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Aus dem Landkreis Fünf besondere Celler Freundschaften
Celler Land Aus dem Landkreis Fünf besondere Celler Freundschaften
10:26 02.08.2018
Von Andreas Babel
Quelle: cz
Celle-Landkreis

„Schon immer befreundet“: Wer eröffnet schon mit sieben und elf Jahren eine kleine Cocktailbar? Das haben jedenfalls die beiden Adelheidsdorfer Dominik und Lara-Malin Blazek getan. Die heute 16-Jährige erzählt: „Unsere Ideen haben sich schon immer ergänzt und mit ihm teilte ich etwas, was ich mit niemandem teilte: Fantasie.“ Sie erschuf für ihren Cousin in ihrem neunten Lebensjahr eine kleine Welt namens „Taskorimo“. „Es faszinierte einfach, wie Menschen in Filmen und auch in Serien in Fantasiewelten reisen. Und genau das wollte ich mit meinem Cousin auch erleben, auch wenn es nicht real war. Wir redeten darüber, erfanden neue Dinge. Für uns war es real“, erzählt Lara-Malin.

Kurze Zeit später eröffneten die Kinder im Garten eine kleine Cocktailbar. Sie hat bis heute gehalten. Nur, dass jetzt echte Getränke für die Familie kostenlos zubereitet werden und nicht mehr Leitungswasser mit Kräutern und Blütenblättern. „Mit niemandem habe ich so viel erlebt wie mit meinem kleinen Cousin. Es ist schon Wahnsinn, dass wir schon immer befreundet sind – jedenfalls seit ich denken kann.“ Wenn Lara-Malin am Wochenende ihre Oma besucht, besucht sie auch ihn. Er wohnt im gleichen Haus wie die Großmutter. Dominik ist eigentlich wie ein kleiner Bruder für sie. „Jeder ist für den Anderen da und ich vertraue ihm, denn er ist mein bester Freund“, sagt die Adelheidsdorferin.

Nach Flucht verbunden: Paul Kransel (86) ist mit dem Ehepaar Bettina und Manfred Rohr aus Sülze seit Jahrzehnten befreundet, obwohl er schon lange in Leverkusen und somit mehr als 300 Kilometer vom Heidedorf entfernt lebt. Der Chemiker kam als zwölfjähriger Flüchtling mit seiner Familie 1944 auf den Röhrshof nach Sülze. Dort erlebte er auch die Geburt des Hoferben Manfred Rohr mit. Auch nach seinem Abitur 1951 am Hermann-Billung-Gymnasium in Celle und seiner Promotion 1961 hielt er den Kontakt zu den Bewohnern des Röhrshofs.

Zu dem Ehepaar Rohr hat er eine „freie, innere Verbindung“, von der keine der beiden Seiten einen Vorteil habe, wie er sagt. Sie telefonieren häufig und regelmäßig kommt Kransel zu Besuch in den Nordkreis, das nächste mal für eineinhalb Wochen im Herbst dieses Jahres. Zwei Episoden zeigen Kransel, wie tief ihre Freundschaft ist: Als seine Frau im vergangenen Jahr gestorben war, freute er sich, dass das Ehepaar Rohr „unaufgefordert“ zur Trauerfeier anreiste. Als er seine Sitzbank zwischen Oldendorf und Eversen erstmals besuchen wollte, die er gestiftet hatte, traf er ganz zufällig seine Freunde an der Örtze. Sie waren gerade mit Eimer und Bürste bewaffnet auf dem Weg zu dieser Bank, um sie zu säubern, damit ihr Freund sie in bestem Zustand sehen sollte. Um seine Verbundenheit mit Sülze zu zeigen, hat Kransel auch im Dorf eine Bank gestiftet.

