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Aus dem Landkreis Hähnchenmast nach Rechtslage
Celler Land Aus dem Landkreis Hähnchenmast nach Rechtslage
16:41 17.06.2011
Etwa 60 Einwender nahmen den Anhörungstermin - im Celler Kreistagssaal wahr. Quelle: Peter Müller
Landkreis Celle

„Es war eine intensive Diskussion, wir haben viel Fachwissen an die Bürger weitergegeben. Es kann sein, dass wir für Aufklärung gesorgt haben. Aber wir werden nicht jeden überzeugt haben“, mit diesen Worten fasste Kreisdezernent Gerald Höhl Donnerstagmittag den anderthalbtägigen Erörterungstermin zum Antrag auf Errichtung und Betrieb von zwei Hähnchenmastställen für insgesamt 82.000 Tiere in Hohnebostel zusammen. Ursprünglich war nur der Mittwoch für die Anhörung der Einwender anberaumt worden.

Versammlungsleiterin Claudia Rösing, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung, Bauen und Kreisentwicklung hatte Mittwochmorgen bei der Begrüßung der rund 60 Einwender gesagt, dass sie ein Ende des Meinungsaustauschs einschließlich Mittagspause bis 17.30 Uhr anstrebe. Doch zu diesem Zeitpunkt wurde gerade über Punkt 7 der in 15 Themenkomplexe aufgeteilten Tagesordnung diskutiert: über die Lagerung und Verwertung des Hähnchenmists. Nach einer Pause ging es dann bis gegen 20 Uhr mit den Bereichen Naturschutz und Brandschutz weiter. Am Donnerstag wurden dann noch einmal von 9.30 bis 12 Uhr die Stellungnahmen der Einwender angehört und Fragen von den Experten beantwortet. Auch Landwirt Herbert Bock aus Langlingen nahm mehrfach zu seinem Projekt Stellung.

Rösing hatte zu Beginn der Anhörung darauf hingewiesen, dass Tenor vieler der 200 Einwendungen gewesen sei, das Vorhaben nicht zuzulassen. Dafür gab es von den Zuhörern auch Applaus. „Wir haben den Antrag zu prüfen und nach Recht und Gesetz zu entscheiden, nicht nach Meinung“, sagte die Amtsleiterin. Ziel sei es, eine rechtmäßige Entscheidung zu treffen und eine Genehmigung auszusprechen, die Klagen von Einwendern, aber auch des Bauherrn standhalte. Grundlage seien Gesetze, Verordnungen, Erlasse, aber auch die aktuelle Rechtssprechung.

„Wir haben nicht den Anspruch, dass alle Einwender zu Befürwortern des Vorhabens werden“, sagte Rösing vor dem Einstieg in die Diskussion und den Austausch von Argumenten. Und dann ging es stundenlang um Geruchsemissionen und die Abluftableitung, um Ammoniak und Staub aus der Anlage, aber auch um die Belastungen von Anwohnern an der Route, auf der die Tiere zum Schlachthof transportiert werden. 4,2 Milligramm Staub werden jedem Hähnchen pro Stunde zugeschrieben, erläuterte der stellvertretende Amtsleiter Hans-Jürgen Tietje. Mit 344 Gramm pro Stunde werde der Grenzwert von einen Kilogramm pro Stunde unterschritten. Der Antragsteller müsse den Nachweis der Unschädlichkeit dieser Stäube führen, forderte Rechtsanwalt Volker Nebelsieck.

Wann der Landkreis eine Baugenehmigung für die beiden Hähnchenmastställe ausspricht und mit welchen Auflagen sie verbunden sein wird, ist noch offen. Nach Höhls Angaben fehlen noch zwei Gutachten, darunter eins, in dem eine mögliche Beeinträchtigung des FFH-Gebietes Aller durch den Betrieb der Ställe untersucht wird. Das zweite Gutachten zur Geruchsemission könnte auch eine erneute Beteiligung der Öffentlichkeit zur Folge haben. In welcher Form, ob in einer erneuten Anhörung oder durch schriftliche Information, dazu wollte sich Höhl nicht festlegen. Sein Fazit nach dem intensiven Austausch: „Bestimmte Dinge müssen wir hinnehmen, weil sie in den Vorschriften nicht vorgesehen sind.“

Schon in anderthalb Wochen könnte sich die ganze Prozedur wiederholen, denn am 29. Juni steht im Kreistagssaal ein weiterer Anhörungstermin an. Dann geht es um die Mastanlage für 82.000 Tiere, die Henning Santelmann aus Nordburg in der Gemarkung Helmerkamp bauen will.

Von Joachim Gries