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Aus dem Landkreis Erste EHEC-Tote in Celle
Celler Land Aus dem Landkreis Erste EHEC-Tote in Celle
18:48 03.06.2011
Von Simon Ziegler
Landkreis Celle

Die EHEC-Welle hat im Kreis Celle das erste Menschenleben gefordert. Eine 89-jährige Patientin sei in der Nacht zum 1. Juni gestorben, sagte gestern Professor Wolfram Terres, verantwortlich für die internistische Intensivstation im Allgemeinen Krankenhaus (AKH). Die Frau, die in einem Celler Pflegeheim lebte, sei kurz vor ihrem Tod eingeliefert worden. Die Blutuntersuchung ergab typische Merkmale des gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndroms (HUS), das zu akutem Nierenversagen führen kann. Die Patientin hatte zuvor blutigen Durchfall. "Das ist der erste wahrscheinliche EHEC-Todesfall im Kreis Celle", so Terres.

Im AKH werden derzeit 14 EHEC-Patienten behandelt. Drei liegen auf der Intensivstation. Eine 67-jährige Frau schwebe in akuter Lebensgefahr. Sie habe schwere neurologische Komplikationen und einen Plasmaaustausch erhalten. Zudem werde sie mit dem neuartigen Antikörper namens Eculizumab behandelt, den es bislang nur in Großkliniken gab. Ein 81-jähriger Mann befinde sich auf dem Weg der Besserung. Zudem werde ein 44-Jähriger, der an HUS erkrankt ist, auf der Intensivstation versorgt. Insgesamt sind seit dem Ausbruch des Keims 25 Menschen aus dem Kreis Celle an EHEC erkrankt. Jeden Tag werden drei bis sechs Verdachtsfälle ins AKH eingeliefert.

Die Mediziner warnen davor, die Krankheit auf die leichte Schulter zu nehmen. So hätten Menschen mit Verdacht auf EHEC gegen ärztlichen Rat das Krankenhaus verlassen. Zudem sei der Eindruck, es handele sich in erster Linie um ein Hamburger Problem, komplett falsch, sagt Professor Stephan Hollerbach, Chefarzt der Magen-Darm-Abteilung. "Die Welle ist in Celle voll da. Es besteht aber kein Grund zur Panik. Wir sind gut mit Medikamenten und Plasma gerüstet", so Hollerbach. Wer Blut spenden will, kann sich an das Rote Kreuz wenden. Dies ist beim AKH nicht möglich.

Wer Symptome für EHEC wie blutigen Durchfall mit oder ohne Bauchschmerzen hat, soll umgehend einen Arzt aufsuchen, raten die AKH-Experten. Anzeichen für HUS sind nach ihren Angaben, dass Patienten kein Urin mehr lassen können und gelbe Augen bekommen.

Das Celler Gesundheitsamt befragt unterdessen alle Patienten nach ihrem Essverhalten. "Gurken sind der gemeinsame Nenner", sagt Amtsarzt Carsten Bauer, allerdings ist die EHEC-Quelle immer noch nicht gefunden. Um das Risiko einzudämmen, raten Fachleute zu strikter Hygiene. Das heißt: Hände waschen, Handtücher und Lappen wechseln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt weiter, auf Gurken, Tomaten und Blattsalate zu verzichten. Das Gemüse muss mindestens zwei Minuten bei 70 Grad abgekocht werden. Dagegen gelten Fleischprodukte, Milch, Eier und Käse nicht als Überträger des Keims.