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Aus dem Landkreis Landkreis: Defizite in der Familienpolitik
Celler Land Aus dem Landkreis Landkreis: Defizite in der Familienpolitik
17:29 07.08.2018
Von Gunther Meinrenken
Landkreis Celle

Um die Familienfreundlichkeit im Landkreis Celle ist es schlecht bestellt. Zu diesem Ergebnis kommt die Prognos AG. Sie hat im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die 402 Landkreise und kreisfreien Städte unter die Lupe genommen. Ergebnis: Im bundesweiten Vergleich belegt der Landkreis Celle eine Position im Mittelfeld beziehungsweise im unteren Drittel.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wohnsituation und Wohnumfeld, Bildung sowie Angebote und Organisation der regionalen Familienpolitik lauteten die vier Felder, die die Prognos AG untersucht hat. Der Landkreis Celle schnitt dabei sehr unterschiedlich ab. Mit einer Ausbauquote von 14,7 Prozent beim Betreuungsangebot für unter Dreijährige landete er bundesweit auf Platz 49. Eine Ganztagsbetreuungsquote von 13,7 Prozent in Kindergärten bedeuteten hingegen nur Rang 312.

Positiv fallen auch die Erschwinglichkeit von Wohneigentum oder die Freifläche je Einwohner ins Gewicht (jeweils Platz 58). Bei der Kinderarztdichte liegt Celle aber nur auf Platz 292. Im Bildungsbereich besteht ebenfalls Nachholbedarf. Negativ sieht es bei der Relation Schüler-Lehrer aus (Platz 279). Geradezu alarmierend ist die Anzahl der erteilten Unterrichtsstunden (Platz 371).

Im unteren Drittel rangiert der Landkreis ebenfalls beim Punkt Angebote und Organisation der regionalen Familienpolitik (Rang 324). Hier hatte die Prognos AG die Landräte zu bestimmten Themenfeldern wie einem familienpolitischen Leitbild (Fehlanzeige beim Kreis) oder der Existenz eines Familienbüros befragt (gibt es).

Insgesamt betrachtet ordnet Prognos den Landkreis Celle den „unprofilierten Regionen“ zu. Und das bedeutet: „Unprofilierten Regionen fehlen überzeugende Argumente, um mobile Familien für einen Verbleib oder einen Zuzug zu bewegen. Unternehmen diese Kreise und kreisfreien Städte nichts zur Erhöhung ihrer Attraktivität für Familien, laufen sie Gefahr, ihre noch vorhandenen wirtschaftlichen Potenziale einzubüßen.“

Landrat Klaus Wiswe (CDU) will die Studie noch im Detail analysieren. In einer ersten Stellungnahme meinte er: „Unser Anspruch, ein in jeder Hinsicht attraktiver Landkreis zu sein, ist Grundlage unserer Arbeit. Deshalb arbeiten wir ständig daran, die Rahmenbedingungen zu verbessern und gleichzeitig auf die nötige Unterstützung und Infrastruktur für die Wirtschaft zu gewährleisten.“

Viele auch wichtige Themenfelder seien in der Studie nicht berücksichtigt worden. So weist Wiswe darauf hin, dass die Gemeinden gerade in 2012 die Plätze in der Kinderbetreuung erheblich ausgeweitet haben. Dieses Jahr sei von Prognos aber nicht erfasst worden. „Das mindert den Wert der Studie nach meiner Erkenntnis, gleichwohl nehmen wir diese Studie natürlich ernst“, so Wiswe, der darauf verwies, dass der Familienatlas auch an verschiedenen Stellen zeige, dass sich der Landkreis nicht verstecken müsse.