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Aus dem Landkreis Gesamtschule will weiter für gymnasiale Oberstufe kämpfen
Celler Land Aus dem Landkreis Gesamtschule will weiter für gymnasiale Oberstufe kämpfen
01:01 04.08.2018
Landkreis Celle

Für den Schulelternratsvorsitzenden Carsten Rusitschka handelt es sich um eine Frage von höchster Priorität. "Eine IGS kann die schulische Heimat für alle Kinder sein, also vom Kind mit Förderbedarf bis hin zu ganz schlauen Kindern. Die Mischung soll die Gesellschaft widerspiegeln und ist eine tragende Säule des IGS-Konzeptes. Beim Fehlen einer gymnasialen Oberstufe werden wahrscheinlich die Kinder, die ein Gymnasium besuchen könnten, immer mehr der IGS fern bleiben", fürchtet er.

Die Entscheidung gegen die Oberstufe schwäche die Gesamtschule enorm. "Wir Eltern fühlen uns geprellt von den Politikern des Kreistages und Landrat Klaus Wiswe. Der Antrag auf eine gymnasiale Oberstufe wird von den Eltern, den Schülern und von der Landesschulbehörde unterstützt", so Rusitschka. Das niedersächsische Schulgesetz besage, dass eine IGS aus den Jahrgängen 5 bis 13 bestehe und nur in Ausnahmefällen auf die Jahrgänge 11 bis 13 verzichtet werden könne.

Von der Schulleitung gab es nur eine knappe Stellungnahme. "Ich unterstütze weiterhin den Wunsch der Eltern für eine gymnasiale Oberstufe", sagte Schulleiterin Meike Kerker.

Der Schulausschuss hatte sich am Mittwoch mit den Stimmen von CDU, WG, FDP und AfD gegen eine Oberstufe an der IGS ausgesprochen, weil dadurch die Gymnasien geschwächt würden. SPD und Grüne unterstützen den Antrag der Schule. Endgültig entscheidet der Kreistag am 19. Dezember.

Am Ernestinum wird das Votum begrüßt. Es gebe bereits neun gymnasiale Oberstufen mit vielfältigen Angeboten und Wahlmöglichkeiten, die "schon jetzt den Bedarf an Kapazitäten vollumfänglich decken und sehr erfolgreich Schülern, die in der Sekundarstufe I kein Gymnasium besucht haben, die Vorbereitung auf das Abitur ermöglichen", sagt Ernestinum-Schulleiter Johannes Habekost. "In der Oberstufe des Ernestinums sind in Zukunft auch alle diejenigen IGS-Schüler willkommen und gut aufgehoben, die die allgemeine Hochschulreife anstreben. Sie müssten hierzu nicht einmal das Gebäude wechseln und bekämen das Abiturzeugnis eines traditionsreichen Gymnasiums", so Habekost. IGS und Ernestinum arbeiteten jeden Tag im selben Gebäude vertrauensvoll und pragmatisch zusammen.

In der Ausschusssitzung hatte Rusitschka gesagt, dass das Kollegium des Ernestinums vor vier Jahren eine Kooperation mit der IGS ausgeschlossen habe. Wiswe entgegnete, dass sich diese Meinung geändert habe. Aus Sicht der Verwaltung mache eine Kooperation zwischen den beiden Schulen an der Burgstraße Sinn. Die räumliche Nähe sorge für einen gleitenden Übergang für die Schüler, weitere Synergieeffekte könnten zudem durch den wechselseitigen Einsatz von Lehrern erschlossen werden.

Das Vorpreschen der Gesamtschule wird unterdessen an den Oberschulen kritisch gesehen. Denn bei der Einführung sowohl von der Gesamt- als auch der Oberschulen sei immer klar gewesen, dass dort Schüler der Klassen 5 bis 10 unterrichtet würden, betont die Winser Elternvertreterin Claudia Möller. "Es muss eine Gleichbehandlung aller Schulen gewährleistet sein. Eine Schule darf nicht bevorzugt werden", sagt sie.

Von Christopher Menge und Simon Ziegler