Es beginnt mit Ohrfeige: Die Freundschaft der Cellerin Brigitte von Courbiere-Muus (92) mit ihrer Mitschülerin Brigitte begann mit einer schallenden Ohrfeige. Es war vor 82 Jahren in Insterburg, in einem Sommer ähnlich dem jetzigen. Brigitte war neu in der Klasse. Nach Unterrichtsschluss war sie auf einmal alleine im Klassenraum mit einem ihr fremden Mädchen. „Da zog sie eine Briefmarke hervor, leckte sie an und wollte sie mir ins Gesicht kleben.“ Brigitte nahm die Beine unter die Arme, merkte aber bald, dass die andere gelenkiger als sie war und die wilde Jagd über die Bänke hinweg schneller als sie meisterte. „Also blieb ich stehen, langte aus und gab ihr eine Ohrfeige.“

Beide Mädchen packten daraufhin stillscheigend ihre Taschen und gingen nach Hause. Nebeneinander. Keines von ihnen sprach ein Wort. Sie hatten denselben Heimweg. Zuhause angekommen, tat der späteren Cellerin die Ohrfeige leid. Sie ging zu ihrer Namensvetterin. Diese las gerade mit ihren beiden Geschwistern die Zeitung. Als sie ihre neue Klassenkameradin sah, stand sie auf, ging auf sie zu und streckte ihr die Hand entgegen. Von diesem Tag an waren die beiden unzertrennlich. So unzertrennlich, dass die Schulnoten litten und der Vater ein Machtwort sprechen musste. Doch die intensive Zeit der Freundschaft dauert nur ein dreiviertel Jahr, weil Brigittes Familie umzog. Die Mädchen schrieben sich noch eine zeitlang, verloren sich dann aber aus den Augen.

Nach dem Krieg, es waren zehn Jahre vergangen, machte Brigitte in Hamburg eine Ausbildung. Eines Tages wartete sie am Hauptbahnhof auf ihren Bus. Da meinte sie den Vater ihrer Freundin in der Menschenmenge entdeckt zu haben. Sie ging auf ihn zu. „Da sagte dieser Mann in schönstem Ostpreußisch: ,Die Brigitte!‘“

Ihre Namensvetterin war durch den Beruf des Mannes viel im Ausland. Zweimal besuchte die heutige Cellerin sie in Südafrika. „Wir haben uns öfter aus den Augen verloren, aber wir wussten immer voneinander.“ Vor vier Jahren starb ihre Freundin. Aber in diesen heißen Tagen, die Brigitte Courbiere-Muus gerne abwechselnd auf einem ihrer beiden Balkone genießt, gehen ihre Erinnerungen oft zurück an die Anfänge ihrer Freundschaft in dem heißen ostpreußischen Sommer 1936. Und die Verbindung hat immerhin fast acht Jahrzehnte gehalten.

Die Freundschaft zwischen Karin Robel und mir Birgit Fuhrberg-Kitze, die seit 49 Jahren besteht, ist für die beiden so wichtig, richtig und wundervoll, dass sie sich entschieden haben, die Allgemeinheit daran teilhaben zu lassen. Als Erläuterung noch kurz das:
Der folgende Text war das Geschenk von Birgit Fuhrberg-Kitze an Karin Robel zu ihrem 50. Geburtstag …daher eben die 50 und der etwas spezifische Anfang.

50

Was in aller Welt schenke ich einem so besonderen Menschen? Für mich noch mal ein Stück besondererer als vielleicht für andere. Ich hab keinen Schimmer.
Vielleicht eine Geschichte?

Aber welche? Mir fallen da ein paar ein, die sich tief und warm in meinem Gedächtnis eingebuddelt haben. Von unserer Reise in die Schweiz und Deinem Großvater Mick, den ich mit seinem halbseitig gelähmten Gesicht und dem urtümlichen Schwyzerdütsch Null Prozent verstanden habe, aber 100 Prozent lieb hatte. Von den grünen Bohnen einer inzwischen vermutlich ausgestorbenen Rasse, die wir stundenlang kochen ließen ohne dass sie auch nur ansatzweise genießbar wurden. Von den beiden französisch sprechenden und wirklich gut aussehenden Reisebekanntschaften, die wir im Zug trafen und die ich auch nicht verstanden habe. Oder von dem Urlaub mit meinen Eltern an der Nordsee und dem jungen Jamaikaner, den wir getroffen haben. „Hör auf, den wie eine Kuh anzuglotzen!“ waren Deine uncharmanten Worte an mich. Ich glaube nicht, dass ich die außer Dir irgendjemandem je verziehen hätte.
Mit Kühen hatten wir auch so unsere Geschichten. Fuhsewegspaziergänge, Fotos von Kühen machen und natürlich von uns…am liebsten beim Pinkeln…war klar.

