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Aus dem Landkreis Im Landkreis Celle blitzt es an 400 Stellen
Celler Land Aus dem Landkreis Im Landkreis Celle blitzt es an 400 Stellen
19:46 03.08.2018
Von Christopher Menge
Celle-Landkreis

Als ein Mann an die Scheibe seines Autos klopft, öffnet Johannes Teussink die Fahrertür. „Wie schnell war ich denn gerade?“, fragt der Mann mit aufgeregter Stimme. Teussink antwortet, dass er ihm das leider nicht sagen dürfe: „Aber was schätzen Sie denn?“ – „Ich denke, dass ich etwa 15 Stundenkilometer zu schnell war. Mein alter Bus ist nicht geeicht – bekomme ich jetzt ein Fahrverbot?“, fragt der Mann mit weit geöffneten Augen. Der Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung kann ihn beruhigen: „Wenn Sie so schnell waren, bedeutet das nur ein Verwarngeld.“

Solche Begegnungen hat der 61-jährige Teussink täglich – meistens sind die Autofahrer freundlich. Seit 1978 arbeitet er in der Verkehrsüberwachung, seit 15 Jahren ist er für den Landkreis Celle auf der Suche nach Rasern. „Ich bin über die holländische Militärpolizei nach Bergen gekommen“, erzählt Teussink mit niederländischem Akzent. Damals habe man noch mit einem Gummischlauch über die Straße gemessen. „Wir haben drei Stunden lang mit drei bis vier Leuten die Geschwindigkeit kontrolliert und saßen dann drei bis vier Tage im Büro, um alles auszuarbeiten“, erzählt Teussink. „Mit der digitalen und der Laser-Technik ist alles einfacher.“

„Hoffe, dass meineFrau vernünftig fährt“

In dem Moment zeigt der kleine Monitor, der auf dem Armaturenbrett seines Autos steht, einen erneuten Verstoß eines Autofahrers. „Das ist ein Tischler aus Walsrode“, sagt er, als er das Kennzeichen sieht. Daraufhin kontrolliert er, ob das Foto des Fahrers gut zu erkennen ist. Die Aufschrift auf der Motorhaube des Busses bestätigt seine Aussage.

Dass „alte Bekannte“ in die Radarfalle von Teussink rasen, kommt öfter vor. „Es kann auch sein, dass ich meine eigene Frau blitze“, sagt Teussink mit einem Lächeln. „Ich kann immer nur hoffen, dass sie vernünftig fährt, denn Ausnahmen gibt es keine – ich habe auch schon Kollegen geblitzt.“ Egal, von wem er ein Foto schießt, derjenige bekommt einige Zeit später Post vom Landkreis Celle.

Ihn selbst hat es auch schon mal erwischt – allerdings in Bremen. „Ich war mit meiner Frau bei einem Konzert, habe in die Sonne geguckt und habe es in dem Moment gar nicht gemerkt“, erzählt Teussink, der damals zwei Punkte in Flensburg und 100 Euro Strafe bekam. Im Landkreis Celle wurden im vergangenen Jahr 34.100 Buß- oder Verwarngelder wegen Geschwindigkeitsübertretungen verhängt. Runde 2,05 Millionen Euro spülten die Raser in die Kasse des Landkreises.

Bevor Teussink seine mobile Anlage an diesem Vormittag in Wolthausen an der Kreisstraße 3 aufgebaut hat, war er schon in Hassel. Dort steht seit diesem Monat ein Starenkasten an der Bundesstraße 3. Mit Hilfe einer Stange zieht er den Kasten nach unten, öffnet die Klappe und guckt auf das Display. „Zwölf Verstöße gab es hier seit gestern“, sagt er, während er die Daten ausliest. „Manche stationäre Anlagen übertragen die Daten direkt per Funk, bei manchen müssen wir sie auslesen“, erzählt der erfahrene Landkreis-Mitarbeiter, der sich freut, dass die neuen Starenkästen einen Hubmast haben und er hier nicht auf eine Leiter steigen muss.

Mit Tempo 197durch 70-Zone

In Hassel hat es gleich am ersten Tag nach der Inbetriebnahme zwei Autofahrer erwischt, die deutlich zu schnell unterwegs waren – mit 120 Stundenkilometern in der 70-Zone. Mit seiner Laserpistole hat Teussink aber schon andere erwischt, die es noch eiliger hatten. „Der Schnellste ist 197 Stundenkilometer gefahren – bei erlaubtem Tempo 70 auf der B 3 in Becklingen“, erzählt Teussink. „Das Kuriose war, dass ich mich erst geärgert habe, dass ich auf der falschen Seite aufgebaut hatte, denn er raste in Richtung Soltau – doch 20 Minuten später kam er zurück.“ In der Stadt Celle erwischte er mal einen Fahrer mit 136 Stundenkilometern.

928 Fahrverboteim vergangenen Jahr

In Wolthausen stellt Teussink an diesem Vormittag innerhalb von gut eineinhalb Stunden acht Verstöße fest: „In der 50-Zone blitzen wir ab 63 Stundenkilometern. Drei Stundenkilometer werden dann noch als Toleranz abgezogen.“ Ein Fahrverbot wird innerorts ab einer Netto-Überschreitung von 31 Stundenkilometern, außerorts von 41 Stundenkilometern ausgesprochen. Im Landkreis Celle wurden 2016 insgesamt 928 Fahrverbote verhängt.

Als Teussink den Blitz, die Kamera und die Stative an der Straße wieder abbaut, kommt ein Auto mit ziemlich hoher Geschwindigkeit vorbei. „Der hat Glück gehabt“, sagt Teussink, der schon viel erlebt hat: „Einmal hat sich jemand so geärgert, dass er aufs Lenkrad gehauen hat und dieses danach nach unten hing“, erzählt er, als er alles im Kofferraum verpackt. Dann muss er noch ein Protokoll anfertigen und kontrollieren, ob die Ortsschilder noch stehen. „Ich habe es auch schon mal erlebt, dass jemand es abgebaut hatte – manche versuchen alles“, erzählt er.