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Aus dem Landkreis "Gemeinsamer Kampf für andere Landwirtschaft"
Celler Land Aus dem Landkreis "Gemeinsamer Kampf für andere Landwirtschaft"
18:01 28.06.2012
Von Simon Ziegler
BI Wietze: Auslaufmodell b‰uerliche Landwirtschaft Quelle: Peter M¸ller
Landkreis Celle

Das Interesse war enorm: 120 Menschen kamen, um mit Joe Borgerding aus den USA, Hellen Yego aus Kenia und Eckehard Niemann von der Agrargemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zu diskutieren.

In einem Pressegespräch machten die drei Landwirte vorab klar, wofür sie sich einsetzen: für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft. Yego hat einen Milch- und Ackerbaubetrieb auf 17 Hektar Fläche. Sie plädiert dafür, den Boden pfleglich zu behandeln und jedes Jahr andere Pflanzen anzubauen, um eine Fruchtfolge sicherzustellen. „Wir brauchen eine menschlichere Landwirtschaft. die Geschwindigkeit ist viel zu hoch“, sagte sie. Überrascht zeigte sie sich, dass in Europa so viele Menschen die industrielle Landwirtschaft und Monokultur mit Sorge betrachteten.

Joe Borgerding war bis Mitte der neunziger Jahre selbst konventioneller Bauer in Minnesota und verwendete Chemikalien und Antibiotika auf seinem Betrieb. Als sich die Struktur des Bodens immer weiter verschlechterte und nicht mehr genügend Nahrungsmittel produziert werden konnten, stellte er auf Nachhaltigkeit um. Heute hat er einen biozertifizierten Milchbetrieb mit 160 Kühen. „Ich hoffe, dass mit den Milchbauern nicht das gleiche passiert wie mit der Geflügelindustrie. Ich will selbst entscheiden, wo ich verkaufe und was die Tiere essen“, sagte er.

Eckehard Niemann, der früher als Landwirt, heute als Sprecher der AbL arbeitet, betonte die Gemeinsamkeiten der Landwirtschaft auf den drei Kontinenten. „Wir kämpfen gemeinsam für eine andere Landwirtschaft. Es ist ganz wichtig, dass wir nicht nur auf Wachsen oder Weichen setzen, da bleiben nämlich nur wenige übrig. Wir brauchen Klasse statt Masse und müssen gegen die Konzerne kämpfen, und zwar mit Bürgern und Verbrauchern“, sagte er.

Die Landwirte aus Kenia und Amerika sind zusammen mit den Organisationen „Misereor“, „Arc 2020“ und „Meine Landwirtschaft“ sowie heimischen Landwirten derzeit in Deutschland und Belgien unterwegs. BI-Vorsitzende Uschi Helmers unterstrich, dass es wichtig sei, die globalen Zusammenhänge von Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft darzustellen. Die BI wolle auch zeigen, dass „wir überhaupt nichts gegen Landwirte haben. Viele denken, wir sind gegen sie, das stimmt aber überhaupt nicht“.