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Aus dem Landkreis In Landgasthöfen im Landkreis Celle gehen die Lichter aus
Celler Land Aus dem Landkreis In Landgasthöfen im Landkreis Celle gehen die Lichter aus
10:45 26.01.2014
Von Carsten Richter
Der Zapfhahn ist für immer zugedreht: Die Ratsklause war früher eine beliebte Einkehrmöglichkeit in Oldau. Doch schon seit Jahren steht das Haus leer. So wie hier sieht es in vielen Orten im Landkreis Celle aus. Quelle: Anne Friesenborg
Celle-Landkreis

Doch nicht nur Essen und Trinken stehen im Vordergrund, Landgasthöfe sind auch Kommunikationsorte. Oder waren es zumindest jahrzehntelang. Denn Gaststätten auf dem Land sind vom Aussterben bedroht, das Problem zieht sich auch durch den Landkreis Celle – in vielen Orten suchen Einwohner und Touristen vergeblich nach einer Einkehrmöglichkeit.

„Die Gaststätte lief immer sehr gut“, sagt Gudrun Kohrs. „Aber das Haus war schon alt, wir hätten sehr viel Geld in die Renovierung stecken müssen“, erklärt die frühere Eigentümerin des Heidehofs in Wardböhmen. In der Küche ging es traditionell zu: Auf dem Speiseplan standen Schnitzel, Currywurst und Rouladen. Auch ein einfaches Schinkenbrot ging gut weg. Seit mehreren Generationen war das Gebäude ein Gastronomiebetrieb. Der letzte Pächter war seit 1969 dort, bis zur Schließung vor 20 Jahren. Wenig später, 1996, hat im Ort auch der Landgasthof Zum Falkenberg dichtgemacht. Das Haus, das seit 1979 bewirtschaftet war, steht seitdem leer. Der ehemalige Heidehof hingegen ist zu vier Mietwohnungen umgebaut worden – wenigstens kein Leerstand. Und dennoch: „Ein Gasthof weniger ist für jede Ortschaft ein Verlust“, sagt Anna Cornils, Ortsbürgermeisterin von Wardböhmen. Inzwischen gibt es in dem 380-Seelen-Dorf nur noch eine Imbissbude an der B3. „Wir können froh sein über unser Dorfgemeinschaftshaus, das für Veranstaltungen gemietet werden kann“, meint Cornils.

Die günstige Lage an der Bundesstraße oder die reizvolle Umgebung, die viele Radfahrer zu einem Ausflug einlädt. All das scheint wenig zu helfen, Wardböhmen ist keineswegs ein Einzelfall. Die Entwicklung, die vor 20 Jahren ihren Anfang machte, setzte sich seitdem kontinuierlich fort und spitzte sich in letzter Zeit zu. Da genügt schon ein Blick in die direkte Nachbarschaft: Nachdem das Gasthaus Rosenhof in Offen vor mehr als zwei Jahren in Flammen aufging, hat sich bislang kein neuer Gastronom für die Immobilie gefunden. Unklar ist ebenso, was mal aus dem Gasthof in Grünewald wird – auch er liegt direkt an der B3 zwischen Celle und Bergen. Zwischenzeitlich hatte hier ein Nachtklub eröffnet, wegen fehlender Genehmigung schob der Landkreis 2008 dem Rotlicht-Betrieb einen Riegel vor.

Gleiches Problem in anderen Teilen des Kreises: Erst seit Beginn des Jahres hat das Gasthaus Lindenkrug im Ortskern von Beedenbostel zu, Hanna und Gerhard Schramm hatten aus Altersgründen geschlossen und keinen Nachfolger gefunden. Auch in Oldau gibt es schon seit Jahren keinen Gasthof mehr. Zwei Traditionsbetriebe, die Ratsklause und der Deutsche Hof, haben schon vor Jahren geschlossen. Hambührens Bürgermeister Thomas Herbst bedauert die Entwicklung: „Das waren Orte zum Klönen und Anlaufpunkte für Touristen. Sehr schade, dass es hier gar nichts mehr gibt.“

Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist die Situation bekannt. Meistens scheiterten Gasthöfe auf dem Land daran, dass sich kein Nachfolger für die oft von Familien geführten Betriebe finde, sagt Benno Eisermann, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Celle. „Die Entwicklung ist eindeutig. Es halten sich nur die Gastronomen, die durch Spezialisierung eine Lücke schließen können.“ Von den Dorfbewohnern allein könnten sie schon lange nicht mehr leben. Die Städte wachsen, die Dörfer sterben langsam aus – und mit ihnen die Landgasthöfe, einem wichtigen deutschen Kulturgut. „Diese Individualität, die die Ortschaften auszeichnet, ist schützenswert“, betont Eisermann. Um die Entwicklung zu stoppen, sei der Dehoga ständig im Gespräch mit Politikern. Gemeinsam wollen sie nach Lösungen suchen.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus Scharnhorst: 2006 haben sich zehn Männer aus dem Ort zusammengetan und das Gasthaus Zur Post gekauft. Ein Stück Kulturgut konnte so erhalten werden – zum Wohle von Bürgern und Touristen.

Carsten Richter