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Bergen Ortsteile „Die Lohheide“: Geschichte auf 1000 Seiten
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile „Die Lohheide“: Geschichte auf 1000 Seiten
16:56 20.08.2010
Hermann von der Kammer Quelle: Tore Harmening
Wardböhmen

WARDBÖHMEN. Der 72-Jährige Wardböhmer ist schon ein Profi, denn das umfangreiche Werk - geplant sind etwa 1000 Seiten - wird bereits seine siebte Chronik sein, wenn er sie im kommenden Jahr vorstellen wird. „Ich arbeite immer den halben Tag daran“, sagt von der Kammer, während er in seinem Büro sitzt. Gleich nebenan, hat er einen wohl sortierten Raum mit Büchern, Dokumente, Fotoalben. Doch für die Chronik wälzt er nicht nur viel Papier, sondern interviewt auch die Bewohner von Hasselhorst. „Es gibt nur noch wenige, die als Flüchtlinge dort hinkamen“, sagt von der Kammer. Aber auch die jüngeren können noch viel beitragen.

Die Recherchearbeit bedeutet auch viele Listen zu führen und abzuarbeiten. „Ohne penible Ordnung würde man dem Überblick verlieren. So hat der Chronist eine lange Reihe von Adressen von ehemaligen Bewohnern bekommen. „Eine Frau habe ich schließlich über Umwege in einem Altersheim gefunden. Die fing gleich an, zu weinen, als ich sie an die Geschichte erinnerte“, erzählt von der Kammer. Denn ihrer Familie wurde übel mitgespielt, als die Nazis sich entschlossen, 1935 den Truppenübungsplatz zu bauen. Die Familie wurde regelrecht weggemobbt. „Diese Menschen sind die ersten Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges“, sagt von der Kammer.

Die Chronik befasst sich auch mit der Frühgeschichte der Lohheide. Dörfer und Siedlungen, Mühlen, Flüssen und Schulen werden beschrieben bevor die Entstehung des Übungsplatzes, die Wiederbesiedlung nach 1945 und die Wiederinbetriebnahme durch die Briten in den 1960er Jahren im Zuge des Kalten Krieges aufbereitet wird. „Auch die Geschichte der Gedenkstätte Bergen-Belsen habe ich aufgenommen, weil die Chronik sonst unvollständig wäre“, erklärt von der Kammer.

Doch es geht nicht nur um die Geschichte, sondern auch die Beschreibung des modernen Lohheide mit der Entwicklung des Ortes Hasselhorst, der Verwaltung und den zahlreichen Vereinen. Dazu stellt von der Kammer die Besonderheiten aus den Anrainerdörfern, denn „ihr Schicksal wurde vom Truppenübungsplatz mit beeinflusst“.

Es wird eine Darstellung mit vielen Fotos, denn im Zuge seiner Recherchen hat der Wardböhmer Chronist vieles gesammelt und so mancher Leser wird neues entdecken. Etwa dass es in den ehemaligen Dörfern des Truppenübungsplatzes schon Feuerwehren gab oder dass die B3 hinter Wardböhmen eigentlich mal ein Feldweg war, die ursprünglich Trasse der Napoleonischen Heerstraße aber über den Truppenübungsplatz verläuft.

300 Seiten hat von der Kammer bereits geschrieben, aber wenn auch diese Chronik erfolgreich abgeschlossen ist, hat er schon ein neues Projekt. Von der Kammer: „Als nächstes werden ich ein Buch über Mühlen schreiben, da habe ich auch schon einiges gesammelt.“

Von Tore Harmening