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Aus dem Landkreis Lehrer-Roulette im Kreis Celle
Celler Land Aus dem Landkreis Lehrer-Roulette im Kreis Celle
19:05 22.06.2017
Von Simon Ziegler
Quelle: dpa
Celle-Landkreis

Wathlingens Bürgermeister Torsten Harms hatte am Montag im Gemeinderat berichtet, dass die Unterrichtsversorgung an der Oberschule in Wathlingen nur noch bei 83 Prozent liege. Wenn jetzt zwei Lehrer an eine andere Schule gehen, sieht es noch düsterer aus.

Sollte es Einschränkungen im Ganztagsbereich geben, ist auch der 4G-Park betroffen. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung eine Resolution verabschiedet, die sich an die politisch Verantwortlichen in Niedersachsen richtet. „Der Rat der Gemeinde Wathlingen fordert den Erhalt des Ganztagsunterrichts an der Oberschule Wathlingen mit Mittagsverpflegung im 4G-Park. Die Landesschulbehörde wird aufgefordert, dafür ausreichend Lehrerstunden zur Verfügung zu stellen“, heißt es in dem kurzen Text. Und weiter: „Eine weitere Abordnung von Lehrern der Oberschule an Grundschulen ist nicht akzeptabel.“

Der Plan des Niedersächsischen Kultusministeriums sieht ein Personalkarussell vor, das alle Schulen einschließt. Die Gymnasien geben Lehrer an die Oberschulen ab, diese wiederum an die Grundschulen, um dort die Löcher zu stopfen. Hintergrund: Gymnasiallehrer können wegen ihrer Ausbildung nicht an Grundschulen unterrichten, Oberschullehrer schon.

„Es geht bei uns an die Substanz. Ich muss vermutlich an den Ganztag ran“, sagt Andreas Gantz, Leiter der Wathlinger Oberschule. Zwei junge Kolleginnen seien an die Grundschule Blumlage nach Celle abgeordnet worden. Er hat Zweifel, dass er als Ausgleich überhaupt Lehrer von den Gymnasien bekommt. „Ich muss gute Leute abgeben und bekomme vielleicht Leute, die gar nicht herwollen“, umreißt er das Problem. Weil durch Inklusion und Flüchtlinge schon viele Ressourcen gebunden sind, sieht er nur ein Feld, auf dem er das Angebot einstampfen kann: den Ganztag. Was das in der Praxis heißt, ist noch unklar. Möglich ist, dass von den zwei Pflichttagen einer gestrichen wird.

Sein Kollege Paul-Michael Zeblewski, Chef der Oberschule in Eicklingen, wird wohl ähnliche Konsequenzen ziehen und das verpflichtende Ganztagsangebot einschränken. Von seinem Haus werden 1,5 Stellen an die Grundschulen abgeordnet. Zum Ausgleich wurde ihm ein Gymnasiallehrer mit den Fächern Latein und katholische Religion angeboten. „Den kann ich natürlich nicht brauchen“, sagt Zeblewski – beide Fächer werden an seinem Haus nicht unterrichtet. Er entwickelt jetzt einen Plan für das neue Schuljahr mit einem eingeschränkten Ganztagsangebot, sagt er. Bekommt er doch Lehrer von den Gymnasien, will er wieder neu planen.

Dass die Oberschulen Lehrer abtreten müssen, fällt in eine Zeit, in der es ohnehin immer schwieriger wird, freie Stellen zu besetzen. Während es genügend Gymnasiallehrer gibt, werden zu wenige Lehrer für Haupt- und Realschulen ausgebildet. Und die wenigen Bewerber zieht es nicht aufs Celler Land. Sie wollen in die Großstädte. Problematisch für die Oberschulen ist auch die Konkurrenz zur Gesamtschule in Celle. Sinkt die Unterrichtsversorgung weiter, wird im Vergleich die Gesamtschule immer attraktiver.