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Bergen Ortsteile Biogasanlagen: Diskussion um Vorschriften nimmt zu
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Biogasanlagen: Diskussion um Vorschriften nimmt zu
15:23 01.11.2010
Diesten

Zu einem intensiven Schlagabtausch über die Resolution zu privilegierten Bauvorhaben könnte es im Kreistag am Dienstag, 14.30 Uhr, im Kreistagssaal kommen. Die Verwaltung hat in ihrer Vorlage dafür plädiert, diese Resolution abzulehnen. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass die Regelungsmöglichkeiten ausreichen. Man schließe sich daher der Haltung des Landes an. In der Sitzung des Wirtschaftausschusses zu dieser Resolution war bei der Politik allerdings ein deutliches Unbehagen bei diesem Thema zu spüren angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Biogasanlagen in den vergangenen zwei Jahren von 31 auf 61 Stück gesprungen ist.

Sogar die Grünen, die lange Zeit ein Fan des konsequenten Ausbaus von regenerativen Energien gewesen sind, fürchten inzwischen die Auswirkungen. Man habe da einen Geist aus der Flasche gelassen, den man nicht mehr kontrollieren kann“, sagt damals der Grüne Gerald Sommer. Einstimmig wurde die Resolution vom Fachausschuss empfohlen.

Auch viele Celler Bürger sind nicht der Meinung zu sein, dass die bestehenden Regelungen ausreichen. Im Sommer hatten bereits die Bürger in Altenhagen ihre Bedenken geäußert. Jetzt kommen ähnliche drängende Fragen auch aus Diesten.

Nahe der dortigen Ortsgrenze soll demnächst eine zweite Biogasanlage errichtet werden. „Sie ist nur einige 100 Meter von der bereits errichten Anlage entfernt“, berichtete Bürgermeister Reinhard Blonn nach der jüngsten Sitzung des Ortsrates. Der zukünftige Betreiber hatte seine Pläne in der Sitzung vorgestellt.

Blonn lobte die sachliche Atmosphäre. Doch in der Sache, das wurde an dem Abend deutlich, fanden die Parteien nicht zueinander. Viele Diestener sind skeptisch. Das gilt vor allem für die Abstandsregelungen, die für die Anlage gelten. Rein rechtlich liegt sie im Außenbereich. Trotzdem wird sie sich nach der Einschätzung vieler Einwohner deutlich zu nahe am Ort befinden. „Bei der bestehenden Anlagen klagen einige Bewohner bereits über Geruchsbelästigungen“, sagt Blonn.

Doch machen, das ist den Diestenern klar, können sie bei der derzeitigen Rechtslage nichts gegen den Bau. Denn es wird eine Anlage mit 250 Kilowatt Leistung sein und damit ebenfalls unter das privilegierte Bauen fallen. Für Blonn ist diese geringen Eingriffsmöglichkeit nicht verständlich, angesichts von einem dichten Regelwerk für andere Bauprojekte. Schon lange sei der Ortsrat mit einem Baugebiet zur Eigenentwicklung zu Gange. Immer wieder müssten aufwendige Vorschriften berücksichtigt werden. „Beim privilegierten Bauen geht es dagegen ohne große Eingriffsmöglichkeiten“, kritisiert Blonn.

Der Biogasboom hat offenbar noch andere Folgen. So steigen die Pachten für Flächen, die immer knapper werden, offenbar deutlich an. Immer mehr Äcker werden für den Maisanbau benötigt.

Das Landvolk sieht diese Probleme nicht. Es setzt lieber auf Selbstregulation und erwartet ein Ende des Biogasbooms für 2012, wenn die Förderung zurückgefahren wird.

Von Tore Harmening