Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Aus dem Landkreis Evangelische Kirche weist Kritik zurück
Celler Land Aus dem Landkreis Evangelische Kirche weist Kritik zurück
14:35 09.08.2018
Von Simon Ziegler
Landkreis Celle

Es war wie bei einer ganz „normalen“ Hochzeit. Am 16. Dezember 2006 kamen Verwandte und Bekannte nach Groß Hehlen in die Kirche. Walter Busche und Ingrid Klostermann schritten feierlich vor den Altar, ein Pastor predigte. Am Ende erhielt das Hustedter Paar eine Urkunde für die Segnung der Lebensgemeinschaft.

Eine echte Heirat war die Zeremonie aber nicht. Denn Busche und Klostermann, heute beide über 70 Jahre alt, wollten standesamtlich nicht heiraten, weil sonst Rentenansprüche verloren gegangen wären. Also blieb nur der Weg der Segnung als „Ersatz-Hochzeit“. „Wenn man es krass ausdrückt, führen wir eine wilde Ehe mit dem Segen der Kirche“, meint Busche.

Seit Anfang 2009 ist indes gesetzlich geregelt, dass die kirchliche Hochzeit erlaubt ist, auch wenn keine standesamtliche Trauung stattgefunden hat. Eine Frau aus Winsen, die mit ihrem Lebensgefährten zusammenlebt, hatte genau darauf gehofft (die CZ berichtete). Weil aber die evangelische Kirche trotz der Gesetzesänderung Paare ohne Standesamt nicht trauen will, sieht sie sich jetzt Kritik ausgesetzt, sie sei engherzig und dogmatisch. Auch Beschimpfungen soll es gegeben haben, dass sogar Homosexuelle heiraten könnten, nicht aber ältere Menschen, die auf ihre Witwenrente nicht verzichten können. „Wir Evangelischen haben mit einer kirchlichen Trauung ohne vorhergehende standesamtliche Trauung ein Problem, weil es zwei konkurrierende Modelle unter gleichem Namen geben würde“, rechtfertigt sich der Celler Kirchenkreissprecher Uwe Schmidt-Seffers. Die herkömmliche Trauung sei nach wie vor mit dem „Rechtsakt“ verbunden, dass ein Paar auch vor dem Gesetz füreinander Verantwortung übernimmt – im Gegensatz zur kirchlichen Trauung ohne rechtliche Verantwortung. „Haben wir es dann mit einer Trauung erster und zweiter Ordnung zu tun?“, fragt der Pastor. Zudem biete eine rechtliche Gründung einer Ehe immer auch einen Schutz für die Schwächeren, also meist für Frauen und Kinder. Die evangelische Kirche biete Paaren aber Segnungsgottesdienste an, die miteinander leben möchten – so wie das bei Busche und Klostermann schon vor Jahren der Fall war.

Schmidt-Seffers stellt klar, dass bei der Kirche möglicherweise das letzte Wort nicht gesprochen ist. „Weisen Einsichten werden wir uns nicht verschließen“, meinte er. Das würde auch der evangelische Theologe Peter Kuhlmann aus Celle begrüßen: „Gut würde den Christen tun, wenn die Kirche weniger auf Gesetze schaut als auf die religiösen Bedürfnisse der Menschen.“