Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Aus dem Landkreis Fichte verliert beim Wandel im Celler Land
Celler Land Aus dem Landkreis Fichte verliert beim Wandel im Celler Land
16:10 03.08.2018
Bevor diese kleine Fichte erntereif ist, werden noch ein paar Jahrzehnte vergehen. Quelle: cz
Landkreis Celle

Im Forstamt Unterlüß macht die Fichte nach Angaben von Reiner Baumgart, regionaler Sprecher Nord-Ost-Niedersachsen der Niedersächsischen Landesforsten, einen Anteil von etwa acht Prozent des Baumbestandes aus, im Bereich des Forstamtes Fuhrberg sind es nur knapp über vier Prozent. Denn eigentlich ist die Baumart in den Mittelgebirgen verbreitet. Im Harz und im Solling gibt es große Fichtenwälder. Die Fichte mag es kühl und feucht.

Einst war die Fichte der „Brotbaum“ der Forstwirtschaft, damit wurde Geld verdient. Es war das Grubenholz schlechthin, das unter Tage eingesetzt wurde, um die Strecken gegen Einsturz zu sichern. „Es knackte, bevor es brach“, nennt Baumgart einen nicht unwesentlichen Grund.

Auch in Notzeiten, wenn Holz knapp war, wurde die Fichte in Deutschland im großen Stil gepflanzt. Etwa nach dem Zweiten Weltkrieg, als große Mengen Bauholz benötigt wurden, um die zerstörten Städte wieder aufzubauen. Auch die Flächen, die durch die Reparationshiebe der Alliierten entstanden waren, mussten wieder aufgeforstet werden. „Das Saatgut der Fichte war leicht verfügbar“, sagt Baumgart.

Der Klimawandel setzt dem Baum zu. Als Flachwurzler haben die Stämme Stürmen nicht viel entgegenzusetzen. Und in Phasen ohne ausreichende Niederschläge geraten sie laut Baumgart in Trockenstress und sind dann ein „gefundenes Fressen“ für den Borkenkäfer. Baumgart prognostiziert, dass die Fichte in weiten Bereichen der Landesforsten durch Buche oder Eiche ersetzt werden wird. Heute werden vielerorts schon kleine Buchen unter die lichten Fichten gepflanzt.

Sinken die Fichtenanteile im Wald, werden Kiefer, Douglasie, verschiedene Tannenarten sowie Lärche beim Bauholz die Lücken schließen. Die Douglasie etwa kommt mit der Trockenheit besser zurecht. Die Buche ist als Bau- und Konstruktionsholz nur bedingt geeignet, ihr fehlt die natürliche Dauerhaftigkeit und Standfestigkeit. „Man versucht, sie zu Bauholz zu machen“, sagt Baumgart.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels, der die Fichte besonders betrifft, nennt Baumgart ihre Wahl zum Baum des Jahres 2017 „interessant“. „Den Mut muss man haben“, sagt er.

Von Joachim Gries