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Aus dem Landkreis "Schon morgen könnte Schluss sein"
Celler Land Aus dem Landkreis "Schon morgen könnte Schluss sein"
17:38 11.06.2012
Schlecker Lachendorf, Eschede und Klein Hehlen Quelle: Peter M¸ller
Landkreis Celle

Zeit der Schnäppchenjäger: Kunden stürzen sich auf die letzten Produkte in den Regalen. Schlangen vor den Kassen. Es gibt 30 bis 50 Prozent Rabatt auf alles. Die Verkäuferinnen sind angespannt, sie müssen bis zu 80 Prozent mehr Kunden betreuen als sonst. In diesen Tagen werden die letzten Schlecker-Filialen abgewickelt. Im Kreis Celle haben nur noch Märkte in Lachendorf, Eschede, Nienhagen und Klein Hehlen geöffnet. Alle anderen, darunter auch die XL-Märkte in Wietze und Winsen, wurden schon während der vergangenen Schließungsrunden geschlossen.

„Offiziell sollen die Filialen bis zum 29. Juni geschlossen werden. Wenn der Abverkauf schneller geht, dann könnte hier aber auch schon morgen Schluss sein“, sagt Brigitte Schülke. Sie ist 56 Jahre alt, arbeitet in Klein Hehlen und ist Betriebsratsmitglied. Eine Kündigung habe sie noch nicht erhalten, ihre berufliche Zukunft sei ebenfalls ein großes Fragezeichen, sagt sie. „Wir vermuten, dass bis zum 30. Juni die letzten Kündigungen verschickt werden“, so Schülke. In den vergangenen Tagen wurde sie sogar schon von Kunden als Schmarotzerin beschimpft, da sie noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden hat.

Elvira Schütz ist 40 Jahre alt. Sie arbeitet in der Filiale in Eschede und war 15 Jahre bei Schlecker tätig. Auch ihr wurde noch nicht gekündigt. Sie versucht zu verdrängen, was ihr wohl bevorstehen wird. „Ich habe schon Bewerbungen geschrieben, aber leider nur Absagen erhalten. Verkäuferin ist mein Traumberuf. Ich kann mir nicht vorstellen, in einem sozialen Beruf tätig zu sein, wie Frau von der Leyen es vorschlägt“, sagt sie in Richtung der Arbeitsministerin in Berlin. Dennoch: Die Hoffnung auf Arbeit stirbt zuletzt.

Eine ehemalige Kollegin, die namentlich nicht genannt werden will, hat den Absprung geschafft. Sie arbeitet jetzt in einem Sportgeschäft in der Nähe. „Ich wurde von der ersten Kündigungswelle im März erfasst. Es war ein Schock für mich. Ich habe den Vorschlag von Frau von der Leyen befolgt und ein Praktikum in einem Altersheim gemacht. Leider haben mich die Schicksale am Arbeitsplatz bis ins Privatleben verfolgt. 20 Jahre habe ich als Verkäuferin gearbeitet. Nicht jeder ist für einen sozialen Beruf geschaffen“, sagt sie.

Maria Stecker war Kundin bei Schlecker in Eschede, schon bevor die Rabattschilder aufgebaut wurden. „Es ist ein großer Verlust für mich, dass Schlecker bald nicht mehr existiert“, sagt sie traurig. Da ist sie nicht die Einzige. Für viele Mitarbeiterinnen war es das zweite Zuhause.

Beim Betriebsratsbezirk Celle ist man skeptisch, was die Chancen der „Schlecker-Frauen“ auf neue Jobs angeht. „Das Vermitteln wird eher schwierig. Von den Kolleginnen will keine in die Altenpflege. Es wird für viele schwierig, einen adäquaten Job zu finden“, sagt Betriebsrätin Olivia Illgen.

Von Friederike Plesse