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Aus dem Landkreis Landrats-Kandidat Gerald Sommer: Setze auf mehr als 50 Prozent
Celler Land Aus dem Landkreis Landrats-Kandidat Gerald Sommer: Setze auf mehr als 50 Prozent
03:19 07.08.2018
Gerald Sommer (53, Grüne) wird am - 25. Mai als Kandidat von Grünen und SPD zur Landratswahl antreten. Der Berufsschullehrer ist verheiratet und - hat zwei erwachsene Kinder. Er ist schon lange in der Kommunalpolitik tätig und hat sich als engagierter Redner einen Namen gemacht.  Quelle: Alex Sorokin
Landkreis Celle

Ein grün-roter Kandidat ist in Niedersachsen schon die Ausnahme. Das hat sich in den Gesprächen mit der SPD so entwickelt. Ich denke, ich habe dort von allen Kandidaten den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen und merke, dass der Rückhalt jetzt dort wächst.

Sie treten gegen den Amtsinhaber Klaus Wiswe an. Wie schätzen Sie selber Ihre Chancen ein?

Ich bin nicht der Favorit, aber ich setze schon darauf, mehr als 50 Prozent zu bekommen.

Wie werden Sie Ihren Wahlkampf führen?

Ich möchte neue Impulse geben. Das bedeutet, kreative Menschen in den Landkreis holen und nicht nur auf alte Wirtschaftszweige bauen. Ich möchte mit den Bürgern ins Gespräch kommen und keine Politik aus dem Elfenbeinturm heraus betreiben. So wird auch der Wahlkampf angelegt sein.

Wann beginnt die heiße Phase für Sie?

Ich habe diese Woche schon sieben Termine. Die heiße Phase hat längst begonnen und wird sich bis zum 25. Mai hinziehen.

Sie haben den Wahlkampf ja inzwischen auch auf politischer Ebene eröffnet und Herrn Wiswe vorgeworfen, er würde den Riss zwischen Stadt und Landkreis vergrößern. Wie meinen Sie das?

Ich meine damit, dass Stadt und Kreis aufeinander zugehen müssen. Ich würde dafür sorgen, dass das Verhältnis zwischen Kreis und Stadt wieder entwickelt und befriedet wird.

Sehen Sie die Hauptschuld für die Streitigkeiten bei der Stadt oder beim Kreis?

Als Pädagoge würde ich sagen, die Probleme liegen auf beiden Seiten. Deshalb muss man wieder in den Dialog miteinander eintreten.

Ein Grund für den jetzigen Streit war die Kreisumlage, die regelt, wie viel Kommunen an den Kreis zahlen müssen. Der Oberbürgermeister erhebt die Forderung, dass die Stadt wegen ihrer besonderen Bedeutung nur noch 50 Prozent des regulären Satzes zahlt. Ist das gerechtfertigt?

Eine Senkung der Kreisumlage für alle Gemeinde um vier bis fünf Prozent wäre gerecht gewesen und die hätten wir auch mitgetragen. Inwieweit es eine Lex Celle braucht, müsste geprüft werden. Sicher hält die Stadt auch für die Kommunen im Umland eine gewisse Infrastruktur wie die Bäder vor. Dass das aber eine Senkung der Kreisumlage um 50 Prozent rechtfertigt, glaube ich eher nicht.

Sie wollen den Landkreis Celle sozialer und nachhaltiger machen. Was genau meinen Sie damit?

Wir brauchen zum Beispiel neue Netze der Mobilität im Landkreis Celle. Das ist eine extreme Baustelle und dafür muss es andere Konzepte geben. Das bedeutet eine stärkere Vernetzung von Fuß- und Radwegen, ÖPNV, also Bussen und Bahnen und auch unserer Bürgerbusse, die aber keinen bestimmenden Anteil haben dürfen, weil es ein Angebot auf ehrenamtlicher Basis ist. Dazu müssen weitere Angebote im Car-Sharing und auch eine Mitfahrzentrale geschaffen werden. Das alles muss angefasst werden im Rahmen der Neuausschreibung des ÖPNV 2015.

Würden Sie es begrüßen, wenn die CeBus auch nach 2015 noch der Busanbieter im Landkreis Celle wäre?

Ich glaube, man muss genau hinschauen, wie weit die CeBus die ihr dann gestellten Aufgaben auch erfüllen kann.

Die SPD geht in die Richtung, dass sich Celle beim ÖPNV stärker mit Hannover vernetzt. Auch ein Modell für Sie?

Für uns ist auf jeden Fall eine Vernetzung in die Nachbarlandkreise und besonders die Region Hannover wichtig. Das gilt aber natürlich auch für den Landkreis Gifhorn und den Heidekreis. Hier wird das Thema Schienenverkehr auch eine Rolle spielen.

