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Bergen Ortsteile Celler Landwirte werben für Verständnis: Ohne Pflanzenschutz keine Qualität
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Celler Landwirte werben für Verständnis: Ohne Pflanzenschutz keine Qualität
16:45 14.07.2017
Von Christopher Menge
Nindorf

Ende März hat Timme die Rüben gedrillt. „Etwa 14 Tage später habe ich dann Herbizide gegen Unkräuter gespritzt“, erzählt der Landwirt. Da Kamille und Disteln danach wieder kamen, wurde zwei weitere Male Pflanzenschutz gespritzt; auf dem ganzen 14,5 Hektar großen Feld – mit Ausnahme der neun Quadratmeter großen Parzelle.

„Man muss spritzen, sonst kann man die Qualität nicht erhalten“, betont Timme, der gemeinsam mit dem Becklinger Landwirt Jan-Hendrik Hohls für Verständnis in der Öffentlichkeit wirbt. „Wir machen das mit einem gutem Gewissen, die Mittel sind super erforscht und die Landwirte sind bestens ausgebildet.“ Hohls sagt es noch deutlicher: „Wir können uns nicht vor denen schützen, die Grabenkanten tot spritzen, aber diejenigen, die es vernünftig machen, betreiben wissenschaftlich erforschte Landwirtschaft.“ Er habe nichts gegen Bio, aber die Produkte reichten nicht aus, um die Weltbevölkerung zu ernähren. „Viele Landwirte werden aus Sicht eines satten Bauches angeklagt“, kritisiert Hohls.

Als Timme zwei Rüben aus dem Boden zieht – eine aus dem Feld und eine aus der nicht bespritzten Parzelle – ist er über das Ergebnis selbst überrascht. „Bei Zuckerrüben verliert man ohne Pflanzenschutz durchschnittlich einen Ertrag von 17 Prozent“, sagt Timme, „hier ist der Unterschied aber noch viel größer.“ Der Grund: Unkräuter rauben den Nutzpflanzen Nährstoffe, Wasser und Licht. Pilze und Schädlinge machen sie krank.

„Seit zweieinhalb Wochen erkennt man die Rüben gar nicht mehr“, sagt Timme. Neben Kamille und Disteln haben sich Knöterich, Melde und Hirse breit gemacht. „Die Photosynthese funktioniert so nicht mehr. Die Blätter bekommen kein Licht und die Rübe ist unterentwickelt.“ Darüber hinaus sei die Ertrag bei der Ernte durch das Unkraut noch einmal beeinträchtigt. „Beim Roden bekommt man sie nicht aus dem Boden“, erklärt der Landwirt.

Ende Oktober/Anfang November sollen die Zuckerrüben geerntet werden. „Wir düngen so viel, wie die Rüben bis zum Herbst brauchen“, sagt Timme. Unkräuter nehmen ebenfalls Dünger auf. „Unkraut ist kein Ernteprodukt, das abgefahren wird. Die Unkräuter verrotten nach der Ernte auf dem Feld, wodurch Nitrat im Boden entstehen kann. Bei starken Niederschlägen über Winter kann dies ausgewaschen werden“, warnt Hohls. Pflanzenschutz ist ein wichtiger Baustein im konventionellen Ackerbau. „Die vorangehenden Maßnahmen wie Bodenbearbeitung, Sorten- und Standortwahl werden durch chemischen Pflanzenschutz ergänzt“, sagt Timme.