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Aus dem Landkreis Zufall oder typisches Verhalten?
Celler Land Aus dem Landkreis Zufall oder typisches Verhalten?
17:42 30.11.2018
Von Carsten Richter
Handelt es sich bei dem Tier, das einen Mann in die Hand gebissen hat, um einen Wolf? Antworten sollen Mitte kommender Woche vorliegen. Quelle: Carsten Rehder
Celle

War es der Wolf? Diese Frage steht im Raum, nachdem am Mittwoch ein Mann auf einem Friedhof im Landkreis Rotenburg/Wümme von einem Tier in die Hand gebissen wurde. Mit Hochdruck laufen die Untersuchungen, ob es sich dabei tatsächlich um einen Wolf gehandelt hat. Wenn ja, wäre es der erste Angriff auf einen Menschen in Deutschland seit der Rückkehr der Raubtiere. Die genommenen Proben sind am Donnerstag an das Senckenberg-Institut geschickt worden. Vermutlich Mitte kommender Woche wird das Ergebnis vorliegen.

Unterdessen gibt es im Landkreis Celle unterschiedliche Meinungen zu dem Vorfall – und zu den Konsequenzen. Alle Seiten betonen, dass zunächst die Analyse abgewartet werden müsse.

Jungtiere suchen neue Reviere

Dass sich Jungtiere, die auf der Suche nach neuen Revieren sind, in Ortsnähe aufhalten, sei nicht unwahrscheinlich, sagt Wolfsberater Helge John aus Eschede. „Es kommt vor, dass sie sich auf ihren Streifzügen verlaufen.“ Gezielt nach Nahrung gesucht habe das Tier aber sicher nicht. Die Begegnung auf dem Friedhof ordnet John als „Zufall“ ein.

Annäherung an den Menschen ist "bedenklich"

Auch Anne Friesenborg meint, dass es sich um keinen gezielten Angriff gehandelt habe. Allerdings hält es die Mitgründerin der Winser „Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer“ für bedenklich, dass sich das Raubtier – wenn es denn ein Wolf war – immer mehr dem Menschen annähert. So wie sich die vier Tiere, von denen eines zugebissen hat, dem Arbeiter auf dem Friedhof genähert hätten, sei das „typisches Wolfsverhalten“, so Friesenborg. Sie erinnert an den Problemwolf „Kurti“ aus dem Munsteraner Rudel, der 2016 erschossen wurde, nachdem er unter anderem in Groß Hehlen und Lachendorf den Menschen immer näher gekommen war. Es müsse nun schnell nach Lösungen gesucht werden. Friesenborg begrüßt es, dass das verdächtige Rudel nun überwacht wird, wie am Freitag das Umweltministerium erklärt hat.

Entwicklung der Population kontrollieren

Auf dem Gebiet der Gemeinde Winsen wurden mehrfach Wölfe gesichtet. Bei dem mutmaßlichen Wolfsangriff geht Bürgermeister Dirk Oelmann zunächst von einem Einzelfall aus. Allerdings gebe es keine Garantie, dass auch weiterhin nichts passiert. Gerade nach diesem Vorfall, wenn er sich als Wolfsangriff erweist, müsste es möglich sein, die geschützten Tiere leichter zu erschießen. „Darüber hinaus halte ich daran fest, dass mehr Augenmerk auf eine Kontrolle der Populationsentwicklung gelegt werden muss“, so Oelmann. Wenn Regeln geschaffen würden, wie „relativ unbürokratisch“ gehandelt werden dürfe, könne es bei Einzelfällen bleiben.

Vertrauen der Menschen zurückgewinnen

Celles Kreisjägermeister Hans Knoop überrascht der Vorfall nicht. Dass das Verhalten des Rudels nun beobachtet werde, sei richtig. „Wir müssen das Vertrauen der ländlichen Bevölkerung zurückgewinnen“, sagt Knoop. Es sei ein unhaltbarer Zustand, dass Eltern ihre Kinder aus Angst vor dem Wolf nicht mehr auf die Straße ließen. Die Tötung des Wolfes sei die richtige Konsequenz.

Nicht alle Wölfe sind bösartig

Carl Wilhelm Kuhlmann, Vorsitzender des Verbandes Lüneburger Heidschnuckenzüchter, fordert ebenfalls die Entnahme des Wolfes, wenn sich der Verdacht bestätigen sollte. Zwar betont er, dass nicht alle Wölfe bösartig seien. Dennoch: Die Zahl der Wölfe werde immer mehr, so Kuhlmann. Wenn nicht wenigstens wie etwa in Frankreich die Wolfspopulation geregelt werde, würden die Tiere irgendwann die Scheu verlieren, fürchtet er. „Momentan passiert bei uns gar nichts.“

Übergriffe darf es nicht geben

Übergriffe wie der bei Rotenburg dürfe es nicht geben, sagt Andrea Pohlen, Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Heide-Wendland. Gegen eine Entnahme stellen sich die Naturschützer nicht. Grundsätzlich aber seien Begegnungen mit Menschen „normal“. „Wenn sie ihre Eltern verlassen, betreten sie neue Reviere, um an Beute zu gelangen“, so Pohlen.

Informationen

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Zum 24. Male ruft die Cellesche Zeitung die Menschen im Landkreis Celle zur Unterstützung Bedürftiger vor unserer Haustür auf.

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