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Aus dem Landkreis Celler geben 483 Millionen Euro pro Jahr für Reiselust aus
Celler Land Aus dem Landkreis Celler geben 483 Millionen Euro pro Jahr für Reiselust aus
01:20 04.08.2018
Von Christopher Menge
Im Landkreis Celle werden gerne die Koffer gepackt. Durchschnittlich 2700 Euro pro Jahr geben die Menschen für den Tourismus aus. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle-Landkreis

Vom Kind bis zum Senior: Die Pro-Kopf-Ausgaben für den Tourismus betragen 2700 Euro im Jahr. "Egal, ob es der Flug zur Ferieninsel oder das Essen am Urlaubsort ist: Rund 17 Prozent von dem Geld, das die Einwohner des Landkreises Celle ausgeben, fließt in den Tourismus", sagt Matthias Günther. Für den Leiter des Pestel-Instituts ist der Tourismus damit "ein starker Wirtschaftsfaktor – auch deshalb, weil drei Viertel der Ausgaben in Deutschland bleiben".

Dabei wäre die Attraktivität des Tourismus sogar noch zu steigern. Er könnte Urlaubern aus dem Kreis Celle nämlich noch mehr fürs Geld bieten, sagt der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) als Koordinator der Initiative. Dies fange bereits bei der unterschiedlich hohen Besteuerung von Speisen an: "Es ist nicht einzusehen, warum frisch zubereitetes Essen in Restaurants nicht geringer besteuert wird – nämlich mit 7 statt der bislang fälligen 19 Prozent Mehrwertsteuer." Dies sei schließlich bei fertigen Produkten aus dem Supermarktregal oder von der Ladentheke in Bäckereien und Metzgereien, die ‚auf die Hand‘ verkauft werden, völlig normal. "Hier wird mit zweierlei ‚Steuermaß‘ gemessen – das ist eine Farce", sagt BTW-Generalsekretär Michael Rabe. Kritisiert wird außerdem, dass der Staat durch die Luftverkehrssteuer an der Preisschraube für Reisen drehe. Die Branche appelliert daher jetzt in einem „Tourismus-Brief“ an die Celler Bundestagsabgeordneten, sich politisch für ein "günstigeres Reiseklima" einzusetzen.

"Die Unterschiede in der Besteuerung liegen unter anderem an der europarechtlichen Abgrenzung von Warenlieferungen und Dienstleistungen", erklärt die Celler SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann. "Trotzdem finde auch ich diese Unterscheidung nicht immer logisch." Lühmann hat daher schon häufig in ihrer Fraktion für eine umfassende Reform der Umsatzsteuer geworben. "Es gibt ja nicht nur die von der Tourismuswirtschaft aufgezählten Widersprüche, sondern leider sehr viele solcher Beispiele", sagt Lühmann. So gelte auf Tiernahrung der ermäßigte Satz, auf Babynahrung und Medikamente werden aber die vollen 19 Prozent fällig.

Die unterschiedliche Besteuerung findet auch der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte "wenig sinnhaft". "Ein generelles Überdenken unseres Mehrwertsteuersystems ist wünschenswert, allerdings sehe ich keine parlamentarische Mehrheit für eine grundlegende Initiative", sagt Otte, der meint, dass ein anderer Punkt noch entscheidender für die Tourismus- und Gastronomiebranche ist: "Die Arbeitszeitverordnung muss auf den Prüfstand, da diese Regelungen viel zu bürokratisch und praxisfern vor allem für den Mittelstand und kleine Betriebe sind", betont Otte.

Eine umfassende Steuerreform fordert auch der Celler AfD-Bundestagsabgeordnete Thomas Ehrhorn. "Dabei geht es uns insgesamt darum, die Steuer- und Abgabenlast der Bürger und Unternehmen zu senken, denn Deutschland hat aktuell kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem", sagt Ehrhorn.