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Aus dem Landkreis Wathlinger Delegation auf grünem Kaliberg
Celler Land Aus dem Landkreis Wathlinger Delegation auf grünem Kaliberg
16:30 29.07.2014
Von Simon Ziegler
Wathlinger Delegation schaut sich begrünten Kaliberg in Sehnde an. Quelle: Simon Ziegler
Sehnde

Der Regisseur eines Kitschfilmes hätte es nicht besser inszenieren können: Als sich am Montag eine Gruppe von rund 20 Wathlingern die Begrünung des Sehnder Kalibergs anschaute, sprangen plötzlich zwei Rehe über einen Hang. Später wurden auch Hasen gesichtet. Inmitten von Brombeersträuchern, Pappeln, Weiden, Kamille, wilden Blumen und Gräsern leben auch Füchse, sagte Projektleiter Gerold Jahn vom Bergbauunternehmen K+S. Der Kaliberg wird zum idyllischen Naherholungsgebiet.

In Sehnde wurde die Schachtanlage Friedrichshall im Jahr 1982 stillgelegt. 1997 begann das Unternehmen mit der Abdeckung der Halde. In fünf bis sieben Jahren soll der ganze Berg begrünt sein. Es ist der erste Versuch, einen Kaliberg in dieser Größenordnung zu bepflanzen. Genau deshalb schauten sich Verwaltungsvertreter, Politiker und einige Bürger aus Wathlingen den Berg aus der Nähe an.

Die Halde hat mit einer Höhe von 76 Metern und einer Fläche von 28 Hektar in etwa die Ausmaße des Kalibergs von Wathlingen. Verbaut werden Bodenaushub und Bauschutt. Das angelieferte Material kommt zu 80 Prozent aus der Region Hannover. „Der Bauschutt der abgerissenen Post von Hannover liegt hier“, sagte der Geschäftsführer von K+S Baustoffrecycling, Ralph Köhler. Auch die Pferdeturm-Kreuzung und Material von Expo 2000-Projekten sind am Berg verbaut.

Um Akzeptanz bei der Bevölkerung für die jahrzehntelangen Arbeiten zu bekommen, habe man sehr früh mit der Öffentlichkeitsarbeit begonnen, berichtete der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke. Inzwischen werde alle drei Jahre ein Bergfest mit 10.000 Besuchern veranstaltet. „Die Akzeptanz ist in Begeisterung umgeschlagen. Die Optik hat auf jeden Fall gewonnen, auch der Umweltschutz“, sagte Lehrke über den Berg.

Bei aller Begeisterung über die grüne Oase gibt es auch Nachteile. Die Bauarbeiten machen viel Lärm, etwa wenn Planierraupen zum Einebnen des Bauschutts im Einsatz sind. Die ersten Häuser in Sehnde sind nur 200 Meter von der Halde entfernt. Auch die Staubbelastung ist an manchen Tagen enorm. Ein Mitarbeiter ist ausschließlich damit beschäftigt, den Berg zu bewässern, damit sich die Belastung für Anwohner in Grenzen hält.

Die Reaktionen der Wathlinger fielen dennoch sehr positiv aus. Naturgemäß überzeugte vor allem der Bereich der Halde, wo schon in den neunziger Jahren mit der Begrünung begonnen wurde. „Es sieht toll aus. Hier ist eine Pflanzenvielfalt, es ist von allem etwas dabei“, sagte SPD-Ratsfrau Nilüfer Dann. Auch Wolfgang Scholz (CDU), als privater Gutachter lange Jahre im Clinch mit K+S, war angetan. „Ich finde das beeindruckend. So gute Ergebnisse hatte ich nicht erwartet, die Flächen sind sehr grün und sehr stabil. Ich wünsche mir, dass es in Wathlingen auch mal so wird“, sagte er.

Bürgermeister Torsten Harms spannte den großen Bogen und sprach von dem tiefen Einschnitt in Wathlingen, der mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kam. Die anstehende Begrünung des Kalibergs sei wieder so eine große Zäsur. „Vor uns liegt aber noch viel Arbeit.“