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Aus dem Landkreis Sehnsucht nach dem Neuanfang
Celler Land Aus dem Landkreis Sehnsucht nach dem Neuanfang
17:06 02.11.2018
Von Simon Ziegler
Quelle: Rolf Vennenbernd
Celle

Der Dreikampf um die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Chefin sorgt bei den Celler Christdemokraten für Aufbruchstimmung. Vor allem die angekündigte Kandidatur des früheren Fraktionschefs Friedrich Merz elektrisiert die Basis. So sagt der Wathlinger Bürgermeister Torsten Harms, dass „es gut wäre, wenn Merz Vorsitzender werden würde“, um einen Neuanfang zu erreichen. „Er gehört nicht zur Regierungsmannschaft, hat etwas Abstand von der Politik gehabt und kann daher neue Impulse geben, die dringend erforderlich sind. In Zukunft muss Politik erklärt werden, damit sich die Menschen gut aufgehoben fühlen. Ich kann mir vorstellen, dass das mit Merz gelingt.“

Auch andere Christdemokraten verbinden mit seinem Namen die Hoffnung auf bessere Zeiten. „Ich spreche mich für Merz als CDU-Parteivorsitzenden aus. Er kennt den Berliner Betrieb sehr gut und hat aufgrund seines beruflichen Intermezzos genügend Distanz zur Großen Koalition, um den parteipolitischen Neuanfang zu erreichen“, sagt der Celler Student Christian Ceyp.

Benjamin Pawlak, CDU-Ratsherr in Wietze, macht sich hingegen für Annegret Kramp-Karrenbauer stark. „Sie agiert nicht populistisch und recht sachlich“, meint Pawlak. Jens Spahn habe als Gesundheitsminister nicht immer die beste Figur gemacht. „Nicht ausschließen will ich, dass ein Externer frischen Wind reinbringt“, sagt Pawlak über Friedrich Merz. Randnotiz: Als der 2002 den CDU-Fraktionsvorsitz abgab, war der Wietzer noch gar kein CDU-Mitglied.

Auch die Winserin Wiltrud Schumann tendiert zu AKK, wie Kramp-Karrenbauer oft genannt wird – auch wenn viele in der Partei bezweifeln, dass ausgerechnet die Merkel-Vertraute Kramp-Karrenbauer für einen politischen Neuanfang stehen kann. „Ich glaube, dass Friedrich Merz es nicht schaffen würde, die unterschiedlichen Strömungen der Partei zu integrieren.“ Er sei ein Vertreter des Wirtschaftsflügels der CDU. Auch der zweite Konservative der drei Kandidaten hat nicht Schumanns Vertrauen. Spahn kritisiere und nörgele, er sei keine Person mit integrativer Kraft. Kramp-Karrenbauer dagegen „verfügt über ein hohes Maß an Führungskraft und Integrationsfähigkeit. Mit ihrer politischen Analyse entwickelt sie Lösungsmöglichkeiten, ohne den Andersdenkenden zu verletzen“, lobt Schumann. Sie glaubt, dass Merkel bis zum Ende der Legislatur Kanzlerin bleibt: „Nach dem Parteitag in Hamburg wird sie gestärkt ihr Amt führen.“

Für Jürgen Heinrich Mohwinkel aus Adelheidsdorf ist Spahn mit seinen 38 Jahren noch zu unerfahren. Er würde AKK oder Merz wählen, sagt Mohwinkel. Ob ein Tandem Merz-Merkel funktionieren würde, "kann ich mir aber nicht so richtig vorstellen. Es sind andererseits erwachsene Menschen, die müssten sich zusammenraufen können". Der Schritt von Merkel, den Parteivorsitz abzugeben, sei richtig gewesen. "Da musste was kommen", so Mohwinkel.

Nicht für jeden Christdemokraten ist unterdessen die Frage, wer die Partei führt, von existenzieller Bedeutung. „Mir ist das fast egal“, sagt Markus Santelmann, CDU-Mitglied aus Nordburg in der Samtgemeinde Flotwedel. Er habe auch keinen Favoriten für die Merkel-Nachfolge. Er engagiere sich auf der kommunalen Ebene, Bundes- und Kommunalpolitik müsse man klar trennen, sagt Santelmann. Die Kritik an der Kanzlerin hält er in der Schärfe für nicht richtig. „Merkel hat drei Runden wunderbar regiert. Jetzt soll alles falsch sein?“

Wie einschneidend der Führungswechsel an der Spitze für die Partei ist, machen wenige Zahlen klar. Seit 1973 gab es lediglich drei CDU-Parteivorsitzende: Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble und Angela Merkel. Die SPD hatte allein seit 1990 ein Dutzend Vorsitzende, die kommissarischen Chefs nicht mitgerechnet.

Wer künftig die CDU anführt, wird auf dem Hamburger Parteitag Anfang Dezember entschieden. Aus Celle werden dort Silke Kollster, Jörg Nigge, Jörn Schepelmann und Henning Otte als Delegierte vertreten sein.