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Aus dem Landkreis Landrats-Kandidat Albrecht Hoppenstedt: „Jeden Tag ein gutes Werk für die Region“
Celler Land Aus dem Landkreis Landrats-Kandidat Albrecht Hoppenstedt: „Jeden Tag ein gutes Werk für die Region“
01:48 07.08.2018
Interview mit Albrecht Hoppenstedt Quelle: Alex Sorokin
Landkreis Celle

Herr Hoppenstedt, wie wird die Landratswahl am 25. Mai ausgehen? Oder wird eine Stichwahl notwendig sein?

Man muss mit allem rechnen. Die Bürger haben Erfahrungen mit mir gemacht, sie vertrauen mir. Bei der Kreistagswahl habe ich das viertbeste Ergebnis erzielt. Irritiert hat mich, dass die SPD keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hat. Gerald Sommer als gemeinsamen Kandidaten von SPD und Grünen finde ich interessant. Ich gehe von einer Stichwahl aus.

Eigentlich sollte Ulrich Kaiser für die WG antreten. Als der krankheitsbedingt ausfiel, sprangen Sie ein. Sind Sie ein Kandidat zweiter Wahl?

Kandidat zweiter Wahl, nein, das lasse ich nicht stehen. Ich gehe auf die Bevölkerung zu, ich bin wahlkampferfahren. Wir müssen mit den Bürgern über unsere Zukunft diskutieren, das verlangt die Demokratie. Man muss aber Realist sein: Die Bevölkerung ist durch Politikverdrossenheit verschlossen. Aber die Wählergemeinschaften sind vor Ort gut vernetzt. Nach Ostern werden wir unseren Wahlkampf starten mit Plakaten und Flyern und über das Internet. Es geht immerhin darum, den Chef der Kreisverwaltung zu wählen. Die WG Landkreis stellt einen eigenen Kandidaten auf, weil wir mit der Arbeit von Landrat Klaus Wiswe nicht zufrieden sind.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte der künftigen Arbeit?

Schwerpunkt muss die Gesamtsituation des Landkreises Celle sein. Wir sind heute mit über 160 Millionen Euro verschuldet. Seit Wiswe 1999 zum ersten Mal gewählt wurde, haben wir monatlich circa eine Million Euro neue Schulden gemacht. Das muss Landrat Wiswe persönlich verantworten. Ich sehe das sehr kritisch. Im Ranking der 46 niedersächsischen Landkreise ist der Kreis Celle heute auf Platz 41. Das sind Alarmzeichen, die ein „Weiter so“ nicht rechtfertigen. Es ist nicht so harmonisch, wie uns Herr Wiswe glauben machen will.

Politik im Kreistag wird von Mehrheiten gemacht, nicht vom Landrat. Und in der Zählgemeinschaft mit der CDU trägt die WG diese Mehrheit mit. Was läuft da falsch?

Ich bin unglücklich, dass die Kreisverwaltung mit vorhandenen Möglichkeiten nicht besser umgeht. Wir als WG sind erschrocken darüber, dass es keine Ansätze gibt. Und dass die Anträge der WG nicht ernst genommen werden, sie verschwinden in der Schublade. Landrat Wiswe ist beim Neujahrsempfang nicht ansatzweise auf die aktuellen Probleme eingegangen. Es gibt keinen Plan B für die Celler Ostumgehung. Wir wissen seit zwei Jahren, dass die Briten abziehen, aber wir agieren vollkommen hilflos. Das Konrek-Gutachten zur Nachnutzung der Kasernen Bergen-Hohne ist nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde. Dort sind bis zu 3000 Soldaten stationiert, die deutsche Kommandantur beansprucht nur einen Bruchteil der Anlagen. Dem Gutachter war gar nicht bewusst, dass die Unterkünfte für zig Millionen saniert wurden. Und die Aussage des Landkreises, dass man mit den Briten und dem Bund nicht reden kann, halte ich für falsch. Ich habe beste Erfahrungen gemacht.

Welche Idee hätten Sie denn für die Kasernenanlage Bergen-Hohne?

Man kann die Kaserne für die Ausbildung der europäischen Jugend sofort nutzen. Jugendliche aus Europa können hier die deutsche Sprache lernen und eine Ausbildung machen, die Strukturen dafür sind vorhanden. Stattdessen stellt man sich hinter dieses zweifelhafte Konrek-Gutachten, ohne es zu hinterfragen. Auch in diesem Zusammenhang gilt: Wiswe muss endlich mal Verantwortung übernehmen.

Wo würden Sie als künftiger Verwaltungschef Pflöcke einschlagen?

Zuerst bei der Verschuldung, denn wir leben weit über unsere Verhältnisse. Und wir müssen vorhandene Ressourcen nutzbar machen. Etwa durch eine Nachnutzung vorhandener Kasernen. Warum wird nicht mit VW gesprochen, ob die an der Hohen Wende in Celle nicht ein Dienstleistungszentrum ansiedeln wollen. Wegen möglicher Emissionen sollte ein entsprechender Antrag einfach abgebügelt werden. Die Verwaltungen von Stadt und Landkreis müssen mit denen reden. Oder müssen mal die Botschafter von China, Indien oder Brasilien ansprechen, denn die Schwellenmächte sind hoch motiviert, auf den europäischen Markt zu kommen. Und was das Gewerbegebiet Wietzenbruch angeht, das kaum nachgefragt ist: Man sollte über eine Verbindung von Hambühren zur B3 nach Großmoor nachdenken. Man muss es nur mal diskutieren.

Das sind jetzt aber Themen, die mehr die Stadt Celle betreffen. Wie verträgt sich das mit der aktuellen Diskussion über die Kreisumlage?

Wir haben uns mehrheitlich verständigt, die Kreisumlage konstant zu halten. Ich sehe die Stadt und den Landkreis Celle als eine Einheit. Die Stadt ist in einer ernsten Lage, die Strukturen brechen weg. Und deshalb müssen wir uns in Richtung starke Regionen wie Hannover oder Braunschweig-Wolfsburg orientieren. Im Gespräch mit der Stadt müssen die Aufgaben im Vordergrund sehen, nicht die Eitelkeiten. Wir müssen die Zeit nutzen und jeden Tag ein gutes Werk tun für die Region.

Was können wir von Ihnen in Sachen Schulen erwarten?

Die Schulreform trägt die Handschrift der CDU und der WG. Der Gutachter hat gute Arbeit geleistet, wir haben mit der CDU vereinbart, dass es eine Gesamtschule gibt. Jetzt brauchen die Schulen Ruhe, in einigen Jahren müssen wir dann evaluieren. Wir müssen uns aber schon heute mit der Zukunft leerstehender Schulgebäude befassen.

Von Joachim Gries