Rauf und runter sind wir diesen Weg gegangen und haben geredet, geredet, Fotos gemacht, gelacht, und weiter geredet. Mit großen bunt bedruckten Tüchern um den Hals – ohne Tuch konnten wir zu dieser Zeit unmöglich das Haus verlassen – ging gar nicht.
Nett war auch, als Du mich besuchen wolltest, bei uns niemand außer dem Hund da war und dieser Hund Dich zwar freudewedelnd hinein, aber keinesfalls mehr heraus gelassen hat.
Freundinnen eben. Mehr noch: Schwestern im Geiste.

Es war nicht viel, was wir nicht voneinander wussten, weil wir beide das Bedürfnis hatten, uns immer und alles ausführlich zu erzählen. Angeblich reden Frauen (…erst Recht also Mädchen…) ungefähr zehntausend Wörter am Tag. Bin sicher, die hatten wir auf jeden Fall bis zum Mittag locker voll – jede von uns.

Es ist so eine Sache mit dem Vertrauen. Es ist zwischen Menschen einfach da oder nicht. Oder gab es einen Grund? Vielleicht gab es den. Vermutlich war es unsere allererste Begegnung, die uns beide als einzige Überlebende dieser gewagten und gewaltigen Naturexpedition zusammenschweißte.

Es muss Sommer gewesen sein. Allein und abenteuerlustig streifte ich durch den unwirklichen Eicklinger Dorfstraßendschungel. (Komisch, ich seh heute noch jedes einzelne Haus vor mir.)

Plötzlich jemand in meiner Größe am heimischen Gartenzaun gelehnt. Schwarze, glatte, mittellange Haare und dunkelbraune, lachende Augen. (Ich hätte immer schon schwören können, dass die japanischen Zeichner der Heidi-Trickfilmserie exakt Dein Bild vor sich hatten.) Exotisch, weil vorher noch nie gesehen. Okay, anhalten. „Hallo“. „Hallo“ „Ich heiße Birgit“ „Ich bin Karin“.

Und dann entdeckten wir ihn gemeinsam. Den höchsten Berg der Welt. Glücklicherweise
befand er sich genau auf dem Grundstück Deiner Familie. Es gab keinen Zweifel daran, dass
wir als überzeugte Abenteurerinnen gar keine andere Wahl hatten: wir mussten eine
Expedition hinauf wagen.

Ohne Sauerstoffmasken. Angeseilt und mit exquisiter Ausrüstung machten wir uns auf den
beschwerlichen und gefährlichen Weg. Wir überwanden Kieslawinen, Erdrutsche, schlugen
Locher in das brettfeste Sand-Eisgestein und rutschten einigen Male beinah in den
klaffenden Abgrund hinab. Aber wir durchkämpften alle Widrigkeiten des Bergs und näherten
uns dem Gipfel.

Eine kurze Rast wollten wir in dem letzen Kamp vor der Bergspitze noch einlegen. Wir waren hundemüde und hatten Bärenhunger. Und da zeigte sich dann auch das hervorragende
Zusammenspiel unserer unterschiedlichen Fähigkeiten und Ressourcen. Du wusstest, wo
es was zu essen gab und ich wusste, wie man es mundgerecht zerteilt.

