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Aus dem Landkreis Als eine Region im Schnee versank
Celler Land Aus dem Landkreis Als eine Region im Schnee versank
14:12 30.12.2018
Von Simon Ziegler
Quelle: Joachim Gries
Celle

Es war ein Jahrhundertwinter – und Heinrich Lindhorst war gar nicht da. Der Mann, der wenig später mit neun Mitstreitern den Winser Heimatverein gründete, war zum Jahreswechsel mit Freunden in den Skiurlaub nach Berchtesgaden gefahren. Der damals 40-Jährige wollte Langlauf fahren. Nur: Es gab in Süddeutschland gar keinen Schnee. „Ich habe dann mit meiner Frau telefoniert. Sie hat mir gesagt, dass in Norddeutschland das Chaos ausgebrochen ist.“ Die Garage war zugeschneit, seine Frau konnte mit ihrem R4 das Haus nicht mehr verlassen. Immer wieder fiel der Strom aus. Heinrich Lindhorst fuhr mit dem Auto zurück nach Winsen. Den Winter vor 40 Jahren hat er bis heute in Erinnerung. „Am schlimmsten war es in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Da wurden Panzer eingesetzt. Es war der schlimmste Winter, den ich je erlebt habe.“

„Am schlimmsten war es für die Tiere“

Den Jahreswechsel 1978/79 hat auch Georg Rahlfs nicht vergessen. „Am schlimmsten war es für die Tiere“, sagt der Landwirt, der heute 77 Jahre alt ist. Auf seinem Hof in Adelheidsdorf froren zunächst die Wasserleitungen zu. „Wir mussten die Leitungen auftauen, damit die Tiere zu saufen kriegen.“ Die Kühe mussten gemolken werden, aber auch hier fiel der Strom aus, so dass die Melkmaschinen zeitweise nicht zu gebrauchen waren. Dann kamen die Schneemassen. Die Gras- und Maissilos lagen unter einer dicken Schneeschicht. „Wir haben den Schnee mit der Hand weggeräumt, damit wir an das Futter für die Tiere kamen. Wir hatten unheimlich viel Arbeit“, erinnert sich der spätere Kreislandwirt. Auf seinem Hof starb kein einziges Tier.

Am 28. Dezember 1978 rollte eine ungewöhnliche Kältewelle auf Nord- und Ostdeutschland zu. Die Küstenbereiche an Nord- und Ostsee litten tagelang unter Nordoststurm, Hochwasser und weiteren Schneefällen. Auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze kam es zu Schneeverwehungen bis zu sechs Metern Höhe. Die Folgen waren immens, das öffentliche Leben lag für Tage lahm. Der Auto- und Zugverkehr kam zum Erliegen. Rund 150 Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. Strom- und Telefonnetze kollabierten, Räumfahrzeuge blieben stecken. Panzer von Bundeswehr und Nationaler Volksarmee versuchten steckengebliebene Züge und Hilfesuchende zu erreichen. Viele der Inseln waren auf sich selbst gestellt. Etliche Helfer arbeiteten bis zur Erschöpfung.

22 Menschen kamen uns Leben

Dennoch starben in der Bundesrepublik in der Kälte 17 Menschen. Zahllose Rinder, Schweine und Hühner verendeten. Die Schäden überstiegen 140 Millionen D-Mark. In der DDR kamen mindestens fünf Menschen ums Leben.

Auch im Kreis Celle gab es Höfe, die tagelang niemand verlassen und niemand betreten konnte. Am Kükenkamp in Adelheidsdorf war ein Hof zwei Tage von der Außenwelt abgeschnitten, erinnert sich Georg Rahlfs. „Der hatte keinen Strom, der war übel dran.“ Immerhin, durch die Lage direkt an der B3 hatten es die Rahlfs etwas besser. Der Landkreis Celle habe sich darum bemüht, die Bundesstraße einigermaßen frei zu bekommen, berichtet der damals 37-Jährige.

„Wir waren richtig eingeschneit"

Am anderen Ende des Celler Landes, in Schelploh, lebt Hubertus Bühmann. „Wir waren richtig eingeschneit. Wir mussten viel Schnee schippen“, erinnert sich der spätere Leiter des Lachendorfer Gymnasiums, der 1978 gerade sein Referendariat machte. Seine Familie hat in Schelploh – mitten im Wald – einen Forstbetrieb; ein, zwei Tage war vom Grundstück kein Durchkommen zur B191, erinnert sich der 66-Jährige. Dann kam man immerhin mit dem Trecker die 300 Meter bis zur Straße durch. Panik brach in Schelploh deshalb aber nicht aus. „Auf dem Dorf betreibt man immer eine gewisse Vorratswirtschaft, man muss nicht jeden Tag einkaufen“, sagt Bühmann. Die Forstleute hatten auch in der Folge viel zu tun. Der Schneewinter hatte im Wald seine Spuren hinterlassen. „Es gab einen erheblichen Schneebruch, vor allem bei Kiefern.“

Es war ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Winter. Mitte Februar 1979 kamen neue Schneefälle von 60 bis 80 Zentimeter Höhe in Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. An vielen Orten gab es 67 Tage eine geschlossene Schneedecke, nämlich vom 28. Dezember 1978 bis zum 4. März 1979.

Mit dem Schlepper zur Grundschule

Nach dem Jahreswechsel 1978/79 war das Schneechaos auch in Adelheidsdorf noch lange nicht vorbei. „Wir hatten Schnee ohne Ende“, sagt Georg Rahlfs. Er erinnert sich, dass man weder zu Fuß noch mit dem Fahrrad oder dem Auto zur Grundschule kam. Also warf er eines Tages seinen Schlepper an, packte seine drei und noch zwei Nachbarskinder ein und fuhr sie zur Schule. „Dort hat man uns gesagt, dass die Schule ausfällt. Wir konnten wieder nach Hause fahren.“ Hubertus Bühmann in Schelploh konnte den Schneemassen auch etwas Positives abgewinnen. „Ich habe mir in Celle Langlauf-Skier gekauft und bin im Wald Ski gefahren.“

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