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Aus dem Landkreis Erste Schritte im Landtag: Eicklinger Jörn Schepelmann beginnt Arbeit als Berufspolitiker
Celler Land Aus dem Landkreis Erste Schritte im Landtag: Eicklinger Jörn Schepelmann beginnt Arbeit als Berufspolitiker
00:36 04.08.2018
Schon bald möchte der CDU-Abgeordnete Jörn Schepelmann seine erste Rede im Landtag halten. Quelle: Amelie Thiemann
Hannover

Ende Oktober wurde der neue Plenarsaal durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeweiht, am Dienstag um 11.30 Uhr kommt der Landtag erstmals dort zusammen. "Darauf freue ich mich wie ein kleines Kind", verrät Jörn Schepelmann. Für den 31-Jährigen ist mit seiner Wahl zum Landtagsabgeordneten ein Traum in Erfüllung gegangen.

Sechs Säulen flankieren den Eingang des Leineschlosses, durch hohe Glastüren gelangt man ins lichtdurchflutete Foyer. Hier dominiert weiß. Auf der linken Seite liegt der Plenarsaal, doch Jörn Schepelmann steuert zielstrebig auf eine Tür am hinteren Teil des Foyers zu. Diese führt zur Verwaltung, und sogleich steht man vor der Bürotür von Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU). Dessen Vorgänger sind mit Porträts verewigt, auch das Konterfei des Celler CDU-Politikers Edzard Blanke hängt hier.

Jörn Schepelmann biegt nach rechts ab, hier hat die CDU-Fraktion ihre Räume. Im Sitzungssaal hat jeder CDU-Politiker seinen festen Platz. "Den haben wir uns bei der ersten Sitzung ausgesucht", erzählt der Eicklinger. Völlig willkürlich ist die Ordnung allerdings nicht. "Wir sitzen nach Bezirken aufgeteilt", erläutert er. "Ich sitze bei meinen Kollegen aus Nordost-Niedersachsen und neben Thomas Adasch."

Über dem Eingang hängt mahnend eine Schuldenuhr vom Bund der Steuerzahler. Die roten Ziffern stehen zurzeit bei rund 61 Milliarden Euro still, da aktuell keine neuen Kredite aufgenommen werden. "Wenn es nach mir geht, soll die Uhr auch wieder rückwärts laufen", sagt Jörn Schepelmann.

Und noch etwas fällt im Sitzungssaal der CDU-Fraktion auf: In den Fensterbuchten lagern Plakate der jüngsten Wahl, jeder Abgeordnete der Partei ist vertreten. "Bei der ersten Sitzung hingen die an der Wand, so konnte man gleich jeden mit Namen ansprechen", erzählt Schepelmann. Das habe geholfen. Der Austausch mit den erfahrenen Kollegen erleichtert dem gelernten Bankkaufmann das Einleben in den neuen Alltag. "Alle sind herzlich, man kommt gleich in eine Familie rein."

Die Erinnerungen an seinen eigenen Wahlkampf sind noch frisch. "So richtig Ruhe eingekehrt ist nie", lässt Jörn Schepelmann die vergangenen Wochen Revue passieren. Den berühmten Urlaub nach dem Wahlkampfstress habe er sich nicht gegönnt. Die Anzahl der Termine sei "atemberaubend", aber: "Wenn man seinen Traum erfüllt hat, geht man gerne der Arbeit nach."

Die Mitarbeiter der Verwaltung seien ebenfalls "sehr hilfreich", berichtet Jörn Schepelmann. Ganz am Anfang stellen sich banale Fragen: Wo bekomme ich eine Karte für den Parkplatz des Landtags, wo finde ich meine Post, wo wird mein Büro sein? Antworten lieferten die Helfer im Hintergrund. Einen von ihnen trifft Jörn Schepelmann auf seinem Rückweg Richtung Plenarsaal. Ein lockeres "Moin" zur Begrüßung – man kennt sich langsam.

Vor dem Eingang des Plenarsaals brüten Handwerker über Bauplänen. Ganz abgeschlossen sind die Renovierungsarbeiten noch nicht; die Feinheiten werden nun in Windeseile erledigt. "Die vorgezogene Wahl hat bestimmt die Pläne durchkreuzt", mutmaßt Schepelmann.

Im Plenarsaal wirkt hingegen alles stimmig und vollständig. Die hellgrauen Ledersessel passen zu den minimalistischen Tischen. Die deckenhohen Fenster geben den Blick frei auf das Neue Rathaus. Über dem Rednerpult prangt das Sachsenross. Jörn Schepelmann stellt sich schon mal probeweise ans Mikrofon. "Ich habe zwar schon viele Reden gehalten, aber das hier ist eine andere Nummer", sagt der CDU-Abgeordnete. Und da spricht sie wieder aus ihm: die Ehrfurcht.

Von Amelie Thiemann