Es muss auf jeden Fall Sommer gewesen sein. Völlig ermattet rasteten wir auf einer
sonnigen Sandwiese und verzehrten unsere wohlverdiente Stärkungsmahlzeit. Es war ein
kurzer, aber sehr besonderer Moment. Einer von denen, wo die Zeit stillzustehen
scheint…und der Raum…und die ganze Welt…und das unendliche Universum.
Ja.

Er endete abrupt. Ich lernte Deine Mutter kennen.

Ich danke Dir für diesen Moment und den Platz, den Du in meiner Seele eingenommen hast. Deshalb möchte ich Dir einen „Moment“ zurückschenken, der Dich kurz in eine andere Welt
eintauchen lässt, der Dir eine kleine Zeit zum Ein- Aus- und Durch-Atmen gibt (im wahrsten
Sinne des Wortes…) und der Dich daran denken lassen möge, wie groß kleine Momente sein können.

Seit Geburt Freundinnen: Lisa Schönberg und Sina Brunschön sind beste Freundinnen seit November 1990, dem Monat in dem wir geboren sind, schreibt Lisa Schönberg, geborene Knop: Es ist gar nicht so einfach, unsere Freundschaft in einem kurzen Text zusammen zu fassen, eigentlich könnten wir einen Roman schreiben... Wir sind in Winsen aufgewachsen und wohnen immer noch hier, immer nach dem Motto: Mi Casa es su casa. Beim anderen klingeln ist überflüssig, wir haben den Schlüssel! In der Schule wurden wir mit „SiLi“ angesprochen, haben 4-händig Klavier gespielt und gemeinsam die Leiden und ersten Partys als Teenager überstanden. Wir haben den gleichen Beruf gelernt und fahren jeden Morgen gemeinsam zur Arbeit. Dieselben Interessen, immer ein offenes Ohr für den anderen und füreinander da sein, das macht die Beständigkeit unserer Freundschaft aus. Jetzt mit 27 Jahren, sind wir immer noch ein Team, im vergangen Jahr als Braut und Trauzeugin und einfach dankbar über unsere ganz besondere Freundschaft!

Ein besonderes Bild bietet sich den Autofahrern derzeit an der Landesstraße 240 zwischen Eversen und Sülze. Dort hat Landwirt Walter Otte auf seinem Feld seine Stroh-Rundballen aufgereiht. Insgesamt werden es etwa 1500 in zwei Reihen sein. Die Getreideernte ist im gesamten Landkreis Celle im vollen Gange – und dabei bleibt auch eine Menge Stroh übrig. Wegen der Dürre wird es in diesem Jahr allerdings weniger Stroh geben. "Der Korn-Ertrag vom Getreide ist niedriger, da wird auch der Strohertrag niedriger sein – insbesondere da die Halme kürzer und dünner sind", sagt der Geschäftsführer des Landvolks Celle Martin Albers.

Christopher Menge 27.07.2018

400.000 junge Bäume sind im Frühjahr auf den Flächen des Niedersächsischen Forstamtes Unterlüß gepflanzt worden. Damit ist die Zahl der Jungpflanzen gegenüber den Vorjahren etwa verdreifacht worden – ausgerechnet in diesem Jahr. „Gefühlt hat es seit der dritten April-Woche nicht mehr richtig geregnet“, sagt Forstamtsleiter Hans-Martin Hauskeller. Während der Pflanzzeit passte das Wetter. Aber jetzt herrscht schon seit Wochen Trockenheit. Und der werden viele der 70.000 kleinen Eichen, der 200.000 Buchen, der 75.000 Douglasien und der Lärchen, Kiefern, Erlen und Tannen, die den Rest ausmachen, zum Opfer fallen.

20.07.2018

Der Kinderarzt hetzt von einem Patienten zum anderen. Impfen, Elterngespräche, Vorsorgeuntersuchungen. Das Wartezimmer ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Am Telefon ist kein Durchkommen. Eltern bekommen kaum einen Termin für ihre Kinder. So geht das jeden Tag. In vielen Regionen sind die Kinderärzte völlig überlastet.

Simon Ziegler 18.07.2018