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Aus dem Landkreis Rechtsstreit nach tödlichem Unfall
Celler Land Aus dem Landkreis Rechtsstreit nach tödlichem Unfall
01:49 09.08.2018
Von Simon Ziegler
Tˆdlicher Unfall: Verhandlung in Celle Quelle: Peter M¸ller
Landkreis Celle

Es war wenige Tage vor Heiligabend: Am 17. Dezember 2007 wollten Peter Waibel und seine Frau Iris Wegener zu einer Veranstaltung in der Orangerie in den Herrenhäuser Gärten in Hannover. An einer Fußgängerampel überquerten sie die Herrenhäuser Straße. Wegener fiel an der Ampel ein Auto ohne Licht auf. Sie ging zu dem Wagen, um den Fahrer darauf aufmerksam zu machen. Währenddessen wartete ihr Mann ein paar Schritte weiter. Er war schon auf den Gleisen. Waibel hörte nicht, dass eine Bahn der Üstra kam. Der 42-Jährige wurde von dem Wagen der Hannoverschen Verkehrsbetriebe erfasst und mitgeschleift. Wenig später starb er im Nordstadtkrankenhaus.

Vier Jahre danach ist der Fall juristisch noch immer nicht abgeschlossen. "Ich hoffe auf Gerechtigkeit", sagt die Witwe. Ein Strafverfahren gegen den Fahrer wurde schon vor Jahren eingestellt. Für Empörung sorgte die Üstra 2008, als sie Schadensersatz von Wegener forderte. Durch den Unfall seien nämlich Schäden am Wagen entstanden, außerdem habe man Ersatzbusse einsetzen müssen, so die Verkehrsbetriebe, die 3500 Euro forderten.

Wegener, die seit 2009 als Ingenieurin im Bauamt des Landkreises Celle arbeitet, versucht noch immer in einem Zivilverfahren, Unterhalt für sich und ihre 12-jährige Tochter durchzusetzen. Das Landgericht Hannover verkündete aber vor wenigen Tagen in erster Instanz, dass den Fahrer keine Schuld treffe. Das hätten Gutachten von Sachverständigen ergeben. "Er ist nicht zu schnell gefahren und konnte den Verunfallten nicht rechtzeitig erkennen", sagte Gerichtssprecher Patrick Gerberding. Das Gericht stellte auch keine Mithaftung der Üstra fest.

Das akzeptieren Wegener und ihr Anwalt Reinhold Schneegans nicht. Sobald das Urteil aus Hannover schriftlich vorliegt, will Schneegans Berufung einlegen und vor das Oberlandesgericht in Celle gehen. Das OLG entscheidet, ob erneut verhandelt wird.

Dass Peter Waibel eine Mitschuld traf, bestreiten die Kläger nicht. Denn er war auf den Gleisen und trug dunkle Kleidung. Juristisch geht es um die Frage, ob der Fahrer an einer schwer einsehbaren Stelle zu schnell fuhr. Fest steht, dass der Bremsweg des Fahrzeugs 47 Meter lang war, der Fahrer aber nur 25 Meter überblicken konnte. "Es gibt die goldene Regel des Fahrens auf Sicht. Sie besagt, man muss bremsen können, wenn man ein Hindernis sieht", sagt Schneegans. Der Wagen sei damals etwa 47 oder 48 Stundenkilometer schnell gewesen. "Bei Tempo 35 hätte der Unfall vermieden werden können", so der Anwalt.

Die Witwe wirft dem Unternehmen vor, es würde Unfälle bagatellisieren. Zudem habe die Üstra keine Lehren aus dem Unglück vom 17. Dezember 2007 gezogen. "Das bringt mich auf die Palme. Die dürfen immer noch genauso schnell fahren wie vorher." Immerhin weise jetzt ein Schild die Fahrer an, an der Stelle mit Klingeln auf die Bahn aufmerksam zu machen.

Firmensprecher Udo Iwannek sagte gestern, die Üstra gehe davon aus, dass auch das OLG in Celle zu keinem anderen Ergebnis komme als das Landgericht Hannover. "Dieser Unfall hat uns auch bei der Üstra schwer erschüttert", sagte Iwannek.