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Bergen Ortsteile Ab morgen bleibt der Backofen kalt
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15:44 26.02.2010
Am Sonnabend ist letzter Tag in der Bäckerei von Friedrich Lübkemann in Bleckmar. Quelle: Joachim Gries
Bleckmar

„Weiß ich noch nicht“, sagt die Kundin im Laden auf die Frage, wo sie nächste Woche ihr Brot kauft. Ganz blöd sei das. „Dem trauern wir alle hinterher“, sagt die Frau. Auf Vorrat hat sie noch mal fünf Tortenböden bestellt, denn heute ist letzter Tag bei der Bäckerei Lübkemann in Bleckmar.

Ab morgen kann Bäckermeister Friedrich Lübkemann ausschlafen. Nicht nur sonntags, wie bisher, sondern jeden Tag. Mit 70 Jahren setzt er sich zur Ruhe. Nach drei Generationen Friedrich Lübkemann, nach rund 105 Jahren geht die Ära der Bäckerei in Bleckmar zu Ende.

Um 3.30 Uhr ging es immer los, am späten Vormittag war Feierabend, sonnabends ging im Backhaus schon um 1 Uhr das Licht an, dann war gegen 7 Uhr Schluss. 300 bis 500 wurden jede Nacht gebacken Brot schloss sich an, dann Kuchen.

„Das ist für eine Gastwirtschaft“, sagt der Chef, als er mit dem Schieber ein Sechspfundbrot aus dem Ofen holt. In den 50er-Jahren seien nur große Brote gebacken worden. Damals hätten die Leute kaum frisches Brot gekauft, damit nicht so viel gegessen wurde.

Die Ernährungsgewohnheiten hätten sich geändert, sagt Lübkemann. Der Brotkonsum sei zurückgegangen, heute seien Brötchen und Brote mit Körnern gefragt. 20 bis 30 Zentner Mehl wurden pro Woche verarbeitet.

1970 übernahm der letzte Friedrich Lübkemann den Betrieb Vater. Aus dieser Zeit ist auch der große ölbefeuerte Ofen mit zwölf Türen. Hin und wieder legt der Bäckemeister einen Hebel um, dann geht ein Schuss Dampf in den Ofen, damit die Brotlaibe nicht reißen und ein bisschen glänzen. Kommen sie aus dem Ofen, sorgt ein Streich mit dem nassen Handfeger für weiteren Glanz.

Im Lauf der Jahre ging der Umsatz in der Bäckerei zurück, weil inzwischen jeder Supermarkt Backwaren im Angebot hat. Etwa 50 Prozent seien am Wagen verkauft worden, der die kleinen Dörfer bediente, schätzt Lübkemann.

Der Betriebsablauf in seiner Backstube hat sich in den Jahren nicht groß geändert. Noch immer ist viel Handarbeit angesagt, trotz Knet- oder Teigteilmaschine. Beim Ofen ist Aufmerksamkeit angesagt. „Beim Butterkuchen kommt es auf die Minute an“, sonst ist er verbrannt, sagt der Bäckermeister. Dass mal eine Zutat vergessen wurde, das kam vor. Aber ganz selten. „Fehler machen wir alle“, sagt der 70-Jährige.

Ganz aufgegeben hat er die Hoffnung noch nicht, dass eines Tages ein Nachfolger die Bäckerei wieder in Betrieb nimmt. Machbar wäre es. Und das frühe Aufstehen ist keine Besonderheit der Bäcker, meint er. „Morgens früh sind auch viele andere unterwegs, meint er.

Lübkemann hat jetzt mehr Zeit für den Schützenverein, für sein Hobby Skilanglauf und für seine Frau Edeltraud. Und die hat mehr Zeit, weil ja auch der Laden schließt. Da gab es neben Brot, Brötchen und Kuchen auch Zeitschriften. „Und was man sonst braucht fürs Frühstück braucht“, sagt sie.

Auch für Andre Hiestermann aus Bleckmar ist heute Schluss. 1997 bis 2000 hat er hier gelernt, 2005 seinen Meister gemacht. Er hat noch nichts Konkretes in Aussicht, ist aber zuversichtlich. „Qualität setzt sich durch“, meint der 31-Jährige. Dritter Meister in der Backstube war Mark Schledermann, ebenfalls Bleckmarer. Er war zuletzt in Elternzeit. Jeder machte alles, so mussten in der Urlaubszeit nicht lange Betriebsferien gemacht werden.

Heute Mittag ist Schluss. Ab nächster Woche kommt ein Bäckerwagen von außerhalb.

Von Joachim Gries