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Aus dem Landkreis Krippen: Plätze werden nicht reichen
Celler Land Aus dem Landkreis Krippen: Plätze werden nicht reichen
16:15 09.08.2018
Landkreis Celle

45 Krippenplätze hat die Stadt Bergen gerade geschaffen. Schon jetzt sind alle belegt. Auch in anderen Gemeinden in Celle werden die Angebote für die Betreuung von Unter Dreijährigen gut angenommen. Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage, ob der Rechtsanspruch für Betreuungsplätze zu halten sein wird, wenn der Bund nicht mehr Mittel zuschießt.

Vereinbart ist, dass in den Kommunen so viele Plätze angeboten werden, dass rein rechnerisch 35 Prozent der Kinder einen Platz bekommen. Im Landkreis Celle hat es in den vergangenen zwei Jahren deshalb einen Bauboom gegeben. In fast jeder Kommune werden neue Krippenplätze geschaffen. Am Stichtag 1. Januar 2010 standen laut dem Landkreis 341 Plätze in Kindertagesstätten und 259 Plätze in der Kindertagespflege zur Verfügung. Die rund 600 Plätze ließen eine Versorgung von rund 22 Prozent zu. 2011 sollen es dann 30 Prozent sein. Trotz dieser Anstrengungen zweifelt mancher Rathauschef, ob man sich an die Vorgaben aus dem „Krippengipfel“ mit der Bundesregierung halten kann. „Wir haben schon Probleme, diese Zielmarke zu erreichen“, sagt der Chef der Hauptverwaltungsbeamten, Lachendorfs Samtgemeindebürgermeister Jörg Warncke. Auch der Kreis schränkt in seiner Analyse ein, dass die Versorgungsquote in den Kommunen sehr unterschiedlich sein wird.

Das ist aber längst nicht mehr die entscheidende Frage, denn die 35 Prozent-Festlegung ist eine willkürliche Zielmarke. Der Erste Kreisrat Matthias Krüger geht inzwischen davon aus, dass es als Betreuungsschlüssel nicht ausreichen wird. „Wir haben jetzt immer wieder gemerkt, dass die Eltern sich doch dazu entscheiden, ihre Kinder in die Krippe zu bringen, wenn sie sehen, dass da vernünftig gearbeitet wird“, sagt Krüger.

Sollte dieser Trend anhalten, entsteht ab 2013 eine fatale Situation, die die Kommunen viel Geld kosten kann. Dann nämlich können Eltern den Rechtsanspruch auf eine Krippe einklagen. „Die Eltern wären die Leidtragenden und wir würden mit Klagen überzogen. Das darf nicht sein“, sagt Krüger.

Da die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder jüngst deutlich gemacht hat, dass sie an dem Rechtsanspruch festhalten will, gibt es aus Sicht von Krüger und Warncke nur eine Lösung: Der Bund muss die Zuschüsse erhöhen. Das gilt nicht nur für die Baukosten.

„Eine Krippe hat enorme Folgekosten durch das Personal“, sagt Krüger. So liegen die laufenden Kosten eines Krippenplatzes - je nach den Besonderheiten des Einzelfalls - nach Erkenntnissen des Kreises zwischen 800 und 1000 Euro pro Monat an Personal- und Sachkosten. Auf der Einnahmeseite stehen die gegenüber der Kindergartenförderung erhöhten Personalkostenzuschüsse des Landes und des Kreises sowie Elternbeiträge. Den Kommune bleiben aber immer noch Kosten von 300 bis 400 Euro pro Platz und Monat.

Gespräche sind geplant. Mal sehen, wie viel die Gemeinde dort zugesagt bekommen. Laut Jörg Warncke bezahlen die Kommunen jetzt schon einen Teil des derzeitigen Ausbaus aus eigener Tasche.

Von Tore Harmening