Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Aus dem Landkreis Falscher Absender auf Wahlwerbung: FDP-Kandidat Jörg Bode verwirrt Celler
Celler Land Aus dem Landkreis Falscher Absender auf Wahlwerbung: FDP-Kandidat Jörg Bode verwirrt Celler
12:03 11.10.2017
Von Andreas Babel
Der Brief des Landtagskandidaten Jörg Bode (FDP) trägt den falschen Absender „Schönes Wohnen Südheide GmbH“. Quelle: Oliver Knoblich
Landkreis Celle

Im Sichtfenster des schlichten Kuverts ist über dem Adressaten der Absender gedruckt. Dieser lautet „Schönes Wohnen Südheide GmbH, Schmalhorn 13, 29308 Winsen“. Doch hinter dem Absender der Postwurfsendung verbirgt sich nicht das gleichnamige Wohnungsbauunternehmen, das im Celler Nordkreis Immobilien entwickelt. Den Brief hat der Kreisverband der Celler FDP und namentlich deren Landtagsabgeordneter Jörg Bode verschicken lassen. Bode hat auf Listenplatz 2 die besten Chancen, auch in den kommenden Jahren im Parlament die Geschicke des Landes mitzubestimmen. Nur die knallgelbe Umrandung des Adressfeldes gibt einen Hinweis darauf, wer der Urheber des Briefes ist.

Ein CZ-Leser aus dem Celler Nordkreis erhielt den Brief am 6. Oktober und wunderte sich, dass sich in dem Kuvert ein Wahlbrief der Liberalen befand. Er fragt sich: „Fürchtet die FDP, dass eine offene Prospektwurfsendung gleich in den Papierkorb geht oder weshalb kam der Brief mit einer verkappten Adresse? Merkwürdig! Hat das private Wohnungsbauunternehmen das Porto bezahlt und ist diese Parteienfinanzierung gegebenenfalls korrekt verbucht?“

Die „Schönes Wohnen Südheide GmbH“ ist eine Tochterfirma der JLW Holding GmbH, also der Lindhorst-Gruppe in Winsen-Schmalhorn. Und in deren Aufsichtsrat sitzt Jörg Bode. Der SPD-Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt meint dazu: „Man muss schon einen moralischen Kompass haben, wenn man in der Politik unterwegs ist. Es zeigt sich in dieser Sache wieder einmal, dass das bei Jörg Bode offenbar nicht der Fall ist. Das hat schon mehr als ein Geschmäckle, dass Jörg Bode jetzt so etwas unterlaufen ist.“

Bode, der im Jahr 2010 für wenige Stunden Niedersächsischer Ministerpräsident und von 2009 bis 2013 Wirtschaftsminister des Landes war, erklärt den vermeintlichen Absender mit einem Versehen. Er habe den Brief veranlasst und sich dabei eines Dienstleisters aus Berlin bedient. „Die Erstellung beziehungsweise inhaltliche Abstimmung war ein längerer Prozess, der per E-Mail erfolgt ist. Nachdem, was ich jetzt in dieser Frage herausgefunden habe, muss der Fehler bei der Erstellung der Serienbrieffunktion entstanden sein. Hier hat man wohl bei der Eingabe der Absenderadresse auf eine meiner E-Mails zurückgegriffen und eine dortige Mailsignatur übernommen.“ Er habe die Mail von seinem Laptop der Lindhorst-Gruppe verschickt und der Fehler sei vor dem Versand nicht aufgefallen. Er habe die Briefe bezahlt und sich bei allen entschuldigt, die ihn darauf angesprochen haben. „Es ist, glaube ich nachvollziehbar, dass die Gesellschaft über diesen Fehler nicht begeistert ist“, sagt Bode.

Die Geschäftsführung der „Schönes Wohnen Südheide GmbH“ bestätigte Bodes Darstellung in allen Punkten. Bei ihr seien lediglich vier Anfragen diesbezüglich eingegangen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch wollte sich zu „solchen Vorkommnissen“ nicht äußern. Er wertet es als „Büroversehen der FDP“.

Kommentar: Nicht abstrafen

Zehn Prozent der Wähler wollen bei der Landtagswahl für die FDP stimmen, glaubt man den aktuellen Prognosen. Damit wäre Jörg Bode über seinen sehr guten Listenplatz sicher im Parlament vertreten. Daran wird auch dieser peinliche Fehler nichts ändern, der ihm jetzt unterlaufen ist. Jörg Bodes Aktivitäten werden im Landkreis Celle ganz besonders kritisch beäugt. Dagegen ist auch nichts zu sagen. Das sollten die Bürger und wir Journalisten bei allen Politikern tun, die unsere Interessen vertreten.

Man sollte Bode jetzt aber nicht abstrafen dafür, dass er einen Computer benutzt hat, den ihm das Unternehmen zur Verfügung gestellt hat, in dessen Aufsichtsrat er sitzt. Es kann nicht in seinem Interesse gewesen sein, dass der Name einer Tochterfirma der Lindhorst-Gruppe als Absender eines Schreibens der FDP auftaucht. Aus diesem Fehler zu schließen, dass Jörg Bode sich diese Wahlwerbung hat finanzieren lassen, wäre eine Unterstellung, die durch nichts untermauert ist. Es gilt die Unschuldsvermutung. Übrigens ist es in Deutschland erlaubt, dass Privatpersonen und Firmen Politiker finanziell unterstützen, auch wenn das in diesem Fall nicht so gewesen sein soll.