauptschulen im Kreis Celle vorschlägt. Doch wer gedacht hatte, dass sich eine große Mehrheit hinter die Pläne von Schulplaner Wolf Krämer-Mandeau stellen würde, sah sich getäuscht. Die SPD forderte am Donnerstag, dass der Gutachter auch eine Integrierte Gesamtschule (IGS) in seine Überlegungen einbeziehen soll, konnte sich gegen die Mehrheitsgruppe aber nicht durchsetzen. CDU und FDP stimmten anschließend allein für das weitere Vorgehen. Das sieht vor, dass der Kreisausschuss am kommenden Freitag der Verwaltung den Auftrag erteilt, bis Mitte August konkrete Vorschläge für die einzelnen Schulstandorte auszuarbeiten.

Krämer-Mandeau zeigte sich überrascht vom Verlauf der Diskussion. „Der Plan ist von einer Perspektive diskutiert worden, die sich mit einem einzigen Schulstandort im gesamten Kreis beschäftigt“, sagte er mit Blick auf eine theoretisch denkbare IGS in Celle. „Am Ende der Diskussion muss man die Frage stellen, gibt es eine Gesamtschule, nicht aber am Anfang.“ Er habe nichts gegen Gesamtschulen und vor einiger Zeit in Lüneburg ein solches System empfohlen. Für Celle favorisiert er aber Oberschulen. Dennoch sei er optimistisch, dass seine grundsätzlichen Gedanken noch zur Kenntnis genommen würden, so Krämer-Mandeau. Den Diskussionsverlauf nannte er „suboptimal“.

Wie bei keinem anderen Thema sind die beiden politischen Blöcke in der Schulpolitik seit Jahren unversöhnlich. Beinahe legendär sind stundenlange Sitzungen über Sinn und Unsinn von Gesamtschulen. Weil man im vergangenen Jahr einsah, dass man mit Kirchturmpolitik und ideologischen Debatten nicht mehr weiterkommt, wurde ein externer Schulplaner mit einem Gutachten beauftragt.

Kaum ist das Gutachten da, scheint der Streit von vorne loszugehen. „CDU, FDP und SPD hatten vorher vereinbart, dass sie zustimmen. Stattdessen ging wieder eine Grundsatzdiskussion über eine IGS los“, schimpfte der CDU-Fraktionschef Joachim Müller. „In der SPD gibt es Flügel, die dem Fraktionsvorsitzenden das Wasser abgraben wollen. Ihnen geht wohl seine Karriere zu schnell“, so Müller Richtung SPD. Deren Fraktionschef Maximilian Schmidt, kein Mitglied des Schulausschusses, hatte sich zuvor klar hinter das Gutachten gestellt.

Rolf Meyer (SPD) äußerte dagegen sein „Unverständnis, dass der Landrat und die Mehrheitsfraktion sich geweigert haben, eine IGS auch nur zu prüfen. Ich bin sehr erschrocken, dass sie das mit ihrem alten ideologischen Misstrauen wieder plattmachen“. Kritik kam auch von den Grünen. „Für uns ist eine IGS Bestandteil einer modernen Schulpolitik“, so Georgia Langhans.