Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Aus dem Landkreis Tiefdruck-Rinne beendet Steppenklima
Celler Land Aus dem Landkreis Tiefdruck-Rinne beendet Steppenklima
17:54 09.08.2018
Landkreis Celle

Bis zum Wochenende kommt der Sommer nur widerwillig auf die Beine. Die Temperaturen ziehen zwar vorübergehend in Richtung 25 Grad an, doch die Wolken können zwischen sonnigen Abschnitten immer noch nicht ganz dichthalten. Das wird sich voraussichtlich ab Montag ändern, wenn sich ein Fühler des Azorenhochs zögernd nach Mitteleuropa ausweitet. Ab Dienstag könnte bei Temperaturen über 25 Grad dann wieder verstärkt der Besuch von Freibädern, Eisdielen und Biergärten eingeplant werden. Ob sich das brüchige Sommerwetter über die Wochenmitte hinaus stabilisieren kann, ist angesichts der in Umstellung begriffenen labilen Großwetterlage, ungewiss. Langfristig, also über die Monatsmitte hinaus, stehen die Signale eher auf eine Rückkehr des Hochsommers, als auf einen neuerlichen Rückfall in kühle und feuchte Zeiten.

Der Juli 2010 war in vieler Hinsicht ein extremer Monat. Durch seine sengende Hitze, die gleißende Sonne und die schon seit Mitte Juni ausbleibenden Regenfälle, breiteten sich im nordöstlichen Niedersachsen geradezu steppenartige Bedingungen aus und damit auch eine erhebliche Waldbrandgefahr. Drei Hitzewellen hatten wir zu meistern. Einmalig in ihrer Intensität und Dauer war die vom 9. bis 12. Juli, bei der nicht nur in der Südheide gleich reihenweise die Dekaden- und Monatsrekorde fielen. An drei dieser vier Tage (Ausnahme 11. Juli) überstieg das Quecksilber in Celle die 35-Grad-Marke. Am Sonnabend, 10. Juli, wurde mit 37,3 Grad in Wietzenbruch sogar ein neuer Monatsrekord aufgestellt und damit die Bestmarke von 20. Juli 2006 (36,3 Grad) überboten. Alle Tage dieser mächtigen Hitzewelle waren zudem Tropentage (24-Stundenmittel mindestens 25 Grad). Dieses ohnehin schon hohe Limit wurde in Celle am 10. Juli mit sagenhaften 29,9 Grad, einem der höchsten Werte von ganz Deutschland, noch massiv überboten. Bis zum 21. Juli lagen sowohl Sonne als auch Wärme auf Rekordkurs.

Doch dann stellte sich die Wetterlage um: Statt der über uns hinweg nach Osten wandernden Hochdruckzellen, öffnete sich im letzten Monatsdrittel zwischen dem Azorenhoch und der russischen Hitzemauer über Mitteleuropa nun eine Tiefdruckrinne, in die atlantische Tiefausläufer mit Schauern, Gewittern und frischer Meeresluft immer wieder hineinstießen. So kam der Hauptferienmonat auf der Zielgraden doch noch ins Straucheln. Trotzdem war er nach 2006 und 1994 zwischen Aller und Elbe der drittwärmste aller Zeiten und einer der sonnigsten der Nachkriegszeit.

Die im letzten Monatsdrittel auflebende Niederschlagsneigung kam vor allem dem südlichen und westlichen Niedersachsen zu Gute. Teils sintflutartige Gewittergüsse verirrten sich aber auch noch in die Südheide, so dass hier die wochenlange Trockenheit zumindest lokal gelindert werden konnte. Einen Volltreffer landeten am 26. Juli die Stadt Celle und Fassberg mit 47,2 beziehungsweise 20,2 Liter pro Quadratmeter. Die größte Trockenheit hatten die Kreise Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Lüneburg zu verkraften, wo im ganzen Monat nur 10 bis 16 Liter Regen pro Quadratmeter zusammenkamen.

Von Reinhard Zakrzewski