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Aus dem Landkreis Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft
Celler Land Aus dem Landkreis Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft
18:42 27.11.2018
Bergen

Stefanie Brian öffnet noch einmal leise die Zimmertür zu ihrem Ältesten für einen kurzen Blick. John schläft noch fest – erholt sich von seinem schweren Asthma-Anfall, den er vor knapp drei Wochen erlitten hat. Ganz knapp hat der 16-Jährige ihn überlebt – auch dank des schnellen Zugriffs seines Vaters. Die dreifache Mutter ist auf dem Weg zur Arbeit, die beiden Jüngeren sind schon auf dem Weg zur Schule. Der Schreck steckt allen noch in den Knochen …

Stefanie Brian (die Namen wurden von der Redaktion geändert) sieht einer Zukunft hoffnungsvoll, aber auch vorsichtig entgegen. Zu viel und zu Schmerzliches hat sie in den vergangenen sieben Jahren erlebt. Sie war 24, als sie ihren Mann Tom bei einem Tanzfest der britischen Armee kennengelernt hat. Die junge Verkäuferin und der Engländer verstanden sich gut. Das Paar heiratete und bekam ihren ersten Sohn, zwei weitere Kinder folgten. „Die ersten Jahre waren gut, wir verdienten nicht viel und mussten beide arbeiten, das war natürlich manchmal mit Stress verbunden, aber es ging“, erzählt die heute 44-Jährige.

Tom begann zu trinken

Dann begannen die Schwierigkeiten: Toms beste Freunde aus der Armee wurden abgezogen und verließen die Stadt. Tom begann zu trinken und geriet in schlechte Gesellschaft. Auch Rauschgift kam ins Spiel. Immer öfter kam es zu aggressiven Auseinandersetzungen – bis hin zu emotionalen und körperlichen Übergriffen und Gewalttätigkeiten. Die Bedrohlichkeiten nahmen stetig zu. Stefanie sorgte sich um ihre Kinder. Als sie im Keller eine illegale Hanfplantage entdeckte und ihren Mann zur Rede stellte, eskalierte die Situation. Sie holte sich Unterstützung durch das Frauenhaus und floh erst einmal aus der Wohnung. Das war vor fünf Jahren.

Wohnung ist nur spärlich eingerichtet

Trotz der schmerzhaften und belastenden Erfahrung hat sich Stefanie Brian nicht unterkriegen lassen, kam zunächst behelfsmäßig unter und bezog dann eine neue Wohnung – die auch heute noch nur spärlich mit dem Notwendigsten ausgestattet ist. Sie hat sich Arbeitsstellen gesucht, die sich mit den Schul- und Ganztagsunterbringungszeiten der Kinder vereinbaren ließen, und dreht seither jeden Cent zweimal um. Es gab Rückschläge, so musste sie mehrere Arbeitsstellen wegen Johns oder eigener Krankheitszeiten aufgeben und sich neue Jobs suchen. Trotzdem gelingt es ihr bisher, fast durchgängig unabhängig von Hartz IV zu leben. „Ich möchte so weit wie möglich unabhängig sein“, erklärt sie bestimmt.

Vater nähert sich der Familie wieder an

Seit einigen Monaten trifft sich Stefanie Brian wieder mit ihrem Mann. Tom hat inzwischen eine Entziehung hinter sich und durch die Selbsthilfegruppe, der er sich angeschlossen hat, Unterstützung, Halt und neue Freunde gefunden, er ist auf der Suche nach einer geregelten Arbeit. Auch der Kontakt zu seinen Kindern ist enger und häufiger geworden. Das Paar hat sich ausgesprochen und versucht einen Neuanfang – allerdings zunächst von zwei getrennten Wohnungen aus. Trotzdem keimt Hoffnung in Sabine auf, künftig etwas Entlastung, was Haushalt und Erziehung der Kinder betrifft, zu erhalten.

Hoffnung auf Aktion "Mitnenschen in Not"

Die Feuerprobe unfreiwilliger Art hat Vater Tom schon bestanden, als er vor zwei Wochen zufällig in die Wohnung kam und dort seinen Ältesten in einem heftigen Asthmaanfall vorfand – er war einem allergieauslösenden Hund zu nahe gekommen. Dank des beherzten Eingreifens mit Wiederbelebungsmaßnahmen vom Vater und der schnellen Reaktion des Bruders, der den Notarzt verständigte, hat John die Attacke überlebt. Um sich die Betreuung des noch sehr geschwächten Jungen zu teilen, sind einige Umstrukturierungen in der Wohnung nötig – ein weiteres Bett für den Vater wird (zeitweise) gebraucht, auch das Bett und die Bettsachen von John müssen neu und für Allergiker geeignet sein. Das übersteigt das Budget von Stefanie Brian – sie hofft auf Unterstützung durch die Aktion "Mitmenschen in Not".

So können Sie helfen

Das Konto des gemeinnützigen Vereins „Mitmenschen in Not“ läuft unter dem gleichnamigen Stichwort mit der IBAN DE38257500010000009910 bei der Sparkasse Celle (BIC: NOLADE21CEL). Spendenbescheinigungen werden ab einer Summe von 200 Euro ausgestellt, sofern ein Hinweis auf dem Überweisungsträger enthalten ist. Bei Spenden bis 200 Euro reicht dem Finanzamt Celle der Bankbeleg.

Von Doris Hennies

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