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Aus dem Landkreis Faßberger Hakenkreuz-Glocke soll Gegenstück erhalten
Celler Land Aus dem Landkreis Faßberger Hakenkreuz-Glocke soll Gegenstück erhalten
01:50 04.08.2018
Von Christopher Menge
Gut gefüllt war die Michaelkirche gestern Abend zum Buß- und Bettagsgottesdienst. Pastor Rudolf Blümcke gab bekannt, dass die Glocke, auf der Hakenkreuz abgebildet ist, nicht ersetzt werden soll. Nicht allen gefällt das. Quelle: Michael Schäfer
Celle-Landkreis

"Das Erbe der Zeit, in der diese Kirche erbaut wurde, werden wir nicht ändern, indem wir Symbole verschwinden lassen oder einzelne Teile austauschen“, sagt Pastor Rudolf Blümcke. Stattdessen wollen die Faßberger künftig noch eine weitere kleine Glocke in ihren Dachreiter hängen. Sie könnte, verziert mit einem Zitat des von den Nazis ermordeten Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, der alten Glocke akustisch etwas entgegensetzen, sagt der Pastor.

Doch nicht alle Faßberger sind mit der Entscheidung des Kirchenvorstandes einverstanden. Hans-Dietrich Springhorn verteilte vor dem Gottesdienst Flyer. Unterzeichnet ist dieser von zehn Faßbergern, die fordern, dass der ganze Ort in den Entscheidungsprozess eingebunden wird. Mit dem Hakenkreuz als dem Symbol für die Nazis und ihre Verbrechen dürfe die Kirche nicht zum Gottesdienst rufen, so die Forderung.

"Wenn wir ganz konsequent den Einfluss der Nationalsozialisten in dieser Kirche beseitigen wollten, dann müssten wir die Kirche abreißen und neu bauen“, sagt Blümcke. Dann stelle sich die Frage, was mit anderen Häusern und letztlich dem ganzen Ort geschehen solle. Für alte Faßberger wie Ortschronist Eike Bruns ist die Kirche auch Teil ihrer Lebensgeschichte. Der 76-Jährige wurde dort getauft, konfirmiert, feierte Hochzeit und goldene Hochzeit.

Mit der besonderen Geschichte hat sich die Kirchengemeinde längst auseinandergesetzt. "Dem Kirchenvorstand war und ist zu jeder Zeit bewusst, dass die Michaelkirche im Stil und auch im Geist des Nationalsozialismus in Auftrag gegeben und gebaut wurde", sagt Gudrun Ziedorn im Namen des Kirchenvorstandes. Jeder habe das im Kirchenführer nachlesen können.

Zur weiteren Aufarbeitung der Geschichte überlegen die Faßberger, auch im Innenraum der Kirche den Stilelementen der NS-Zeit etwas entgegenzusetzen, sagt Pastor Blümcke. „Auf diese Weise können wir mit der Gemeinde Faßberg und auch mit Besuchern unserer Kirche immer wieder den Weg von Unrecht über Buße und Vergebung, von Irreleitung unseres Volkes über Aufarbeitung und Neuausrichtung begehen.“

Denn auch die Ausstattung der Kirche spiegelt den Geist ihrer Erbauer. Der Soltauer Ruhestandspastor Gottfried Berndt erinnert sich, wie er als kleiner Junge beim Anblick der Evangelistenfiguren erschrak. „Die sahen aus wie Kämpfer. Ich habe Evangelisten nirgends sonst so gesehen.“ Berndts Vater war nach dem Zweiten Weltkrieg Pastor in Faßberg. Selbst predigt der Ruheständler dort heute gelegentlich vertretungsweise im Gottesdienst. Auch er hält es für richtig, die Spuren der Vergangenheit nicht einfach zu beseitigen. „Wir müssen versuchen zu verstehen, was geschehen ist, in der Verantwortung dafür, dass das nie wieder passieren darf."