Derzeit gibt es die Diskussion über Güter- und Personenverkehr auf der Schiene. Wie ist ihre Meinung zu den Güterverkehrstrassen?

Die Alternativen sollten geprüft werden und wichtig ist vor allem, dass die Bürger und die politischen Gremien frühzeitig in diesen Prozess mit eingebunden werden. Es wird ohnehin die Herausforderung der Zukunft sein, mit dem Bürger auf Augenhöhe Großprojekte umzusetzen, um so Akzeptanz zu erreichen, und nicht zu versuchen, etwas unter dem Deckel zu halten. Bei so einem Prozess ist aber auch klar, dass das Leben kein Wunschkonzert ist.

Bergen braucht dringend eine bessere Anbindung. Können Sie sich vorstellen, die Frage von Güter- und Personenverkehr zu verknüpfen?

Ich kann mir sehr gut vorstellen, Bergen wieder an den Schienenverkehr anzubinden. Ob das im Zusammenhang mit Güterverkehr umzusetzen ist, müssen die detaillierten Planungen zeigen.

Der Landkreis Celle soll nach Ihrer Vorstellung auch sozialer werden. Was verstehen Sie darunter?

Sozialer heißt für mich, dass es uns nicht wie bei den Leistungen für Asylbewerber noch einmal passiert, dass wir der vorletzte Landkreis sind, der die Menschen mit Geldleistungen versorgt. Unser Landkreis darf keine Stigmatisierung vornehmen. Das würde sich unter mir ändern. Das gilt auch für Flüchtlinge.

Gibt es weitere Punkte, die ihnen unter dem Gesichtspunkt „Sozialer Landkreis Celle“ wichtig sind?

Wir wollen auf jeden Fall das Kreisaltenpflegeheim erhalten. Außerdem wollen wir die Schulsozialarbeiter im jetzigen Umfang aufrecht erhalten. Inwieweit das finanzierbar ist, muss geprüft werden. Wir haben aber gesehen, dass selbst Schulleiter aus anderen Parteien sich einen Erhalt dieser Stellen gewünscht haben. Wir wollen außerdem die Jugendhilfe stärker präventiv aufstellen.

Stichwort Bildung: Die erste IGS ist in Gründung. Glauben Sie, der Landkreis braucht eine zweite?

Zunächst einmal brauchen wir Ganztagsschulen. Dann müssen wir uns alle für eine starke IGS in Celle mit gymnasialer Oberstufe einsetzen, die derzeit nur bis Klasse 10 genehmigt ist. Sollte der Elternwille zeigen, dass wir mehr IGSen brauchen, kämen als nächste Standorte Winsen oder Wathlingen in Betracht. Ich gehe davon aus, dass die IGS nachgefragt wird.

Der Schulgutachter hat gesagt, dass mehr als eine IGS der Tod der Oberschulen sein würde und damit eine neue Reform angestoßen werden müsste. Ist das sinnvoll?

Ich denke, dass der Eltern- und Schülerwille entscheidend sein muss. Da haben gerade wir Grünen aus Hamburg gelernt, dass man nicht par ordre de mufti solche Reformen durchsetzt. Derzeit ist es aber so, dass viele Celler Schüler zur KGS nach Schwarmstedt fahren. Das muss ja auch nicht sein.

Kommen wir auf das Thema Landwirtschaft und Wirtschaft. Wir haben 60 Biogasanlagen, einige Mastställe und den Schlachthof. Würden sie als Landrat versuchen, den Betreibern Steine in den Weg zu legen?

Bäuerliche Landwirtschaft und Umweltschutz müssen in Einklang gebracht werden. Ich stelle mir dazu vor, dass Bauern faire Preise für ihre Produkte erhalten. Dadurch würde es auch eine Stärkung des ländlichen Raumes geben. Die Frage des Schlachthofes stellt sich nicht mehr, denn er ist gebaut und abreißen werde ich ihn nicht. Bei den Mastställen setze ich auf Überzeugungsarbeit. Ich glaube nicht, dass es für Landwirte sinnvoll ist, sich an einen Anbieter zu binden und damit in Abhängigkeit zu geraten.

Abschließend die Frage nach ihrer Erfahrung. Der Landkreis hat mehr als 500 Beschäftigte. Glauben Sie, eine so große Verwaltung führen zu können?

Ich traue mir das zu, weil ich denke, dass unsere Landkreisverwaltung hervorragend aufgestellt ist, auch wenn ich mir in den Prozessen teilweise mehr Transparenz wünsche. Ich denke, ich werde gut mit den Dezernenten und auch allen anderen Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis Celle zusammenarbeiten.

Von Tore Harmening